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Interview mit Volker Hatje : „Es geht nur mit einer Doppelspitze“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Wie Elmshorns neuer Bürgermeister seinen Wahlsieg erlebte, welche Qualitäten sein Nachfolger als Stadtrat mitbringen muss und was ihn von seiner Vorgängerin Brigitte Fronzek unterscheidet.

Sie haben bestimmt noch länger gefeiert, wann waren Sie Montagmorgen im Büro?

Volker Hatje: Ich bin erst um 9.30 Uhr im Büro gewesen, nachdem ich schon die ersten Wahlschilder abgehängt hatte. Am Sonntagabend sind wir, nachdem die Veranstaltung im Rathaus beendet war, mit dem engeren Kreis noch ins Restaurant „Ochi’s“ gezogen. Dort habe ich mit meiner Familie, Freunden und meinen Wahlhelfern, die mich im Wahlkampf sehr unterstützt haben, noch ein Absacker-Bier getrunken.

Wie groß ist die Last, die am Sonntagabend von Ihren Schultern gefallen ist? Der Druck, sich als haushoher Favorit am Ende womöglich zu blamieren, muss enorm gewesen sein.

Angst vor der Blamage hatte ich nicht! Aber es ist schon eine erhebliche Anspannung, so einen Wahlkampf durchzuführen. Und ich weiß jetzt, was es bedeutet, sich auch kommunalpolitisch ehrenamtlich zu engagieren und diesen Vorort-Wahlkampf zu machen. Das ist ein erheblicher Druck. Es war für mich eine neue Erfahrung und ich war wirklich froh, als das erste Ergebnis angezeigt wurde. Ja, dachte ich, und dann habe ich einmal tief Luft geholt.

Wie waren die Rückkopplungen an den Wahlkampfständen?

Ich habe unglaublich viel positive Resonanz von allen Bevölkerungsschichten bekommen. Die Menschen haben deutlich gezeigt, dass sie froh sind, dass ich ein Elmshorner bin, der sich hier auskennt. Viele fanden auch gut, dass es endlich mal einen parteilosen Bürgermeister geben würde.

Was ist das Erste, das ab 1. Januar 2014 im Rathaus unter Bürgermeister Volker Hatje anders läuft?

Ich bin im Gegensatz zu Brigitte Fronzek ein Frühaufsteher. Der Bürgermeistersessel wird in Zukunft also schon ab 7.45 Uhr besetzt sein.

Wann kam denn Frau Fronzek?

Sie kam meistens pünktlich um 9 Uhr.

Durch Ihren Wahlsieg wird der Posten des Stadtrates frei. Muss sich eine Stadt wie Elmshorn einen Stadtrat leisten? Oder kann Hatje das in Personalunion?

Auf die zweite Frage ganz eindeutig nein! Wir sind eine Stadt mit 50 000 Einwohnern und die Erfahrung der letzten Jahre zeigt für mich ganz eindeutig, dass es nur mit einer Doppelspitze geht. Es ist unmöglich, das alleine zu schaffen. Eine Stadt wie Elmshorn lässt sich nicht vernünftig als Einzelperson führen. Ich bin sehr froh, wenn meine Stelle relativ schnell neu besetzt wird.

Und wie wird es ab Januar laufen?

Dann werde ich, wie auch sonst in Urlaubszeiten, beide Aufgaben wahrnehmen müssen. Das bedeutet, dass die Amtsleiter mehr in die Pflicht genommen werden. Und ich werde auch nicht zu allen Terminen und Veranstaltungen gehen können, das muss man ganz deutlich sagen.

Welche Eigenschaften sollte Ihre neue Kollegin oder Ihr neuer Kollege mitbringen?

Ich würde mich freuen, wenn es jemand ist, der auch über Eignung sowie Fachkunde verfügt und die Stadt und die Menschen kennt und mit dem ich gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten kann. Ganz wichtig bei einer Doppelspitze ist, dass die Chemie zwischen den zwei Akteuren stimmt.

Die Kommunalpolitik entscheidet über Ihre Nachfolge. Wünschen Sie sich ein Mitspracherecht?

Die Besetzung des Stadtrats ist das alleinige Recht des Kollegiums. Das ist der Teil der Verwaltungsspitze, der durch die Politik bestimmt ist – und daher obliegt es den Politikern auch, sich eine geeignete Kraft zu suchen. Ich gehe davon aus, dass, wenn die Bewerber zur Wahl stehen, man mich auch befragen wird und ich auch das Eine oder Andere dazu sagen kann. Aber die Entscheidung wird die Politik treffen.

Wie ist das Gefühl, die nächsten Wochen noch unter Bürgermeisterin Brigitte Fronzek arbeiten zu müssen, wenn man doch selbst eigentlich schon Bürgermeister ist?

Natürlich wird sich etwas in der öffentlichen Wahrnehmung ändern, aber das werden wir hier intern besprechen. Ich glaube, wir werden hier noch zwei Monate gut für die Stadt zusammenarbeiten. Wir freuen uns auf die nächsten Wochen und werden es zu einem guten Abschluss bringen. Eine Übergabe wird nur in Spezialthemen nötig sein, ansonsten bin ich in alle Bereiche eingearbeitet.

Der Wahlkampf war lang. Sie hatten viele zusätzliche Termine zu Ihrem Job als Stadtrat. Wann ruhen Sie sich aus?

Wir haben uns den Luxus geleistet, in den Herbstferien gemeinsam mit den Kindern eine Woche Urlaub zu machen. Dann ist Entspannung pur angesagt, bevor die neue Aufgabe auf mich wartet, die zu Beginn durch das Fehlen eines Stadtrats sicherlich sehr herausfordernd wird.

Was wird sich durch den neuen Posten in Ihrem Leben ändern. Werden Sie noch genauso viel Zeit für die Familie haben?

Im vergangenen Jahr hat sich die Zeit für die Familie insbesondere durch den Wahlkampf schon deutlich reduziert. Sie glauben gar nicht, wie sehr ich mich darauf freue, an diesem Sonnabend endlich mal wieder morgens mit meiner Frau auf dem Buttermarkt einkaufen gehen zu können. Das war wegen des Wahlkampfes in den vergangenen sechs Wochen nicht möglich. Generell habe ich vor, Familie und Beruf in einen gewissen Einklang zu bringen. Das heißt, Frau Fronzek und ich haben immer darauf geachtet, dass man sich gegenseitig freie Wochenenden ermöglicht. Das werde ich auch künftig so halten. Der neue Stadtrat oder ich werden dann an einem Wochenende jeweils alle Termine übernehmen.

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erstellt am 24.Sep.2013 | 16:00 Uhr

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