700 Euro in Hausrat-Spende : Elmshorns ehrlichste Finderin

Uwe Jantzen, Leiter des Sozialkaufhauses Elmshorn, und  Edith Birkholz, die im Büro der Einrichtung arbeitet, mit den 700 Euro, die ihre Mitarbeiterin zwischen Hausrat gefunden hat.   Foto: en
Uwe Jantzen, Leiter des Sozialkaufhauses Elmshorn, und Edith Birkholz, die im Büro der Einrichtung arbeitet, mit den 700 Euro, die ihre Mitarbeiterin zwischen Hausrat gefunden hat. Foto: en

Eine Ein-Euro-Jobberin aus dem Sozialkaufhaus findet zwischen Hausrat 700 Euro - für sie ein kleines Vermögen. Doch ohne zu zögern gibt sie das Geld der Besitzerin zurück.

Avatar_shz von
05. August 2011, 09:54 Uhr

Elmshorn | Es war Montagmorgen, ein Tag wie jeder andere. Im Elmshorner Sozialkaufhaus an der Gärtnerstraße waren Kisten mit Hausrat und Kleidung abgegeben worden. Die Mitarbeiter sortierten die Spenden und ordneten sie in Regale und Kleiderständer ein. Doch plötzlich war es kein Tag wie jeder andere mehr. Zwischen dem Hausrat entdeckte eine Mitarbeiterin einen unscheinbaren Umschlag. Er war offen. Sie sah vorsichtig hinein. Und dann verschlug es ihr fast die Sprache: In dem Umschlag lagen 700 Euro.
358
Um das, was dann geschah, richtig einordnen zu können, muss man wissen, wer im Sozialkaufhaus arbeitet: Hartz-IV-Empfänger, die sich als Ein-Euro-Jobber etwas hinzuverdienen. Es sind folglich alles andere als begüterte Menschen. Der Hartz-IV-Satz Regelsatz liegt derzeit bei 364 Euro. 700 Euro sind also praktisch das Einkommen von zwei Monaten.
Sparbücher und Papiere im Karton
Dennoch zögerte die Mitarbeiterin (sie möchte ihren Namen nicht nennen) keine Sekunde, und gab das Geld ab. "Das Geld zu unterschlagen kam für meine Mitarbeiterin nie in Frage. Ich wurde gleich informiert", berichtete Uwe Jantzen, Leiter des Sozialkaufhauses. Dabei wäre es für die Frau ein Leichtes gewesen, das Geld unbemerkt einzustecken. In dem Karton, den die Frau ausgepackte hatte, entdecken die Mitarbeiter des Sozialkaufhauses auch noch Papiere und Sparbücher. Die Sparbücher waren allerdings bereits entwertet worden.
Die Kisten, in denen das Geld gefunden wurde, waren von einer unbekannten Frau abgegeben worden. Im Sozialkaufhaus kann jeder Bürger Hausrat, Möbel oder Kleidung, die er nicht mehr benötigt, abgeben. Die Mitarbeiter arbeiten, wenn nötig, die Spenden auf und verkaufen sie für wenig Geld an andere Bedürftige Menschen.
Finderlohn für ehrliche Elmshornerin
Die Frau, der die 700 Euro gehören, hatte Glück. Da sie außer dem Geld noch andere Papiere irrtümlich in der Kiste mit Hausrat deponiert hatte, konnte sie ausfindig gemacht werden. Hocherfreut, dass sie ihr Geld zurückbekam, gab die Elmshornerin der Sozialkaufhaus-Mitarbeiterin einen Finderlohn. Aus Angst, sich zu blamieren, will die Frau nicht genannt werden.
Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Geld in den Spenden gefunden worden sei, sagt Jantzen. Allerdings nicht unbedingt so viel. Wenn Kleiderschränke von Verstorbenen gespendet würden, "kommt es schon mal vor, dass wir Geld zwischen Handtüchern und Pullovern finden", sagt Jantzen.
(bam, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen