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Vorwurf der Verleugnung von Kultur und Tradition : Erika Steinbach hetzt gegen Lichtermarkt in Elmshorn

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Für viele im Netz ist der Name „Lichtermarkt“ ein Skandal. Und dann wirbt Elmshorn auch noch mit einem dunkelhäutigen Kind.

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erstellt am 14.Nov.2017 | 16:06 Uhr

Elmshorn | Der Lichtermarkt in Elmshorn (Kreis Pinneberg) wird in den sozialen Netzwerken heftig kritisiert. Grund ist nicht das Fest selbst, sondern der Name „Lichtermarkt“ – und das Plakatmotiv, mit dem der Weihnachtsmarkt beworben wird. Dieses zeigt einen Weihnachtsbaum und dekorative Sterne, unten ist ein Lebkuchenherz zu sehen. Zu lesen ist, dass der Markt vom 27. November bis 24. Dezember auf dem Alten Markt geöffnet ist – und dann ist da noch ein dunkelhäutiges Kind mit Engelsflügeln. Ein Skandal für viele Nutzer sozialer Medien. Prominenteste Gegnerin des Plakats ist Erika Steinbach, die im Januar 2017 aus der CDU austrat, und die AfD im Bundestagswahlkampf unterstützte. Zuletzt war sie fraktionslose Abgeordnete im Bundestag, kandidierte aber bei der Bundestagswahl 2017 nicht erneut.

Es ist nicht das erste Mal, dass Erika Steinbach im Netz für Aufsehen sorgt. Schon im Februar 2016 provozierte sie mit einem Foto bei Twitter. Dabei war das Foto völlig aus dem Kontext gerissen worden. Im November 2015 geriet Steinbach in die Kritik, als sie den Tod von Helmut Schmidt für ihre politische Gesinnung instrumentalisierte.

Zum Plakat des Weihnachtsmarktes in Elmshorn schrieb Steinbach auf Facebook: „Ich kenne kein Land, dass seine eigenen Traditionen und Kultur selbst aufgibt. Deutschland zerstört seine Identität selbst.“ Dazu postete sie drei Daumen nach unten.

Heftige Kritik im Netz

„Boykottieren!“, heißt es in einem Post unter dem Beitrag von Erika Steinbach. „Ich würde diesen Dreck nicht besuchen. Mal schauen was sie sagen wenn keiner hin geht“, schreibt ein Nutzer. „Ganz schön dunkel, der Lichtermarkt“, schreibt ein anderer. Ein Mann auf Facebook schreibt: „Schritt für Schritt werden wir unserer Kultur und Idendität 'beraubt' – ganz im Sinne der sogenannten Integrationspolitik von Dr Merkel und ihren 'Gutmenschen'. Wie lange lassen wir uns das eigentlich noch gefallen? Oder haben wir schon verloren?“ Oder: „Was für eine kranke Gesellschaft die sich selbst verleugnet! Schande über den, der dies veranlasst hat!“

 

Die auf Falschmeldungen im Internet spezialisierte Webseite mimikama.at dokumentiert einen weiteren Kommentar aus dem Netz mit über 2000 Interaktionen. Darin heißt es: „Der Gipfel der Selbstverleugnung! Was für erbärmliche deutsche Arschkriecher es doch gibt! Offenbar überdurchschnittlich viele in Elmshorn! Zur Krönung als neues verordnetes Menschenbild mittendrin ein „echter Deutscher“…”  Und auch im fernen Stuttgart ist der Lichtermarkt ein Thema. (Rechtschreibfehler im Original)

 

Elmshorn nennt seinen Weihnachtsmarkt seit 2007 „Lichtermarkt“

Was viele der Kommentatoren auf der Facebookseite von Erika Steinbach und dem Stadtmarketing von Elmshorn offenbar nicht wissen: Der Weihnachtsmarkt der Stadt trägt seit 2007 den Namen Lichtermarkt. „Wer den Elmshorner Weihnachtsmarkt kennt, weiß, dass die Weihnachtslichter ein besonderes Merkmal des Marktes sind“, kommentiert die Stadt auf ihrer Seite. Die Weihnachtsbeleuchtung werde seit 2007 im Rahmen eines sogenannten PACT (Partnerschaft zu Attraktivierung von City-, Dienstleistungs-, und Tourismusbereichen) realisiert. Gleich zu Beginn dieser Initiative habe man sich entschlossen, dem Elmshorner Weihnachtsmarkt einen neuen Namen zu geben. Auch shz.de berichtet seit Jahren über den Lichtermarkt.

Inakzeptable Instrumentalisierung

„Mit Bedauern muss die Stadt Elmshorn in diesem Jahr feststellen, dass diese Veranstaltung mit der Unterstellung der Kultur- und Traditionsverleugnung in einer inakzeptablen Art und Weise instrumentalisiert werden soll“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. „Wir sind von der diesjährigen Reaktion auf den Elmshorner Lichtermarkt, insbesondere in den sozialen Medien, mehr als bestürzt“, sagt Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje.

 

Steinbach werfe Elmshorn vor, dazu beizutragen, die Identität Deutschlands zu zerstören und die eigene Kultur und Traditionen aufzugeben. Das alles aus einem einzigen Grund: Der Markt heißt Lichter- und nicht Weihnachtsmarkt. „Für uns als Stadt ist es inakzeptabel, dass eine so traditionsreiche und von unserer christlichen Kultur geprägte Veranstaltung wie der Elmshorner Lichtermarkt instrumentalisiert wird, um im politischen Umfeld Stimmung zu machen“, betont Hatje.

Was das Foto des Mädchen betrifft, so habe es 2011 ein Fotoshooting mit 40 Elmshorner Kindern gegeben, um ein neues Gesicht für den Weihnachtsmarkt zu finden, sagt Hartje.  An dem Fototermin nahmen Mädchen und Jungs vieler Nationen und Altersgruppen teil. Das Mädchen – übrigens eine gebürtige Deutsche – wurde dann am Ende ausgewählt.

Auch die Beschreibung des Lichtermarktes in diesem Jahr klingt weihnachtlich und traditionell. „Mittelpunkt des Marktes ist die mit Kugeln und Lichterketten geschmückte zwölf Meter hohe Tanne, die dieses Jahr vor dem besonders illuminierten Gebäude des ehemaligen Hertie-Warenhauses steht“, heißt es dort. Und weiter ist von rustikalen Holzhütten, 50 Weihnachtsbäumen zur Deko und Schildern in Lebkuchenoptik die Rede. Ferner gibt es in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde St. Nikolai Konzerte und Veranstaltungen – ein Bläserchor spielt zur Erföffnung. Freitags wartet außerdem ein Weihnachtsmann auf Kinder der Stadt, um sich mit ihnen fotografieren zu lassen.

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