Entwässerung : Elmshorns Kampf gegen das Wasser

Die Ekholter Au fließt in Seeth-Ekholt unter der A23 her. Vor zwei Wochen war der Wasserstand ungewöhnlich hoch. Das Bild zeigt, dass nicht mehr viel Luft nach oben ist.
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Die Ekholter Au fließt in Seeth-Ekholt unter der A23 her. Vor zwei Wochen war der Wasserstand ungewöhnlich hoch. Das Bild zeigt, dass nicht mehr viel Luft nach oben ist.

Schon jetzt stößt die Stadt bei Stürmen und Sturmfluten an ihre Grenzen. Eine Kooperation mit dem Umland könnte die Lösung sein.

shz.de von
22. Januar 2018, 15:00 Uhr

Elmshorn | Wiesen und Parks waren überschwemmt und Teile des Krückauwanderwegs konnten nur noch mit Gummistiefeln betreten werden – vor zwei Wochen waren nach Sturmtief „Burglind“ wieder einmal die Entwässerungsgräben und die Krückau überlastet. An der A23-Brücke bei Kölln-Reisiek erreichte die Krückau gar einen Höchststand von knapp 2,25 Metern – 45 Zentimeter höher als normalerweise und das über acht Stunden, wodurch das Wasser von den bereits durchnässten Flächen nicht mehr abfließen konnte.

„Wir standen nicht am Rande einer Katastrophe“, stellt Thomas Beiersdorf von der Stadtentwässerung Elmshorn klar. „Aber mehr darf nicht passieren, da ist nicht mehr viel Luft nach oben.“ Im Klartext heißt das: Wenn durch den Klimawandel in Zukunft der Meeresspiegel immer höher, die Niederschläge im Winter immer häufiger und die Wasserstände der Krückau immer größer werden, werden Überflutungen ein echtes Problem für Elmshorn. Vorausgesetzt, die Stadt handelt nicht bald.

Genau aus diesem Grund ist das Projekt Karel entstanden, die Abkürzung steht für „Klimaanpassung des Regenwassernetzes von Elmshorn und Umland“. Mit dessen Hilfe hofft die Elmshorner Stadtentwässerung in Kooperation mit den Sielverbänden aus dem Umland eine Lösung für Elmshorns Regenwasserproblem zu finden.

Das vorläufige Ergebnis der erhobenen Messdaten: Die Leistungsfähigkeit des Entwässerungssystems ist bereits jetzt sehr eingeschränkt. Wie schnell das Wasser in Richtung Elbe abfließen kann, ist abhängig vom Wasserstand der Krückau. Zurzeit werden etwa 95 Prozent des abzuleitenden Regenwassers dem Fluss zugeführt. „Schon jetzt beobachten wir eine Tendenz zu häufigeren Niederschlägen im Winter“, erklärt Beiersdorf. „Das Wasser trifft auf feuchte Flächen und versickert nicht mehr im Boden, sondern muss direkt abgeleitet werden.“ Je höher der Wasserstand, desto weniger Wasser kann abfließen und es entsteht ein Aufstau im Kanalnetz. In der Folge kommt es im Stadtgebiet und im Umland zu Überflutungen.

Verstärkt wird das Problem durch menschliche Eingriffe: Ebenso durch den Bauboom im Stadtgebiet und die damit verbundene Versiegelung des Bodens als auch durch die geplante Elbvertiefung. Beiersdorf: „Durch die Ausbaggerungen der Elbe im 20. Jahrhundert hat sich das mittlere Tiedenhochwasser der Krückau zwischen 1950 und heute um 17 Zentimeter erhöht. Dieses Problem wird sich durch eine erneute Vertiefung nicht lösen – im Gegenteil.“

Noch in diesem Jahr will die Stadt das Regenrückhaltebecken am Ramskamp vergrößern. Auch das neue Haus der Technik wird helfen. Aber das sind alles nur punktuelle Lösungen. Um den zukünftigen Herausforderungen begegnen zu können, muss Elmshorn noch mehr tun. Laut Beiersdorf wäre es ideal, die Pumpen des Krückausperrwerks für alle nutzbar zu machen. „Aber da sind die Zuständigkeiten zu komplex, wir haben derzeit kein Organ, das die Krückau in ihrer Gesamtheit betrachtet“, sagt Beiersdorf. „Und die Anlieger am Oberlauf der Krückau haben kein Interesse daran, die Kosten mitzutragen.“ Deshalb gibt es jetzt zwei Optionen: Entweder verbessert Elmshorn die eigene Pumpleistung durch den Bau neuer Anlagen oder aber die Stadt gibt mehr Regenwasser an das Umland ab. „Es ist sinnvoll, dass wir uns mit den Umlandgemeinden zusammentun, die bereits über Schöpfwerke in der Krückau verfügen“, sagt Beiersdorf. Aber das Konzept soll keine Einbahnstraße zu Lasten der Umlandgemeinden in der Marsch sein. Elmshorn ist bereit, sich an der Verstärkung der Pumpen zu beteiligen.

Inwieweit das überhaupt einen Nutzen hat, das sollen die Berechnungen der Technischen Universität Hamburg auf Grundlage der Daten aus dem Karel-Projekt jetzt zeigen. Beiersdorf ist es wichtig, nicht zu spekulieren – „sonst verlieren wir das Vertrauen, das die Menschen in uns setzen.“ Wenn die Stadt also handelt, dann soll das auf verlässliche Daten gestützt sein. Genau dafür ist Karel ins Leben gerufen worden. Ende 2018 sollen die Berechnungen der Wissenschaftler abgeschlossen sein. Dann kann sich die Stadt mit den Umlandgemeinden zusammensetzen, um an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten.

Die Abkürzung „KAREL“ steht für „Klimaanpassung des Regenwassernetzes von Elmshorn und Umland“. An dem Bundesprojekt ist neben der Stadt Elmshorn und den Wasserverbänden im Umland auch die Technische Universität Hamburg (TU) und die TuTech Innovation GmbH beteiligt. Um diese Anpassungen vornehmen zu können, müssen zunächst die Risiken richtig eingeschätzt werden. Dazu haben Mitarbeiter und Studenten der TU von August bis Dezember 2016 in den Marschgebieten der Sielverbände Raa und Wisch-Kurzenmoor die Entwässerungsgräben, Brücken, Überfahrten und Durchlässe vermessen und Gewässerprofile erstellt. Für Elmshorn liegen diese Daten bereits vor. Im nächsten Schritt wurden die Ergebnisse bis Dezember 2017 mit realen Messdaten wie Wasserständen, Durchflussgeschwindigkeiten und Regenmengen abgeglichen.  Jetzt beginnen die Wissenschaftler damit, ihre Computerprogramme mit den Daten zu füttern. „Wir können relativ genaue Simulationen für künftige Wasserstände erstellen, in dem wir mit den Ist-Zuständen arbeiten“, sagt Thomas Beiersdorf von der Stadtentwässerung Elmshorn.
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