Er schützt Elmshorn vor Hochwasser

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Marco Herrmann ist Leiter des Krückau-Sperrwerks. Dort ging es gestern um den Wasserschutz der Krückaugemeinden

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08. Juni 2018, 16:27 Uhr

Für Marco Herrmann ist es nur ein Knopfdruck, für die Menschen in Elmshorn und in den Marschgemeinden hingegen ist das rechtzeitige Schließen der Sturmfluttore an der Krückaumündung eine Lebensversicherung. Die magische Grenze dafür lautet „sieben Meter“. Sobald Herrmanns Kollegen weiter elbaufwärts, in Wewelsfleth, diesen Wasserstand vermelden, müssen Herrmann oder sein Kollege innerhalb von 45 Minuten in dem gläsernen Turm oberhalb des Krückausperrwerks sitzen.

Auf ihrem Schaltpult können die Sperrwerks-Mitarbeiter dann ganz genau den Wasserstand beobachten, beurteilen, wann Gefahr droht – und im Zweifelsfall besagten Knopf drücken. Ab 7,20 Metern müssen die zwölf Meter hohen, tonnenschweren Tore am Krückausperrwerk geschlossen sein, sonst drohen Überflutungen. Zwischen 65- und 120-Mal im Jahr schließen Herrmann und sein Kollege die großen Tore, so oft gibt es eine Sturmflut, hauptsächlich im Winter. Die deutlich kleineren Ebbe-Tore auf Krückau-Seite hingegen schließen Herrmann und sein Kollege nur zwei bis dreimal im Jahr – etwa für die Flora-Woche – und dann auch nur in enger Absprache mit den Behörden. Schließlich führt ihre Schließung zum Aufstauen der Krückau.


Schließung zu Demonstrationszwecken

Heute scheint jeder Gedanke an gefährliche Wassermassen himmelweit entfernt. Sperrwerksleiter Marco Herrmann hat aus der gläsernen Schaltzentrale einen grandiosen Blick über den sich sanft dahinschlängelnden Krückaulauf auf der einen und die breite Elbe mit ihren Containerriesen auf der anderen Seite. Der Wasserstand liegt gerade einmal bei 5,65 Metern, keine Gefahr also. Dass Herrmann jetzt trotzdem den Knopf für die Schleusentore drückt, dient nur Demonstrationszwecken. Im Krückausperrwerk sind die Vertreter der Sielverbände Raa und Wisch-Kurzenmoor, des Wasserverbands Krückau, der Stadtentwässerung Elmshorn sowie der Technischen Universität Hamburg zu Gast. Kurz gesagt: Die Akteure, die sich im Rahmen des Projektes „Klimaanpassung des Regenwassernetzes von Elmshorn und Umland“ (Karel) zurzeit intensiv mit dem Thema Entwässerung und Überflutungsgefahr auseinandersetzen. Fasziniert beobachten sie, wie sich die riesigen Sturmfluttore schließen und wieder öffnen.

Das Krückausperrwerk hängt eng zusammen mit der Entwässerung Elmshorns. Durch den steigenden Meeresspiegel und von Jahr zu Jahr intensivere Starkregenereignisse werden Überflutungen in Zukunft zu einem Problem für Elmshorn, vorausgesetzt, die Stadt handelt nicht bald. Eine mögliche Lösung: Elmshorn tut sich mit den Sielverbänden aus dem Umland zusammen. Dann könnte Elmshorn mehr Regenwasser ans Umland abgeben und sich zum Ausgleich daran beteiligen, Pumpen und Entwässerungsgräben auszubauen. Auch die Pumpen des Krückausperrwerks könnten dabei eine Rolle spielen. Diese können zwar „nur“ zehn Kubikmeter Wasser pro Minute ableiten und wurden schon seit Jahren nicht mehr zur Entwässerung eingesetzt.


Im Notfall das Tüpfelchen auf dem i

Genau das könnte aber im Notfall das Tüpfelchen auf dem i sein, glaubt Thomas Beiersdorf von der Stadtentwässerung. Der potentielle Nutzen müsste aber erst einmal ausprobiert werden. Alle anderen Faktoren, zum Beispiel Fließgeschwindigkeiten und Regenmengen, hat die Technische Universität in den vergangenen Monaten erhoben und ausgewertet. Die Ergebnisse stellen Wissenschaftler und Mitarbeiter der Stadtentwässerung den Sielverbänden in den nächsten Wochen vor. Dann wird überlegt, an welchen Stellschrauben am sinnvollsten gedreht werden sollte. 2019 könnte es an die Umsetzung gehen.

Ein Hauptproblem sind dabei die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Akteure, das zeigte sich auch am Krückausperrwerk. So schlug Hans-Hermann Magens vom Sielverband Raa vor, die Sturmfluttore schon bei etwas niedrigeren Wasserständen zu schließen, dadurch bliebe auch der Wasserstand der Krückau niedriger und bei gleichzeitigem Niederschlag wäre die Gefahr einer Überflutung geringer. Doch die Krückau ist nach wie vor eine Bundeswasserstraße. Auch, wenn es schon lange keine Berufsschifffahrt mehr gibt: Schiffe haben Vorrang. Und wenn in einer solchen Situation ein Boot vor den geschlossenen Fluttoren stände, hätte das zuständige Landesamt für Küstenschutz ein Problem.

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