Hainholz : Elmshorns teure Brücken

In einem Bogen von 56 Metern Länge überspannt seit 1988 eine Fußgängerbrücke aus Bongossiholz die Bahngleise im Stadtteil Hainholz.
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In einem Bogen von 56 Metern Länge überspannt seit 1988 eine Fußgängerbrücke aus Bongossiholz die Bahngleise im Stadtteil Hainholz.

Fußgängerbrücke über die Bahn müsste über kurz oder lang erneuert werden. Hohe jährliche Kosten. Verwaltung zählt Passanten.

shz.de von
07. Mai 2015, 10:00 Uhr

Elsmhorn | Die Fußgängerbrücke über die Bahnstrecke Hamburg/Elmshorn in Hainholz muss über kurz oder lang abgerissen und gegebenenfalls erneuert werden. Das haben die Mitglieder des zuständigen Ausschusses für kommunale Dienstleister während ihrer jüngsten Sitzung zur Kenntnis genommen. Zuvor hatten die Politiker sich das Holzbauwerk zwischen Holunderstraße und Heidkamp gemeinsam angesehen. Gutachter Thomas Iwers zeigte der Gruppe die Schwachstellen der 27 Jahre alten Konstruktion, sagte aber auch: „Man kann sie halten und sie wird noch einige Jahre halten, aber die jährlichen Unterhaltungskosten werden steigen.“

Die städtische Verwaltung schlägt deshalb aus wirtschaftlichen Erwägungen vor, die neue Brücke mittelfristig durch eine Stahlkonstruktion zu ersetzen. Als Bautermin könnte das Jahr 2017 ins Auge gefasst werden. Es wird mit Gesamtkosten von etwa 720.000 Euro gerechnet. Aber auch ein ersatzloser Abriss wäre – aufgrund der Baukosten – denkbar. Entschieden haben die Politiker noch nichts.

Die 1988 errichtete Brücke überspannt in einer Länge von 56 Metern die Gleisanlagen. Das Bauwerk wird von Fußgängern und Radfahrern viel genutzt – vor allem auch von Kindern und Jugendlichen auf ihrem Schulweg. Dies soll jetzt eine Verkehrszählung der Stadtverwaltung untermauern.

Das Problem: Bereits die letzte Hauptprüfung der Brücke im Jahre 2012 zeigte altersbedingte Mängel am Bauwerk auf. Es konnten bei dieser wichtigen, gesetzlich vorgeschriebenen Prüfung jedoch nicht alle Bauteile genau geprüft werden, weil die Deutsche Bahn nur eine Sperrzeit von einer Stunde für die Arbeiten genehmigt hatte. Genauere Analysen sollen während der aktuell anstehenden Hauptprüfung noch gemacht werden. Dies kann allerdings erst im September geschehen. Dann genehmigt die Bahn im zeitlichen Zusammenhang mit der Prüfung der Ost-West-Brücke eine umfangreichere Sperrung der Gleise.

Zeigt Schwachstellen der Holzkonstruktion: Der Elmshorner Bauingenieur Thomas Iwers (zweiter v. l.). Ausschussmitglieder sowie der Bürgermeister und weitere Verwaltungsmitarbeiter informierten sich an Ort und Stelle über die Problematik. (Foto: C. Petersen)
Zeigt Schwachstellen der Holzkonstruktion: Der Elmshorner Bauingenieur Thomas Iwers (zweiter v. l.). Ausschussmitglieder sowie der Bürgermeister und weitere Verwaltungsmitarbeiter informierten sich an Ort und Stelle über die Problematik. (Foto: C. Petersen)
 

Die Stadt Elmshorn stößt nicht nur bei der Brücke in Hainholz, sondern auch bei weiteren Überführungen aus Holz, auf erhebliche Probleme: Seit 2013 sieht „die Richtlinie zur Erhaltung von Ingenieurbauwerken bei Holzbrücken ohne konstruktiven Holzschutz“ jährliche Hauptprüfungen vor – und alle Elmshorner Holzbrücken verfügen aufgrund ihres Alters nicht über einen konstruktiven Holzschutz.

Die Prüfungen kosten genauso alljährlich Geld wie die immer umfangreicher werdenden Instandsetzungsarbeiten der alten Konstruktionen. Besonders viel Geld muss für die Prüfung der Hainholzer Brücke aufgewendet werden, weil sie über Gleisanlagen führt und zwangsweise die Abschaltung des Stromes und damit die Einstellung des Zugverkehrs erforderlich werden – alljährlich nur hier Prüfungskosten zwischen 25.000 und 30.000 Euro.

Zwei Kilometer Umweg für die Fußgänger

Die Alternative, die Hainholzer Brücke einfach ersatzlos abzubauen, sehen viele Politiker als nicht geeignet an. Das Bauwerk ist im Bebauungsplan festgeschrieben, und Querungen in dem durch die Bahngleise durchtrennten Siedlungsraum sind zwar nur mehrere hundert Meter Luftlinie entfernt möglich (Unterführung Wasserstraße sowie Brücke Adenauerdamm/Heidmühlenweg). Doch das bedeutet für Fußgänger Umwege von bis zu zwei Kilometern und würde ein klimaschädliches Umsteigen auf das Auto begünstigen.

Die Politiker wollen jetzt die Ergebnisse der Verkehrszählung abwarten und dann weiter beraten. So oder so muss dieses Jahr aber Geld bewilligt werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Die genaue Höhe dieser Kosten wird erst feststehen, wenn Ende des Jahres die Ergebnisse der Hauptprüfung vorliegen. Grob schätzt die Verwaltung etwa 30.000 Euro für die Prüfung und 30.000 Euro für die Erhaltung. Bei einer späteren Stahlkonstruktion geht die Verwaltung von Prüfungs- und Instandsetzungskosten von jährlich etwa 8000 Euro aus. Die Nutzungsdauer einer solchen Brücke wird mit „durchaus 100 Jahre und mehr“ eingeschätzt.

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