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Elmshorner Nachrichten

22. Oktober 2017 | 14:50 Uhr

Er ist ein plattdeutscher Jung

vom

Am 7. Mai feierte der Elmshorner Johannes Reimer im Kreise der Familie seinen 100. Geburtstag

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2013 | 10:02 Uhr

Elmshorn | Wenn es ein Rezept für ein langes Leben geben sollte, dann hat Johannes Reimer es gefunden. Am 7. Mai feierte der Elmshorner seinen 100. Geburtstag. Auch wenn er nach mehreren Erkrankungen körperlich nicht mehr die Fitness hat, die er sich wünscht, ist sein Geist noch immer sehr rege. Er rezitiert Gedichte, die er verfasst hat, erzählt mit Begeisterung über sein bewegtes Leben und freut sich noch immer an seinem schönen Garten. Johannes Reimer wohnt noch immer in seinem Elternhaus an der Blücherstraße. Seit einigen Jahren hat er eine Pflegekraft, die Haus mit wohnt.

Johannes Reimer wurde 1913 als ältester von drei Söhnen des Lehrers Jürgen "Piepen" Reimer geboren. Als der Vater zum Kriegsdienst eingezogen wurde, wohnte seine Mutter mit ihm auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Thumby. "Dort habe ich eine sorglose Kindheit verlebt und dabei auch das warmherzige Plattdeutsch gelernt. Plattdeutsch wurde zu meiner Muttersprache", sagt er.

Johannes Reimer wurde zum glühenden Verfechter des Plattdeutschen und setzt sich auch heute noch dafür ein, dass die Sprache nicht in Vergessenheit gerät. Seit 30 Jahren ist er dem Elmshorner Heimatverein "Tru un fast" verbunden, nur eine seiner vielen ehrenamtlichen Engagements.

Reimer besuchte das Bismarck-Gymnasium und begann 1932 eine Ausbildung zum Bankkaufmann. 1937 folgte der Wechsel zur Finanzverwaltung Schleswig-Holstein. Nach 40 Dienstjahren wurde er 1977 als Obersteuerrat in den Ruhestand verabschiedet.

Johannes Reimer hat die Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte der vergangenen 100 Jahre miterlebt. Er hat die Monarchie unter Kaiser Wilhelm II., die Weimarer Republik, das Naziregime und die Gründung der Bundesrepublik erlebt, die Sorgen und Nöte im Zuge der Geldentwertungen in den Jahren 1918 und 1948 sowie die Inflation 1923 mit seiner Familie zusammen gemeistert und nicht zuletzt zwei Weltkriege erlebt. "Im zweiten Weltkrieg stand ich als Angehöriger einer Panzerkorps-Nachrichtenabteilung am Wolgastrand von Stalingrad bis Memelland. Wie durch ein Wunder habe ich das "Stahlgewitter" überlebt. Ein Schutzengel war wohl immer dabei", erinnert sich der Jubilar. Er geriet in russische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst 1948, nach acht Jahren Trennung, sowohl körperlich als auch seelisch wohlbehalten zurück in den Schoß der Familie.

"Ich verdanke mein langes Leben einer soliden Lebensführung und vielen vielseitigen körperlichen und geistigen Aktivitäten", sagt er. Die Familie war und ist ihm zeitlebens das Wichtigste gewesen. Drei Kinder hat er zusammen mit seiner Ruth bekommen, mit der bis zu ihrem Tod im Jahr 1994 54 Jahre verheiratet war.

"Sie war die wichtigste Person in meinem Leben", sagt er. Aber er hatte auch das große Glück, eine neue Partnerin zu finden. "Aber jeder hat seine eigene Wohnung", betont er.

Johannes Reimer war und ist ein geselliger Mensch. Sport war ihm dabei immer besonders wichtig. Mit neun Jahren wurde er Mitglied beim EMTV und turnte zuletzt bei den Jahn-Turnern. Eine weitere Leidenschaft war der Rudersport. Noch heute hat er gute Verbinden zum Elmshorner Ruderclub. Zuletzt liebte er das gesellige Miteinander beim Kegeln.

"Mooks wat mit", dieser plattdeutsche Spruch begleitete Johannes Reimer sein ganzes Leben lang. Um seine große Liebe zur Plattdeutschen Sprache auszudrücken, verfasste Johannes Reimer im Alter von 99 Jahren sein Gedicht "Holsteener Platt".

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