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Elmshorner Nachrichten

21. September 2017 | 14:13 Uhr

Netzausfall : Elmshorns Zukunft ohne SH-Link

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Nach dem Aus des Internetanbieters wollen Stadt und Stadtwerke die Unternehmen in Elmshorn aus der Abhängigkeitsfalle holen. Die Arbeiten laufen mit Hochdruck.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Elmshorn | Das Phänomen ist in der IT-Welt bekannt und gefürchtet – Vendor Lock-in, auf Deutsch Lieferantenabhängigkeit. Plötzlich gefangen in immer tiefer verankerten Prozessen aus einer Hand und auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Fällt nun dieser Lieferant aus, kommt es zum Super-Gau – wie beim Ausfall von Kommunikationsverbindungen in der vergangenen Woche in Elmshorn. Nach dem Aus des Netzwerk-Dienstleisters SH-Link als Quasi-Monopolist in Elmshorn standen Hunderte Privat- und Geschäftskunden ohne Internet, Telefon und E-Mails da. Politik und Stadtverwaltung wollen nun raus aus der Abhängigkeitsfalle.

„Der Ausfall war aus meiner Sicht eine Katastrophe“, erklärte Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje. Mit den Stadtwerken arbeite man mit Hochdruck daran, den betroffenen Betrieben schnellstmöglich eine höchstmögliche Verfügbarkeit zu gewährleisten. Warum Stadtwerke? SH-Link nutzte über weitere Partnerfirmen das Glasfasernetz des Elmshorner Versorgers. Diese Kooperationspartner hatten jedoch SH-Link die Zusammenarbeit aufgekündigt und den Zugang zum Netz gekappt. Selbst die Stadtwerke waren von dem radikalen Schnitt überrascht und versuchen nun, die Katastrophe in den Griff zu kriegen.

„Für Unternehmen ist eine leistungsfähige und störungsfreie Internetverbindung heutzutage unverzichtbar“, erklärte Dr. Paul Raab, Leiter der IHK-Zweigstelle in Elmshorn. „Fällt die Internetverbindung ganz aus, können bei einem Unternehmen schnell erhebliche Umsatzeinbrüche eintreten“, so Raab weiter. Der Segen, den das schnelle Internet für die Abwicklung von Geschäften biete, würde zum Fluch, weil über das Netz andere Geschäftspartner schnell zur Verfügung stünden.

Solch ein Horror-Szenario erlebte nun die Elmshorner Geschäftswelt. Plötzlich ohne Verbindung. Die Unternehmer sahen sich mit einer völlig unerwarteten, ja geradezu undenkbaren Situation konfrontiert – angeblich. Ohne Netz und doppelten Boden verließen sie sich jahrelang auf die Dienste eines Einzelnen. Ein Plan B für den Fall der Fälle existierte in den meisten Firmen nicht.

Experten aus der IT-Welt geben den betroffenen Unternehmen eine Mitschuld an ihrem Desaster. In einem Internetforum heißt es: „Die meisten IT-Abteilungen laufen doch blindlings ins Verderben. Ihre Chefs berufen sich wider besseren Wissens auf Artikel 3 des Kölschen Grundgesetzes: Et hätt noch emmer joot jejange.“

Was aber ist zu tun, um eine Abhängigkeit von Dienstleistern zu vermeiden? Im IT-Studium an der Elmshorner Nordakademie wird hierzu gelehrt, in kritischen Bereichen mit mindestens zwei statt einem Dienstleister zusammenzuarbeiten. Wie im Falle der lokalen Wirtschaft an der Krückau zukünftig mit dem Glasfaserring verfahren wird, soll in der kommenden Sitzung des Stadtwerke-Ausschusses am 5. Mai thematisiert werden.

Die Elmshorner Stadtwerke sind im Besitz eines Netzwerkes, das über Glasfaser einen Ring um Elmshorn spannt. Der Versorger liefert keine Daten, sondern stellt lediglich diese Datenautobahn zur Verfügung. Firmen können das Netz nutzen, indem sie mittels IT-Experten an diesen Ring angeschlossen werden und darüber mit anderen Partnern Internet, E-Mail oder Telefon anbinden. Das hatte SH-Link als Quasi-Monopolist für viele Firmen in der Stadt gemacht. Als Dienstleister schloss das Unternehmen um Gründer Lutz Petersen Verträge mit Internetprovidern und so genannten Carriern ab, die Licht und damit Daten ins Glasfaserkabel brachten und die Übergänge zum Internet ermöglichten. Diese Leitungen wurden gekappt. Grund sollen unbezahlte Rechnungen sein.
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