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Neue Sicherheitsverordnung : Ewer Gloria – ist das jetzt das Ende?

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Offenbar will das Ministerium die neuen Vorschriften unterschreiben. Viele Traditionsschiffe könnten dann nicht überleben.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2017 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Ulrich Grobe ist fassungslos. Für ihn ist das Schicksal des Elmshorner Ewers „Gloria“ jetzt so gut wie besiegelt. Der Grund: Nach den Aussagen mehrerer Teilnehmer der Schiffssicherheitskonferenz in Berlin soll Christian Schmidt, Interimschef des Bundesverkehrsministeriums, noch in dieser Woche die umstrittene neue Schiffssicherheitsverordnung unterzeichnen. „Für uns bedeutet das, dass die Gloria bald nicht mehr als Traditionsschiff fahren darf“, erklärt Grobe, Vorsitzender des Trägervereins des Ewers Gloria.

Das 119 Jahre alte Schiff könnte zwar noch als Sportschiff weiterbetrieben werden. „Aber dann dürften wir nur noch sechs statt 19 Gäste an Bord nehmen und könnten keine Fahrkarten mehr verkaufen, sondern wären auf Spenden angewiesen“, sagt Grobe. Ob die Einnahmen noch ausreichten, um die Wartung der Gloria zu finanzieren, bezweifelt Grobe stark: „Am Ende bleibt uns nichts anderes übrig als die Gloria zu verschrotten.“

Die neue Schiffssicherheitsverordnung: Seit über einem Jahr droht das Bundesverkehrsministerium mit der Verschärfung der Sicherheitsbestimmungen für deutsche Traditionsschiffe. Der Dachverband der Traditionsschiffer befürchtet für diesen Fall das Ende für 90 Prozent der insgesamt 110 deutschen Traditionsschiffe. Denn: Viele der Vorschriften sind entweder finanziell oder baulich für die hauptsächlich von Ehrenamtlern getragenen Traditionsschiff-Vereine nicht zu realisieren. Zusätzlich vorgeschriebene Lehrgänge für die Besatzung würden den Verein des Ewers Gloria zum Beispiel Tausende Euros kosten. Und das Gewicht eines verordneten 100 Kilo schweren Ankers an einer 160 Meter langen Ankerkette würde das ganze Schiff nach vorne kippen lassen. „Diese angeblichen Sicherheitsvorschriften sind irrsinnig überzogen“, sagt Grobe.

142 Seiten ist die neue Sicherheitsverordnung dick. Der Verband der Traditionsschiffsbetreiber befürchtet, dass die Verwaltung im Bundesministerium das aktuelle Vakuum in der Bundespolitik nutzen will, um die Verordnung gegen alle Absprachen mit Traditionsschiffsbetreibern durchzudrücken. Noch am vergangenen Donnerstag habe Staatssekretär Rainer Bomba am Rand der Verkehrsministerkonferenz auf die ausstehenden Gespräche mit dem Dachverband am 20. November in Berlin verwiesen. Er habe bekräftigt, es gebe keinen Grund zur Besorgnis. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Schiffsbetreiber noch davon aus, dass inhaltliche Bedenken bei dem Gesprächstermin diskutiert werden könnten. Schließlich war das Inkrafttreten der neuen Verordnung vom 30. Juni auf den 1. Januar verschoben worden, um Zeit für klärende Gespräche zu schaffen. Seitdem hat jedoch noch immer kein Gesprächstermin stattgefunden.

 

Seit Monaten unterstützen Bundestagsabgeordnete, verschiedene Landesparlamente und selbst der Bundesrat das Anliegen der Traditionsschiffer. „Alle versuchen, dem Bundesministerium begreiflich zu machen, dass die Verordnung in ihrer Summe für ehrenamtlich betriebene Schiffe wie die Gloria nicht umsetzbar ist“, sagt Grobe. Doch das Ministerium sei in keiner Weise gesprächsbereit.

Die Traditionsschiffer fordern, dass das Ministerium einen Gesprächsprozess beginnt – und die Verordnung nicht unterschreibt. Sonst würde das das Ende der Gloria in drei Jahren bedeuten. Dann läuft der Bestandsschutz aus.

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