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Freundeskreis Knechtsche Hallen diskutiert : „Engagierte Stadt“ in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Freundeskreis Knechtsche Hallen diskutierte mit Ehrenamtlichen über das Konzept und den Wettbewerb „engagierte Stadt“.

shz.de von
erstellt am 12.Jun.2015 | 10:02 Uhr

Elmshorn | Klaus-Ulrich Sembill stellte die Frage, die wohl einige der gut 40 Besucher im Kranhaus beschäftigte: „Was wollen Sie von uns?“ Volker Lützen, ehemals Stadtrat in Elmshorn und Vorstand im Freundeskreis Knechtsche Hallen, retournierte: „Können Sie sich vorstellen, dass Sie etwas davon haben, wenn hier zum Beispiel Ehrenamtler ausgebildet werden?“

Was wollen die? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Denn der Freundeskreis hat kein einfach fassbares Programm wie zum Beispiel ein Tennisverein oder eine Musikschule. Der Freundeskreis will langfristig die Industriebrache Knechtsche Hallen im Stadtzentrum mit bürgerschaftlichem Engagement erhalten und nutzen. Als Pilotprojekt bespielt der Verein seit gut einem Jahr das benachbarte Kranhaus und das mit unerwartet großen Erfolg: „Die Bude ist gerammelt voll, wi können uns vor Andrang gar nicht retten“, erklärte der Vorsitzende Jens Jähne am Montag.

Dass im Hof jetzt urban gegärtnert wird, drinnen im Repair Café Haushaltsgeräte instand gesetzt werden und Bands auftreten, Kunsthandwerker ihre Produkte anbieten und verschiedene Projekte stattfinden, ist eine schöne Sache. Jähne, Lützen und ihre Mitstreiter wollen den Bogen aber weiter spannen: „Unser Geist hat Elmshorn infiziert“, behauptet Jens Jähne. Diesen Geist will der Freundeskreis jetzt vom Phänomen in eine dauerhafte Einrichtung transformieren. Dabei sollen die Gäste, die am Montag ins Kranhaus gekommen waren, helfen.

Konkreter Anlass ist der Wettbewerb „engagierte Stadt“. 50.000 Euro und Erfahrungsaustausch mit Akteuren aus anderen Mittelstädten gibt es bei dem Projekt zu gewinnen, das Bundesfamilienministerium, fünf Stiftungen und eine Firma ausgeschrieben haben. Es geht ihnen dabei „um die Weiterentwicklung von Engagementstrukturen in Städten und Gemeinden“. Diese sperrige Beschreibung hätte den Interessenten im Kranhaus am Montag wohl auch nicht viel weitergeholfen.

Jähne versuchte es an einem Beispiel zu beschreiben: „Wer zu uns kommt mit einer Idee, kann zehn Minuten später eine neue Aufgabe haben: diese Idee umzusetzen.“ Der Freundeskreis versteht sich als Plattform, um vieles möglich zu machen. Wer einen Bedarf anmeldet, dessen Anliegen soll schnell und einfach geprüft werden – in den öffentlichen Stammtischen oder Vorstandssitzungen –, und wenn nichts dagegen spricht, soll er ermutigt und unterstützt werden, sein Vorhaben umzusetzen.

„Es gibt einen irren Bedarf an Nutzungsmöglichkeiten“, resümierte Jähne aus den Erfahrungen im Kranhaus. Diese Erfahrungen möchte der Freundeskreis jetzt in einer Anlauf- und Beratungsstelle für bürgerschaftliches Engagement – noch so ein unhandliches Wort – bündeln und ein jährlich aktualisiertes Handbuch herausgeben: „Nicht jeder, der etwas will, muss das Rad neu erfinden“, befand Jähne. Wer etwas suche, zum Beispiel einen Probenraum, soll in der Anlaufstelle entweder gleich einen vermittelt bekommen oder die Mittel, sich einen zu besorgen: von Konzepten zur Bedarfsartikulierung bis zur Pressearbeit. Diese Kernidee soll in einem Workshop am 22. Juni ausgefeilt werden; die Bewerbung für den Wettbewerb „engagierte Stadt“ soll bis zum 20. Juli vorliegen. Die Gäste wurden am Montag alle aufgerufen, dabei mitzumachen.

Ein Herangehen, an das sich so Mancher gewöhnen musste. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Jens Petersen wünschte sich „Hilfe beim Sortieren“ des großen Straußes, den er da vor sich sah. Ganz anders Eckbert Jänisch vom Spendenparlament: „Ich vermisse die Vielfalt.“ Klaus-Ulrich Sembill verwies auf seine 30 Jahre Erfahrung in Gemeinwesen-Arbeit: „Handbücher über Abläufe gibt es.“ Ihn trieb die Sorge um, was aus den anderen Netzwerken und Ansätzen in Elmshorn werde. Volker Lützen empfahl ihm „dringend“, diese Bedenken beim Workshop einzubringen.

Thorsten Mann-Raudies, Vorsitzender des Kulturausschusses, schwärmte gleich von einem „Standort für alle Kulturtreibenden in der Stadt“ in den Knechtschen Hallen. Hans Barzel von der Klostersande fand es wichtig, dass alle Akteure in der Innenstadt sich an einen Tisch setzen und ihre Vorbehalte überwinden: „Die Ziele sind irgendwo alle gleich.“ Ein Gewerkschafter sagte die Unterstützung des DGB für das Projekt zu: „Es gibt ganz klare Bedarfe in dieser Stadt“, dabei dachte er vor allem an Treffpunkte für Jugendliche. Bürgermeister Volker Hatje zeigte sich hellauf begeistert von der Idee: „Die Menschen halten hier zusammen, das ist die Stärke unserer Stadt“.

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