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Fragen über Fragen in der Flüchtlingspolitik : Es fehlt an Geld und Personal

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Schule und Kindergärten diskutieren in Elmshorn über Möglichkeiten und Probleme bei der Integration von Flüchtlingskindern in Elmshorn

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2015 | 12:45 Uhr

Elmshorn | Nicht nur Städte und Gemeinden müssen sich auf vielfältige Art und Weise mit dem Thema Asylbewerber beschäftigen, sondern auch Schulen und Kindertagesstätten. Sind es bei den Kommunen eher Fragen wie Unterbringung, Finanzierungsmöglichkeiten und ehrenamtliche Unterstützung durch die Einwohner, so müssen sich die Bildungseinrichtungen mit Themen wie Integration, Deutschunterricht, Schaffung von Plätzen in Kindergartengruppen und vieles mehr beschäftigen.

Der Arbeitskreis der Friedrich-Ebert-Grundschule und der Kindertagesstätten St. Marien, Kirchenstraße, Zipfelmütze, DRK Turnstraße und DRK Hedwig-Kreuzfeldt-Weg sowie der Kindergarten der Lebenshilfe Hasenbusch haben sich mit Allegra Tekleab, Leiterin der Koordinierungsstelle Integration der Stadt Elmshorn, getroffen. Gemeinsam wurde über Integrations- und Fördermöglichkeiten für die Kinder der Asylbewerber diskutiert. Es wurde über mögliche Einstiegshilfen, aber auch über personelle und räumliche Engpässe beraten.

Erzieherinnen und Lehrer stehen vor ganz neuen Herausforderungen. Sie müssen Kinder fördern, die bisher oftmals nur sporadisch zur Schule gegangen sind, aber schulpflichtig sind. Neun- und Zehnjährige, die kein Deutsch sprechen und eigentlich in der ersten Grundschulklasse unterrichtet werden müssten. Darüber hinaus sind viele der Jungen und Mädchen traumatisiert und benötigen psychologische Hilfe. Die „DAZ-Klassen“ (Deutsch als Zweitsprache), die für die Kinder eingerichtet wurden, sind deshalb oft „überaltert“. Ein Lehrplan ist hier nicht das Maß der Dinge, sondern die Kinder müssen zunächst da abgeholt werden, wo sie sind – so die einhellige Meinung.

Vertreter von Kindergärten und der Friedrich-Ebert-Grundschule diskutierten über Integrationsfragen. (Foto: Kamin)
Vertreter von Kindergärten und der Friedrich-Ebert-Grundschule diskutierten über Integrationsfragen. (Foto: Kamin)
 

Diese Situationsbeschreibung mündete schließlich in ganz praktischen Fragen: Wo gibt es freie Plätze in Kindertagesstätten? Bisher ist die Maxime der Stadt Elmshorn: Pro Elementargruppe 20 Kinder. Kann die Zahl der Plätze aufgestockt werden? Wäre eine vorübergehende Lösung mit 25 Jungen und Mädchen möglich? Die Leiterinnen der Kindergärten beschrieben aber auch die Kehrseite der Medaille: „Überall wird von Qualität gesprochen, wie soll das in den Einrichtungen dann aussehen?“

Eine Lösungsmöglichkeit zeichnete sich im Laufe des Nachmittags ab. Der Lebenshilfekindergarten Hasenbusch hätte die Möglichkeit, Kinder in kleinen Gruppen in den Nachmittagsstunden aufzunehmen. Allerdings muss die Frage der Finanzierung noch beantwortet werden. Eine weitere Möglichkeit böte sich in der DRK-Kita Hedwig-Kreutzfeld-Weg. Die Räume des Horts werden am Vormittag nicht genutzt und stünden zur Verfügung. Auch hier stellt sich die Frage nach der Finanzierung und Personal. Im Kindergarten Zipfelmütze wären nachmittags Räumlichkeiten zur Nutzung frei. Die Fragen der Kostenübernahme sowie von qualifiziertem Personal sind ebenfalls ungeklärt.

Unterm Strich sieht die Situation so aus: Die Räume sind vorhanden, aber die fachlich qualifizierte personelle Seite muss auch stimmen. Es gehe nicht um die Quantität, sondern um die Qualität hinsichtlich Sprachförderung, Umgang mit traumatisierten Kindern und Integration. „Ideen und Räumlichkeiten sind da“, waren sich die Leiterinnen und Erzieherinnen der am Arbeitskreis beteiligten Einrichtungen einig.

Doch sowohl Schule als auch Kindergärten haben noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Oft werden die Asylbewerberfamilien zunächst provisorisch untergebracht, bis ihnen eine Wohnung zugewiesen wird. Diese Wohnung kann auch außerhalb Elmshorns liegen. So kann es passieren, dass sich die Kinder gerade eingelebt haben und nach kurzer Zeit in eine andere Einrichtung wechseln müssen.

Kulturelle Vielfalt als Herausforderung

Im Lauf der Diskussion wurde auch deutlich, dass die Kindertagesstätten nur in zweiter Linie betroffen sind. Es gibt in Deutschland zwar eine Schulpflicht, aber keine Kindergartenpflicht. Die Kindergärten wären allerdings ein optimaler Ort, um die Kinder auf die Schule vorzubereiten. Darin waren sich die Mitglieder des Arbeitskreises einig.

Ein weiterer Punkt wurde während der Gesprächsrunde beleuchtet: Die unterschiedlichen Kulturen, die in Kindergarten und Schule aufeinander treffen. Sowohl für die Kinder als auch das Personal sei das eine große Herausforderung. Workshops für Lehrer und Erzieher gibt es, aber auch hier scheitern die Besuche oft an fehlenden finanziellen Mitteln.

Das leicht bittere Fazit aller Anwesenden am Ende des Nachmittags: „Es geht um Menschen, die jetzt unsere Hilfe benötigen. Das Thema Asylbewerber ist ein gesellschaftspolitisches Thema, aber unterm Strich geht’s leider, wie fast immer, nur ums Geld.“

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