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Engpässe und Raumnot : Elmshorns Schulen sind rappelvoll

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ab Sommer sollen zwei Grundschulen eine Klasse mehr aufnehmen – dabei fehlt es jetzt schon an Platz.

Elmshorn | 6477 Jungen und Mädchen besuchen in Elmshorn zurzeit die sechs öffentlichen Grund- und  fünf weiterführenden Schulen. Und es werden mehr. Laut Schulentwicklungsplan werden im Jahr  2029 schon 6732 Jungen und Mädchen die elf Einrichtungen besuchen. Auf die Stadt kommt was zu. Denn schon heute ist es rappelvoll an den Schulen. „Die Kapazitäten sind an einigen Schulen ausgeschöpft“, betont Wiebke Penzholz aus dem Schulamt der Stadt Elmshorn. Es ist voll – und damit extrem eng. Das Raumangebot reicht an einigen Einrichtungen nicht aus. Grund: Ab Mitte 2015 wurden zusätzlich viele Flüchtlingskinder von den Schulen aufgenommen. Zudem steigt die Zahl der Integrationsklassen. Die dürfen aber nur 20 Kinder aufnehmen. In der Summe  fehlen Räume. 

Besonders betroffen sind die Grundschulen. Bei ihnen kommt hinzu, dass die Schulen immer öfter auch die Nachmittagsbetreuung übernehmen müssen. Auch dafür werden zusätzliche  Räume gebraucht. Bei den Grundschulen ist die Zahl der Schüler innerhalb eines Jahres von 1660 auf 1786 gestiegen. Bis zum Jahr 2020 könnte die Zahl auf 1953 Jungen und Mädchen ansteigen. Die Stadt schlägt vor, die Kapazitäten der beiden größten Elmshorner Grundschulen – Friedrich-Ebert-Schule und Grundschule Kaltenweide – wieder auf fünf Züge zu erhöhen. Auch vor dem  Hintergrund des Baubooms in Elmshorn und den Umlandgemeinden. Laut Prognose werden die Schülerzahlen auch an den weiterführenden Schulen steigen. Hier besonders an den Gemeinschaftsschulen. An den beiden Gymnasien wird dagegen ein leichter Rückgang erwartet.

Vorbei an der Schulwirklichkeit

Neben dem Lehrerpult liegt ein Schüler auf dem Boden. Kein Lehrer greift ein. Warum auch? Es ist ruhig in der Klasse, über zwanzig Schüler befassen sich mit ihrem Lernstoff. Auch der Junge auf dem Boden. Er liegt auf dem Bauch liest in einem Buch. Diese Szene wurde beobachtet im Klassenraum der 1a in der Friedrich-Ebert-Schule. Sie zeigt, Schule funktioniert heute anders. Freier, selbstbestimmter und individueller. Aber es gibt Probleme.

„Wir stoßen an unsere Grenzen. Wir brauchen mehr Räume“, sagt Dieter Ackmann, Rektor der Friedrich-Ebert-Schule. Zusammen mit der Grundschule Kaltenweide soll seine Einrichtung ab dem nächsten Schuljahr eine Klasse mehr aufnehmen. Statt vier würden dann bei beiden Schulen fünf erste Klassen eingeschult. „Dafür mussten wir schon unseren Werkraum opfern“, sagt Ackmann. Wo vorher Werkzeuge lagerten ist heute die Schulbibliothek untergebracht. Die ehemalige Bibliothek ist nun ein Klassenzimmer. Auch den Computerraum musste die Schulleitung freiräumen lassen.

„Bei uns wird jeder eingeschult“, sagt Ackmann. 370 Schüler besuchen die Friedrich-Ebert-Schule, darunter Kinder mit Lernschwierigkeiten und welche aus Migrantenfamilien. „Da sitzt dann jemand, der hochbegabt ist neben jemand, der überhaupt nicht alphabetisiert ist.“ Damit die Lehrer allen Schülern gerecht werden können, werden Sonderpädagogen und Schulbegleiter eingesetzt. „Für manche Klassen bedeutet das, dass vier oder fünf Erwachsene mit im Raum sind“, erklärt Ackmann. Im Idealfall gibt es pro Klassen einen zusätzlichen Raum, in dem die Begleiter einen Schüler mitnehmen können, etwa wenn er mehr Ruhe zur Konzentration braucht. „Bei uns sind diese Räume stark begrenzt. Nur sechs von 17 Klassenräumen haben einen“, sagt Ackmann.

„Wir haben für jede Klasse einen Klassenraum. Aber das entspricht eigentlich nicht der Schulwirklichkeit“, sagt auch Cornelia Fürst, die die Grundschule Kaltenweide leitet. Auch ihre Schule leidet an Raumnot. So müssen auch Räume für die Nachmittagsbetreuung zur Verfügung stehen. „Immer mehr Eltern brauchen einen Betreuungsplatz. Das nimmt mittlerweile Ausmaße an, für die die Schulen nicht gedacht worden sind“, sagt Fürst. 85 Kinder bleiben hier auch nachmittags. An der Friedrich-Ebert-Schule sind es 100.

Mehr Platz für die Kinder, aber auch mehr Platz für die Erwachsenen wünschen sich beide Schulleiter. „Ein Problem ist, dass die Erwachsenen eigentlich viel enger zusammenarbeiten müssten. Aber bei uns stehen dazu nur zwei Arbeitsplätze zur Verfügung“, sagt Fürst. An der Friedrich-Ebert-Schule sei auch das Lehrerzimmer zu klein. Ausgelegt sei es für die 27 Lehrer der Schule, aber durch Schulassistenten, Lehramtanwährter, Lehrer vom Förderzentrum, Unterrichtsverstärker, Praktikanten und Bundesfreiwilligendienstlern sei eigentlich viel mehr los. „Das sind schnell mal über 40“, sagt Ackmann und erzählt „Bei Konferenzen haben nicht mal alle einen Platz.“ Das sich etwas ändern muss, bestätigt auch die Stadt. So erklärt Wiebke Penzholz vom Schulamt, dass die Stadtverwaltung bei beiden Schulen einen Anbau empfiehlt. „Wir hoffen jetzt, dass die Politiker unsere Not sehen“, sagt Fürst.

Prognose: An Gymnasien gehen die Schülerzahlen zurück

603 Fünftklässler werden zum neuen Schuljahr  2017/2018 an den fünf weiterführenden Schulen in Elmshorn aufgenommen. Zwei weniger als im Jahr zuvor. Es ist  und bleibt eng an den drei Gemeinschaftsschulen und den beiden Gymnasien. „Die Kapazitäten sind nahezu ausgeschöpft“, sagt Wiebke Penzholz aus dem Elmshorner Rathaus. Problem: In einigen Einrichtungen reichen die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr aus. Das  geht aus dem Schulentwicklungsplan hervor, den die Stadt für die  Jahre 2017 bis 2029 ausgearbeitet hat. Die Verantwortlichen im Rathaus wissen, was da auf sie zukommen kann. Ein Raumprogramm mit  Mindeststandards  wurde bereits auf den Weg gebracht. Problem: Durch die Integrationsklassen – hier sind die Schülerzahlen auf 20 beschränkt – wird der Raumbedarf besonders an den Gemeinschaftsschulen größer. 

Insgesamt geht die Stadt davon aus, dass die Zahlen an den weiterführenden Schulen  steigen werden. 2017 besuchten 4640 Jungen und Mädchen die weiterführenden Schulen. Laut Prognose werden es im  Jahr 2029 insgesamt 4832 sein.

Gemeinschaftsschulen

Die Prognose geht davon aus, dass die Schülerzahlen in den kommenden Jahren  ansteigen werden. Aktuell besuchen  2468 Jungen und Mädchen die drei  Elmshorner Einrichtungen. Bis 2019 könnten es 2029 sein. Grund: der Zuzug von Flüchtlingsfamilien und ab 2014 die Familienzusammenführungen. 

Die Boje-C.-Steffen Gemeinschaftsschule zählt zum neuen Schuljahr 114 Fünfklässler – 28 mehr als im Jahr zuvor. Sie ist fünfzügig und wird dann von insgesamt 683 Jungen und Mädchen besucht. Prognose bis 2029: 706 Schüler. Die Schule muss weiter bis zur Kapazitätsgrenze aufnehmen. Der Raumbedarf liegt bei 200 Quadratmetern.

Die Anne-Frank-Gemeinschaftsschule begrüßt 67 Fünftklässler und damit vier mehr als im Jahr zuvor. Sie ist dreizügig. Ab Klassenstufe 7 wird sie vierzügig, weil sie die Rückläufer aus den Gymnasien aufnimmt. 454 Jungen und Mädchen  besuchen  die Einrichtung. Prognose bis 2029: 481 Schüler. Der Raumbedarf liegt bei 100 Quadratmetern.

Die Erich Kästner Gemeinschaftsschule nimmt zum neuen Schuljahr 161 Schüler auf, zwei mehr als 2016. Die größte Schule in Schleswig-Holstein – sechszügig geplant – wird weiter siebenzügig gefahren. 1363 Jungen und Mädchen besuchen die Einrichtung. Die Prognose für 2029: 1574 Schüler. Die Erich Kästner Schule muss weiterhin deutlich oberhalb der Kapazitätsgrenze Schüler aufnehmen, damit alle Gemeinschaftsschüler  untergebracht werden können. Auf die Außenstelle am Ramskamp  wird die Stadt auch in Zukunft nicht verzichten können.

Gymnasien

Die Prognose geht davon aus, dass die Schülerzahlen an den beiden Elmshorner Gymnasien leicht sinken werden. 2017 besuchen 2124 Kinder und Jugendlichen die Gymnasien. Im Jahr 2019 sollen es 2071 sein.

Die Bismarckschule nimmt zum neuen Schuljahr 140 Jungen und Mädchen auf und damit zehn weniger als im Jahr zuvor. Sie ist fünfzügig. 1117 Schüler werden an dem Gymnasium insgesamt unterrichtet.  Die Prognose  geht aber von steigenden Zahlen für die Bismarckschule aus. 2029  könnten 1152 Schüler die Einrichtung besuchen. Die Schule nimmt zum Teil über ihre  Kapazität Schüler auf. Die Elsa-Brändström-Schule begrüßt nach den Sommerferien 121 Fünftklässler und damit 25 weniger als im Jahr 2016. Sie ist vierzügig mit fünfzügiger Oberstufe. Zurzeit wird sie von 1007 Jungen und Mädchen besucht. Die Prognose geht davon aus, dass die Zahl auf 919 im Jahr 2029 sinken  wird.  Auch dieses Gymnasium nimmt zum Teil über die Kapazitätsgrenzen Schüler auf.

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