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Gemeinsam für Flüchtlinge : Ernst Dieter Rossmann fordert eine „nationale Allianz“

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Elmshorner SPD-Abgeordneter fordert eine verstärkte Bildungsanstrengung. Die SPD hält verstärkte finanzielle Anstrengungen des Bundes für notwendig. Er fordert mehr Kindergärten und Ganztagsschule

Elmshorn | Täglich kommen neue Flüchtlinge ins Land und damit auch in den Kreis Pinneberg. Viele von ihnen sind jung, benötigen schulische Ausbildungen oder Lehrstellen. Für den Elmshorner SPD-Bundestagsabgeordneten  Ernst Dieter Rossmann eine Chance für das Land. Zugleich aber auch eine enorme Herausforderung. Die könne aber nur mit gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen bewältigt werden. Und dafür müsse mehr Geld locker gemacht  werden. Rossmann fordert deshalb eine „nationale Bildungsallianz“.

„Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen“, stellt Rossmann, der Sprecher der Arbeitsgruppe „Bildung und Forschung“ der SPD-Bundestagsfraktion ist, fest. So müssten wegen des zusätzlichen Ansturms junger Menschen neue Schulen erstellt werden.

Nach  Schätzungen der SPD werden zudem 100.000 Kindergartenplätze benötigt. „Das werden alles enorme Kraftanstrengungen“, sagte der Elmshorner Abgeordnete. Seine Partei werbe deshalb dafür, dass Bund, Land und Kommunen diese Aufgaben gemeinsam meistern. Denn mit dem Schaffen von neuen Schulen und Kindergärten sei es nicht getan. Es müssten natürlich auch zusätzliche Lehrer und Erzieher eingestellt werden. Rossmann gehe davon aus, dass der Bund  drei bis vier Milliarden Euro zusätzlich für Länder und Kommunen bereitstellen muss.

Auf der anderen Seite bieten die Flüchtlinge auch eine große Chance, dringend benötigte Arbeitskräfte zu bekommen, ist Rossmann überzeugt. Beispielsweise in den Pflegeberufen. Doch auch das sei nicht  von heute auf morgen zu bewältigen. Die Menschen müssten deshalb schnell die deutsche  Sprache lernen  und dann in den jeweiligen Berufen ausgebildet werden. Dazu benötigten sie Hilfe von der Arbeitsagentur, aber auch von den Betrieben. „Gemeinsam können wir das schaffen“, ist Rossmann optimistisch.

Abhilfe für den „Pflegenotstand“

Der „Pflegenotstand“ hat es zwar noch nicht zum Wort des Jahres gebracht, aber niemand bezweifelt in Deutschland, dass es ihn gibt oder dass er zumindest droht. Die vielen Flüchtlinge könnten bei den Problemen im Pflegebereich für Abhilfe sorgen, meint der Elmshorner SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann. Und nicht nur in diesem Bereich. Doch bis es soweit sei, bedürfe es großer Anstrengungen.

„Es machen sich viele bildungshungrige Menschen auf den Weg zu uns“, so Rossmann. Es gelte, ihre Kompetenzen zu nutzen. So würden in Deutschland sei Jahren Pflegekräfte gesucht. Es sei sicher sinnvoller, diese Kräfte in Deutschland auszubilden, als ausgebildete Kräfte aus anderen Ländern abzuwerben. Rund ein Drittel der Flüchtlinge benötige eine Schul- oder Berufsausbildung, so der Politiker. „Um das zu bewältigen, benötigen wir eine nationale Kraftanstrengung“, sagt er.

Zum einen seien neue Schulen und Kindergärten nötig. Zum anderen aber auch Studienplätze. Doch ohne das Beherrschen der deutschen Sprache seien alle Anstrengungen, die Menschen in Bildung und Ausbildung zu bringen, vergeblich, weiß der Sozialdemokrat. Deshalb sei es wichtig, dass das Bildungsministerium die Sprachförderung verstärke und erstmal 130 Millionen Euro zur Verfügung stelle. Mittelfristig müssten auch die Dozenten mehr als momentan 22 Euro pro Stunde erhalten, meint Rossmann.

Kindergärten als Schlüsselfaktor

Besonders wichtig für die Integration der Flüchtlinge sind nach Ansicht des Bildungspolitikers Kindergärten. Denn Kinder seien unbefangen, würden schnell die neue Sprache lernen. Um die 80.000 bis 100.000 zusätzlich benötigten Kindergartenplätze zu schaffen, müssten Bund, Länder und Kommunen den notwendigen finanziellen Kraftakt gemeinsam stemmen. Unter anderen könnten für diesen Bereich die zwei Milliarden Euro Bundesmittel eingesetzt werden, die für das Betreuungsgeld vorgesehen waren.

Dass für mehr als 300.000 zusätzliche Schüler zusätzliche Lehrer eingestellt werden müssen, ist klar. Schleswig-Holstein plant laut Rossmann mit 280 zusätzlichen Stellen. „Das ist eine große zusätzliche Leistung. Allein werden die Länder das nicht schaffen“, sagt der Abgeordnete. Der Bund, so seine Forderung, müsse seinen Anteil von derzeit gerade einmal zwölf Prozent der Bildungsaufgaben erhöhen. Denn auch das Angebot an Ganztagsschulen muss nach Ansicht des Sozialdemokraten ausgebaut werden. „Jetzt haben 30 Prozent der Schulen ein Ganztagsangebot. Auch wegen der Flüchtlinge müssen wir das auf mindestens 50 Prozent erhöhen.“

Darüber hinaus hält Rossmann den Ausbau von „Deutsch als Zweitsprache“ in den Schulen ebenso für notwendig wie den Einsatz von Sozialarbeitern für alle Schulen. „Die Schulen müssen eine wichtige Integrationsaufgabe erfüllen“, so seine Begründung. Von den Betrieben erhofft sich der Sozialdemokrat, dass sie möglichst viele Praktikumsplätze bereitstellen. Denn Menschen, die in eine ihnen fremde Welt geflüchtet sind, benötigten Hilfestellungen. Dazu gehörten auch Berufsvorbereitungen in den Schulen. Aber auch Ausbildungsassistenten der Arbeitsagentur. „Für junge Menschen ist es sehr wichtig, eine gute, tragfähige Berufsausbildung zu bekommen“, findet Rossmann.

Unterstützung für Ehrenamtliche

Er hält außerdem die Einrichtung von Bildungskoordinatoren für Flüchtlinge für sinnvoll. Das könnten auch aus anderen Ländern zugewanderte Menschen sein, die dann eine Brückenfunktion ausüben könnten. Sie könnten unter anderem auch in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich tätige Menschen unterstützen. Diese Bildungskoordinatoren sollen vom Bildungsministerium eingesetzt werden.

Rossmann weiß, dass es bei vielen Asylbewerbern nicht leicht sein wird, sie in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. Deshalb plädiert er dafür, die Anerkennung von Ausbildungen der Flüchtlinge zu erleichtern. „Wir müssen schnell anerkennen, was sie haben, und wenn ihnen etwas fehlt, müssen wir sie nachqualifizieren.“ Obwohl Rossmann eine „nationale Bildungsallianz“ fordert, weiß er, „dass Länder und Kommunen an ihre Grenzen stoßen“. Deshalb sei klar, dass der Bund den Löwenanteil an den Kosten übernehmen müsse. Er rechnet mit drei bis vier Milliarden Euro.

Es gelte, keine Zeit zu verlieren. Noch würden viele Asylbewerber auf das Ende ihres Verfahrens warten. Doch spätestens danach würden die genannten Maßnahmen benötigt. „Das ist eine Zukunftsaufgabe. Wir müssen aber jetzt die Weichen stellen“, so Rossmann. Denn die Flüchtlinge seien zwar eine enorme Herausforderung für Deutschland, aber auch eine große Chance.

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erstellt am 18.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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