zur Navigation springen
Elmshorner Nachrichten

17. November 2017 | 22:23 Uhr

Elmshorn : Endlich angekommen im Pflegeberuf

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Melles Alem kommt aus Eritrea und arbeitet seit Juli als erster Flüchtling als Krankenpfleger am Regioklinikum Elmshorn.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 14:00 Uhr

Elmshorn | Melles Alem misst Blutdruck, verteilt Medikamente und Essen oder lagert Patienten um. Kurzum: Der 31-Jährige erfüllt im Regioklinikum Elmshorn die gleichen Aufgaben, wie jeder andere Krankenpfleger. Der einzige Unterschied ist seine Herkunft: Alem ist seit Juli der erste Flüchtling, der im Elmshorner Krankenhaus angestellt ist.

Der Weg dorthin war lang – obwohl Alem bereits in seinem Heimatland Eritrea eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht hat und Zeugnisse vorweisen kann. Insgesamt dauerte es mehr als drei Jahre, bis Alem in verschiedenen Sprachkursen den erforderlichen B2-Schein erreicht hatte, bis seine Zeugnisse auf deutsch übersetzt waren und er in Rendsburg einen sechsmonatigen Anpassungslehrgang absolviert hatte. Weil sich Ausbildungsinhalte und Aufgaben von Krankenpflegern international unterscheiden, ist der Anpassungslehrgang nach dem Krankenpflegegesetz für alle Nicht-EU-Bürger Pflicht. Auch die Regiokliniken bieten einen solchen Lehrgang an. Voraussetzung ist eine Ausbildung zum Krankenpfleger und gute Deutschkenntnisse.

Flüchtlinge, die noch keine Pflegerausbildung haben, können diese ebenfalls bei den Regiokliniken machen. „Der Pflegeberuf ist sehr attraktiv und zukunftssicher“, erklärt Regiokliniken-Pressesprecher Sebastian Kimstädt. „Und durch den Fachkräftemangel haben wir ein großes Interesse daran, Flüchtlingen den Pflegeberuf näher zu bringen.“

Einige Unterschiede konnte Melles Alem tatsächlich zu seinen Aufgaben als Krankenpfleger in Eritrea feststellen: „In Eritrea sind die meisten Patienten jung, das Waschen übernehmen sie selber. Hier machen das wir Pfleger“, erklärt er. Außerdem seien deutsche Krankenhäuser deutlich besser ausgestattet. Eine große Hilfe war für Melles Alem der emeritierte Arzt Helmut Ziegler. „Ich hatte erst alleine versucht, eine Arbeit zu finden“, erzählt Alem. „Aber ich konnte kaum deutsch sprechen und kannte die Regeln der Bürokratie nicht.“

Heute gefällt Melles Alem seine Arbeit als Krankenpfleger. „Ich mag das Miteinander mit den Kollegen und alle Bereiche meiner Arbeit“, sagt er. Ausgesucht hat er sich diesen Beruf nicht. Wegen seiner guten Schulnoten bestimmte die Regierung in Eritrea seinen beruflichen Werdegang. „Wäre ich nicht Pfleger geworden, hätte ich Soldat werden müssen“, sagt Alem – und ergänzt mit einem Lächeln: „Gut, dass mir dieser Beruf zufällig gefällt.“

Vor vier Jahren ist er vor der politischen Willkür in Eritrea geflohen. Über die genauen Umstände möchte Alem nicht sprechen – davon bekommt er Albträume, sagt er. Deshalb mag er es auch nicht, wenn ihn Patienten auf seine Vergangenheit ansprechen. „Zum Glück wissen die meisten Patienten hier in Elmshorn, was in Eritrea los ist.“ Deutschland war für Alem eine positive Überraschung. „In Eritrea wurde mir gesagt, alle Deutschen seien Rassisten. Alles sei hier noch genauso wie unter Hitler. Davor hatte ich große Angst. Zum Glück ist es ganz anders.“ Jetzt beschäftigt sich Alem mit seiner Zukunft. In ein paar Jahren möchte er eine Fortbildung machen. „Und wenn mein Deutsch besser ist, will ich ein Buch schreiben“, sagt der 31-Jährige. „Ich möchte meine Geschichte aufschreiben.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert