Elmshorns Bahnhof wird zum Wartesaal

Der Elmshorner Bahnhof wurde gestern Nachmittag zum Wartesaal für Sylt-Touristen.
Der Elmshorner Bahnhof wurde gestern Nachmittag zum Wartesaal für Sylt-Touristen.

shz.de von
29. Mai 2018, 12:54 Uhr

Gleich mehrere Schulklassen drängen sich am Montagmorgen gegen zehn Uhr in die Regionalbahn zwischen Hamburg-Altona und Elmshorn. Eigentlich wollen sie ins Schullandheim auf Sylt, aber der Direktzug um 9.40 Uhr ist ausgefallen, wie so viele am Montag- und Dienstagmorgen. Kommuniziert wurde das am Bahnhof erst einige Minuten vorher. Die Lehrer versuchten verzweifelt, Alternativen zu finden. „Die Bahnmitarbeiter waren alle sehr nett, aber einen Plan hatte so richtig keiner, die Leute waren völlig überfordert“, erzählt ein Lehrer. Er wird mit seinen Schülern mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof und dann über Itzehoe geschickt, weil die Regionalbahn nach Wrist über Elmshorn „zur zeit auch nicht so verlässlich“ sei. Für die meisten aber wird Elmshorn in diesen Tagen zum Umsteigebahnhof nach Sylt.

Denn: Sowohl Montag als auch Dienstag fallen fast alle Züge des RE6, die normalerweise stündlich zwischen Westerland und Hamburg-Altona pendelt, zwischen Elmshorn und Hamburg aus. Erst in der Krückaustadt soll dann wieder Anschluss in Richtung Norden bestehen. So jedenfalls der Plan – gestern nämlich drehte der RE6 bereits in Itzehoe wieder um in Richtung Sylt. Fahrgäste standen nachmittags in Scharen am Elmshorner Bahnhof und hofften, dass wenigstens der Anschlusszug nach Itzehoe fahren würde. „Ich bin extra gestern Abend schon von Sylt nach Hamburg gefahren, weil mir das Problem bekannt war“, erzählt ein Mann von der Insel. „Da habe ich schon eineinhalb Stunden länger gebraucht – und jetzt stehe ich auf dem Rückweg schon wieder hier.“ Erst ganz kurzfristig sei den Fahrgästen mitgeteilt worden, dass der Sylter Zug erst ab Itzehoe startet. „Ich habe das Gefühl, bei der Bahn weiß auch keiner, was der andere tut.“ Deutlich besser betreut fühlt sich eine Reisende aus Bielefeld. Bereits im ICE nach Hamburg habe man ihr mitgeteilt, dass sie in Elmshorn und Itzehoe umsteigen müsse.

Der Grund für die ganze Misere: Haarrisse an den Schienen, weshalb die Züge zwischen Bredstedt und Morsum streckenweise nur noch mit 30 Stundenkilometern fahren können. Um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, werden Haltepunkte ausgelassen. Eine Schienenschleifmaschine war laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis in den vergangenen Nächten im Einsatz, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde beispielsweise zwischen Bredstedt und Hattstedt gearbeitet. Möglich ist das allerdings nur nachts, weil sonst die Strecke komplett gesperrt werden müsste. Die Bahn arbeitet laut Meyer-Lovis daran, die Störung schnellstmöglich zu beheben. Mitarbeiter seien vor Ort im Einsatz und betreuten die Reisenden.

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