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Elmshorner Nachrichten

22. November 2017 | 04:38 Uhr

Experte warnt vor Lebensgefahr im Wald

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Wetter Weiche Böden und Orkan erhöhen das Risiko umstürzender Bäume

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2017 | 17:16 Uhr

Für die Wälder im Norden prognostizieren Experten ein beispielloses Risiko umstürzender Bäume. Als Grund nennt Jens Fickendey-Engels, Chef des schleswig-holsteinischen Waldbesitzerverbandes, das ungewöhnliche Aufeinandertreffen dreier Faktoren: Orkan, belaubte Bäume und weiche Böden.

Mit den heute und morgen erwarteten Böen fegt innerhalb von nur drei Wochen der zweite schwere Sturm über das Land. Die meisten Bäume tragen noch Laub. „Sie bieten dem Wind wie ein Segel eine viel größere Angriffsfläche als im Winter“, sagt Fickendey-Engels. Zudem sei der Boden von den Rekord-Regenmengen der vergangenen Monate „aufgeweicht wie ein Pudding“. Der Waldexperte sagt: „Das Wasser kann nicht mehr nach unten. Der Boden ist voll wie ein Schwamm. Und obendrauf steht auch Wasser.“ Die Wurzeln könnten manche Bäume nicht mehr halten. Darum warnt der Verband davor, baumbestandene Flächen während des Sturms mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern zu betreten.


Größte Gefahr droht nach dem Sturm


Nach Ansicht von Hans-Albrecht Hewicker, Kreisnaturschutzbeauftragter im Kreis Pinneberg, liegt in den Tagen nach dem Sturm jedoch das eigentliche Risiko. „Jeder weiß, dass man bei Orkan nicht in den Wald darf. Doch vom Wind angeschobene Bäume und gebrochene Äste in den Kronen können später bei völliger Windstille ohne Vorwarnung herunterkrachen“, sagt Hewicker. Sein Tipp: Auch unmittelbar nach einem Orkan den Wald meiden, anschließend auf den Wegen bleiben und den Blick regelmäßig nach oben richten. Regionale Unterschiede gebe es dabei im Kreis kaum. „Überall, wo Bäume stehen, ist Vorsicht geboten. Alte Bestände sind aber eher betroffen als Bereiche mit jungen Pflanzen“, sagt Hewicker.

Schnelle Entwarnung ist nicht in Sicht. Wegen völlig aufgeweichter Wege befürchten die Waldbesitzer, die 65 Prozent der 170 000 Hektar Forst im Land bewirtschaften, herabgestürztes Holz nicht zügig wegräumen zu können. Mit der Sturmvorhersage steigt auch die Ungewissheit für Bahnfahrer, ob Strecken wegen umfallender Bäume gesperrt werden. Es mehren sich Rufe nach größeren Abständen zwischen Trassen und Bepflanzung.

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