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Elmshorner Nachrichten

21. Oktober 2017 | 21:51 Uhr

Es war einmal eine Fasanenhenne

vom

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Die Fasanenhenne an sich ist eine äußerst zurückhaltende Zeitgenossin. Sie scheut die Öffentlichkeit wie Karl Lagerfeld das Sonnenlicht. Mit ihrem gedeckten Federkleid ist sie schwer zu erkennen und jedwede Publicity und allen Protz überlässt sie ihrem eitlen Mann, der sich ja anscheinend gar nicht oft genug mit seinem blechernen "Gögöck" in Erinnerung rufen kann. Dazu diese extravaganten, stolzierenden Auftritte und diese Sucht nach Aufmerksamkeit. Frau Fasan aber ist da ganz anders. Sie ist nahezu still, hält sich von allem fern und trägt gerne Erd- und Sandfarben. Man könnte beinahe behaupten, man sieht sie gar nicht.

Nun aber spielt eine leichte Frühlingsbrise deutlich sichtbar im Brustgefieder der sonst so öffentlichkeitsscheuen Kreatur. Ihr Hang zu dezenten Farben wurde ihr ganz offenbar zum Verhängnis, denn da liegt sie nun. Überfahren am Straßenrand. Nicht weit entfernt sonnt sich ihr Witwer schon wieder im eigenen Glanze und meint, er wäre ein richtiger Paradiesvogel oder mindestens ein halber Pfau. Gögöck, Gögöck!

Die traurige Geschichte von Frau Fasan ist nur ein Beispiel für die uns so verborgene Fauna Schleswig-Holsteins. Von vielen Getieren wissen wir erst, dass sie hier im Grunde heimisch sind (oder waren), wenn sie vom Kotflügel hart geküsst wurden oder einem polierten Frontspoiler anheimfielen und dahingeschieden am Wegesrand liegen. Auch den Marder oder das Wiesel sieht man nur noch, wenn sie den Wildwechsel auf der Bundesstraße mal wieder nicht geschafft haben und zunächst nur naturgegeben lang und bald auch ziemlich platt den Asphalt be decken.

Aber auch der Wolf ist zurück bei uns hier im Norden. Doch stets nur kurz. Kürzlich hat es einer lediglich bis auf die Autobahn bei Ahrensburg geschafft. Da war denn aber auch schon wieder Schluss. Als ich letztens mit dem Auto nach Kiel fuhr, sah ich am Rand der A7 zwischen Großenaspe und Neumünster einen Dachs. Ich erkannte ihn sofort an seinem charakteristischen schwarz-weißen Kopf und dem gedrungenen Körperbau, so wie er da lag, als würde er nur ein Nickerchen machen. Leider ist uns der Dachs nur noch als Dax geläufig und tägliche Berichte darüber, dass er sich mal wieder im Keller befinden würde, schrecken keinen mehr. Nun ist er tot und niemanden kümmert es.

Und gerade gestern sah ich eine Ratte, quicklebendig und äußerst flink. Fast hätte ich sie überfahren, sie war aber schneller. Na, immerhin.

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