zur Navigation springen

Büchlein, Büchlein du musst wandern : Erste offizielle Book Crossing Zone in Elmshorn eingerichtet

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Initiatoren wollen zum kostenlosen Literatur-Austausch anregen. Ein Zeitungsartikel brachte sie auf die Idee, Bücher „freizulassen“.

Elmshorn | „Ich habe viel zu viele Bücher, ich könnte welche loswerden.“ Das Problem der Elmshornerin Cindy Siebrasse kennen wahrscheinlich viele Leseratten. Ein Zeitungsartikel brachte sie auf die Idee, Bücher „freizulassen“: sie absichtlich unterwegs liegen zu lassen, damit ein anderer Leser sie mitnimmt. Im Zug, beim Zahnarzt, in der Autobahnraststätte – prinzipiell ist der Ort bei dieser Idee egal. Aber es gibt auch ein paar feste Anlaufstellen, wo sich die freigelassenen Bücher sammeln. Seit einigen Wochen ist so eine Zentrale in Elmshorn, organisiert von Cindy Siebrasse und der Elmshornerin Katrin Wieckhorst zusammen mit Sabine Brügmann und Oliver Vogt aus Tornesch.

„OBCZ“ heißt der kleine Schrank auf dem Parkplatz von Holz Junge: Offizielle Book Crossing Zone. Aber der Name soll nicht abschrecken: Prinzipiell kann jedermann jederzeit kostenlos ein Buch aus dem Schrank nehmen oder dazustellen. „Wir freuen uns, wenn Bücher ’reingestellt werden“, erklärt Organisator Oliver Vogt: „Wir freuen uns noch mehr, wenn sie registriert werden.“

Book Crossing ist einerseits eine weltweite, kostenlose Bibliothek. Gut eine Million Benutzer und 13 Millionen Bücher sind dort registriert. Deutschland ist nach den USA das Land mit den meisten Mitgliedern; in Elmshorn sind schon mehr als 50 Book Crosser registriert, im Kreis Pinneberg 225. Andererseits steckt dahinter eine Gemeinschaft von Leseratten, die ihre Bücher nicht nur freilassen, sondern auch direkt tauschen und neugierig sind, welche Wege die freigelassenen Bücher nehmen. Darum wird möglichst jedes Buch registriert, ein Aufkleber verrät die Book-Crossing-Nummer. Wer sie im Internet eingibt, erfährt die Reiseroute des Buches und kann Kommentare und Rezensionen lesen.

Bücher werden in freier Wildbahn „gefangen“, oder die Book-Crossing-Mitglieder verschicken sie untereinander direkt; es gibt Buchringe und Foren zum Tauschen. Wer registriert ist, kann sogar eine Wunschliste mit Titeln publizieren. Das Resultat dieser Aktivitäten beschreibt Cindy Siebrasse, die Bücher loswerden wollte, so: „Jetzt habe ich vier bis fünf Mal so viele.“

Die Initiatoren des Elmshorner Schranks zum „Freilassen“ von Büchern: Sabine Brügmann (v.l.), Cindy Siebrasse und Oliver Vogt. (Foto: Roolfs)
Die Initiatoren des Elmshorner Schranks zum „Freilassen“ von Büchern: Sabine Brügmann (v.l.), Cindy Siebrasse und Oliver Vogt. (Foto: Roolfs)
 

Die hiesigen Book-Crossing-Mitglieder trafen sich schon mehrmals im Café Auszeit, dort wurde die Idee geboren, eine OBCZ einzurichten. Mit Jens Junge sprachen sie den Richtigen an, erzählt Oliver Vogt: „Der war ganz begeistert, weil seine Frau eine Leseratte ist.“ Junge schreinerte einen Schrank, der hängt jetzt unter dem Vordach an einem Gartenhäuschen auf dem Parkplatz seines Holzhandels, Julius-Leber-Straße 4. Dort ist er ständig erreichbar und vor Regen geschützt.

Um die 200 Bücher stehen im Schrank und warten darauf, von interessierten Lesern entnommen zu werden. Ein Verzeichnis der Titel findet sich im Internet. Damit es möglichst aktuell ist, kontrollieren die Elmshornerinnen Siebrasse und Wieckhorst alle paar Tage den Bestand: Sie registrieren, welche Bücher unterwegs sind – „travelling“ im Fachjargon –, ohne dass jemand das eingetragen hat; und welche neu dazugestellt wurden ohne Registrierung. Für denjenigen, der ein Buch freilassen will, liegen Etiketten samt Anleitung im Schrank parat: „Die Website ist ein wenig kompliziert“, räumt Oliver Vogt ein.

In Elmshorn existiert jetzt die fünfte OBCZ in Schleswig-Holstein. Deren Organisatoren arbeiten mittlerweile daran, von Zeit zu Zeit Treffen der Book Crosser in Elmshorn zu veranstalten, so genannte Meetups. Und nebenbei schlagen sie sich mit dem Problem aller herum, die gern lesen; Sabine Brügmann: „Man kann nicht alle Bücher lesen, die einen interessieren.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 22.Okt.2015 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen