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Reimer Böge: Wir alle sind Europa : Europaabgeordneter CDU Politiker zu Besuch an der Elsa-Brändström-Schule

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 14:00 Uhr

Elmshorn | Wer kennt nicht den Europaabgeordneten Reimer Böge (CDU)? Im Rahmen der Europawoche an der Elsa-Brändström-Schule hatten 120 Schülerinnen und Schüler der elften Klassen Gelegenheit, ihn näher kennenzulernen – und ihm politisch ein wenig „auf den Zahn zu fühlen“. Davon machten sie regen Gebrauch. Böge gab sich locker und entspannt und schien den Kontakt mit den jungen Menschen zu genießen. Böge bekannte sich dabei klar zu Europa: „Wir alle sind Europa“

Einleitend schilderte der aus Hasenmoor (Kreis Segeberg) stammende Politiker seinen beruflichen Werdegang. Dieser begann mit dem Studium der Agrarwissenschaften, Fachrichtung „Wirtschafts- und Sozialwissenschaften“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, das er als Diplom-Agrar-Ingenieur abschloss, und mündete in die Tätigkeit als selbstständiger Landwirt.

Daneben nahm er zahlreiche Funktionen unter anderem in der Schleswig-Holsteinischen und Deutschen Landjugend und beim Landesjugendring wahr. Das Präsidentenamt übte er im Europäischen Rat der Jungen Landwirte und bei der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierzüchter aus. Über seinen Vater kam Böge, seit 1975 Mitglied der CDU, früh in Kontakt mit der Politik. Seit 1989 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments. „Fünf Monate nach der Wahl fiel die Mauer in Berlin“, berichtete er. „Es war eine spannende Zeit.“ Aktuell ist er Mitglied im Haushaltsausschuss und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für internationalen Handel.

Nachdem der Politiker noch die politische Arbeit im Europaparlament beziehungsweise in den Ausschüssen geschildert und zugegeben hatte, dass die Umgangssprache dort schlechtes Englisch sei, stellte er sich den durchweg qualifizierten Fragen der Schülerinnen und Schüler. Die erste galt der politischen Arbeit in Brüssel: „Wo ist sie nicht so effizient?“ lautete sie. Die Antwort fiel länger aus und enthielt die allgemeine Feststellung, dass Arbeit manchmal eben nicht so effizient sei. „Wenn nicht alles so läuft wie gewünscht, kann ich bei mir zu Hause Pfähle einschlagen und Zäune aufstellen“, sagte er scherzhaft und fügte ernster hinzu: „Man braucht auf jeden Fall viel Geduld; manchmal sind es tatsächlich mühsame Verfahren.“

Auch Böge sieht manches kritisch. So könne man sich beispielsweise fragen, ob man wirklich zwei Sitzungsorte, also Brüssel und Straßburg, brauche. Er verglich dies mit dem Umzug von der ehemaligen Hauptstadt Bonn nach der neuen Hauptstadt Berlin, was auch nicht von heute auf morgen erledigt sei. Mit im Spiel seien auch die Interessen der Staaten wie Frankreich: Wenn man ihnen etwas wegnehme, müsse man ihnen auch Ersatz verschaffen.

Aus der Schülerschaft kam eine Reihe von Fragen zu Europa und TTIP.
Aus der Schülerschaft kam eine Reihe von Fragen zu Europa und TTIP. Foto: Schilling
 

Eine weitere Frage aus der Schülerschaft bezog sich auf die immense Staatsverschuldung der EU-Länder in Höhe von 11,6 Billionen Euro: „Kann man sie irgendwann zurückfahren?“ Dazu stellte Böge fest, dass dies in einigen Staaten wirklich eine starke Dramatik besitze. Doch dürfe man nicht allein auf die Ziffern sehen: Das allein sei nicht ausschlaggebend. Die skandinavischen Länder, die gut aufgestellt seien, könnten damit besser umgehen als beispielsweise Griechenland. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Länder an der Peripherie nicht scheitern“, bekräftigte der Europapolitiker. Ein EBS-Schüler wollte wissen, ob Böge manchmal gegen seine innere Überzeugung argumentieren müsse. Die Replik des Christdemokraten: Man müsse sich schon überlegen, wo man in der Fraktion von der Fahne gehe, was aber nicht jeden Tag der Fall sei. „Ich bin zwar gewählt für meinen Wahlkreis, muss aber auch die Interessen des Ganzen vertreten“, fügte er hinzu.

TTIP war ebenfalls ein Thema auf der EBS-Veranstaltung. Der Christdemokrat ist der Auffassung, dass es nicht funktioniere, Verhandlungen öffentlich zu diskutieren. Befürchtungen von TTIP-Kritikern hinsichtlich Demokratieabbau trat er entgegen. Er habe nicht 25 Jahre für mehr Demokratie- und Parlamentsrechte gekämpft, um sie wegen eines Handelsabkommens aufzugeben.

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