Elmshorn : Engagierte Bürger organisieren Unterstützung für Flüchtlinge

Gesprächsrunde im Christus Zentrum Arche: Pastor Hans-Peter Mumssen, Dörte Lippold und Dr. Ernst Thies.
Gesprächsrunde im Christus Zentrum Arche: Pastor Hans-Peter Mumssen, Dörte Lippold und Dr. Ernst Thies.

Die Menschen, heimatlos und oft traumatisiert, haben sich in einem fremden Kulturkreis mit unbekannten Regeln und Gesetzen zurechtzufinden.

shz.de von
13. Juni 2015, 10:00 Uhr

Elmshorn | Viele Gruppierungen in Elmshorn machen sich zurzeit Gedanken, wie sie Flüchtlingen helfen können. Die Menschen, heimatlos und oft traumatisiert, haben sich in einem fremden Kulturkreis mit unbekannten Regeln und Gesetzen zurechtzufinden. Wie können sie sich verständigen, wo bekommen sie etwas zu essen, wo finden sie Unterkunft und ärztliche Hilfe, wo können sie ihre Kinder zur Schule schicken und Arbeit finden, um die Hoffnung auf ein gutes Leben Wirklichkeit werden zu lassen?

„Wir reagieren auf das, was aktuell ist, öffnen unsere Räume und Herzen“, fasst Pastor Hans-Peter Mumssen das Engagement des Christus-Zentrum Arche (CZA) und der Tafel als dem „sozialen Dienst“ des CZA in schlichte Worte. Bei der morgendlichen Lebensmittel- und mittäglichen Essensausgabe spüren die Mitarbeiter die steigende Nachfrage – sowohl von Einheimischen als auch Flüchtlingen. Mehr als 400 Mahlzeiten werden an fünf Tagen in der Woche ausgegeben, rund 70 Kisten mit Lebensmitteln (gespendet von diversen Supermärkten) pro Tag verteilt oder verarbeitet. „Wir haben es mit Menschen zu tun, die ein unterschiedliches Kulturverständnis mitbringen“, erklärt Pastor Mumssen.

Man habe es mit dem Problem Armut gegen Reichtum zu tun. Deshalb müsse man die Menschen schnellstens in Lohn und Brot bringen – aber auch übertriebenen Forderungshaltungen entgegentreten. „Jetzt sind wir gefordert, denn der Konflikt spielt sich nicht mehr irgendwo auf der Welt ab, sondern direkt vor unserer Haustür. “ Untereinander seien diese ethnischen Gruppen justiert, treffen sie aber auf Menschen anderer Lebensräume, könnte es Probleme geben.

„In Elmshorn sind wir noch in der glücklichen Lage, dass die in diesem Jahr rund 600 zugewiesenen Flüchtlinge – die meisten kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Iran sowie dem Kosovo – dezentral untergebracht werden können. Zurzeit haben wir keine Containerunterkünfte oder Ghettoisierung“, weiß Dörte Lippold. Sie engagiert sich seit 16 Jahren bei der Tafel. „Was hier zurzeit abgeht, empfinde ich als eine Völkerwanderung“, meint sie.

Willkommensteam, Kirche, Diakonie, Migrationscafé, Notruf Armut

Lippold ist in allen Gremien, die sich um Flüchtlingsfragen kümmern, aktiv. Ob Willkommensteam, Kirche, Diakonie, Migrationscafé, Notruf Armut – es gibt reichlich Anlaufstätten, die Flüchtlingen Unterstützung anbieten. Doch die Hilfe ist noch nicht richtig koordiniert. Die Gefahr, dass, je nach Interessenlager und Blickwinkel der einzelnen Helfergruppen, ein Wettbewerb unter den Anbietern entstehen und Parallelwelten geschaffen werden könnten, sei vorstellbar.

„Wir haben es mit einer immensen Hilfsbereitschaft im Rahmen einer politischen Hilflosigkeit zu tun“, bestätigt Dr. Ernst Thies, ehemaliger Chefarzt des Klinikum Elmshorn, und engagierter Ehrenamtler im Rahmen des Flüchtlingscafés und bei „Sozius“, einer Anlaufstelle für nicht krankenversicherte Menschen im Kreis mit Sitz im Haus der Begegnung. Hier werden kostenlos Sozialsprechstunden und Schwangeren-Vorsorge angeboten.

„Das Gros der Flüchtlinge wird hier bleiben“, glaubt Pastor Mumssen. Deshalb sei es ein erster Schritt, sie als Individuen mit persönlicher Lebensgeschichte und Schicksalen kennenzulernen.

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