Jugenddiakon wegen Kinderpornos verurteilt : Erweitertes Führungszeugnis wird Pflicht

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Wegen des Besitzes von Kinderpornografie ist der evangelische Jugenddiakon in Uetersen verurteilt worden. Jetzt wird für seine Nachfolger ein erweitertes Führungszeugnis Pflicht.

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10. Juli 2011, 07:33 Uhr

Uetersen/Hamburg | Das Amtsgericht St. Georg hat sein Urteil gesprochen: Weil der ehemalige Jugenddiakon der evangelischen Kirche in Uetersen kinderpornografische Bilder über das Internet getauscht hat, wurde eine Bewährungsstrafe von 14 Monaten gegen ihn verhängt.
Der Fall, der landesweit für Aufsehen und Empörung gesorgt hatte, ist abgeschlossen. Jetzt beginnt die Aufarbeitung: "Wir freuen uns, dass mit dem Urteilspruch in dem Fall ein deutliches Zeichen gesetzt wurde. Und wir sind froh, dass im Rahmen der diakonischen Tätigkeit offentsichtlich keine weiteren Schäden verursacht wurden", sagt Norbert Radzanowski (Foto), Sprecher der Nordelbischen Kirche.
"Um in der Zukunft als Arbeitgeber so früh wie möglich reagieren zu können, muss sichergestellt sein, dass alle rechtlichen Möglichkeiten der Information untereinander ausgeschöpft werden können", so Radzanowski. Eine entsprechende Aufarbeitung müsse schnellstmöglich beginnen.
Besondere Schulungen bald ebenfalls Pflicht
Wie vom Pinneberger Propst Thomas Drope angekündigt, spiele das sogenannte erweitere Führungszeugnis dabei eine zentrale Rolle. "Das Nordelbische Verwaltungsamt bereitet derzeit eine entsprechende Vorschrift vor", berichtete Radzanowski im Gespräch mit dem sh:z. Darin solle enthalten sein, dass kirchliche Träger in der Zukunft sicherzustellen haben, dass Personen, die wegen eines Delikts gegen die sexuelle Selbstbestimmung rechtskräftig verurteilt worden sind, nicht mehr mit Kindern und Jugendlichen arbeiten oder diese betreuen dürfen. Um dies zu garantieren, werde künftig ein erweitertes Führungszeugnis verlangt.
In der erweiterten Version werden auch geringfügigere Strafen wie wegen der Verbreitung von Kinderpornographie oder Exhibitionismus aufgenommen. Beim "normalen" Führungszeugnis erhielten Arbeitgeber von solchen Verurteilungen durch ein Führungszeugnis keine Kenntnis.
Wie der Mitarbeiterkreis ehrenamtlich darin eingebunden werden kann, werde derzeit noch rechtlich geprüft, sagte Norbert Radzanowski.
In der Praxis könnten laut Radzanowski bald folgende Voraussetzungen verpflichtend sein: Nachweis von Schulungen, die der Vermeidung von Kindeswohlgefährdungen dient oder die Abgabe einer schriftlichen Erklärung. Über vorbeugend sichernde Vorhaben seien die Diskussionen allerdings noch nicht abgeschlossen, so Radzanowski abschließend.
(shz)

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