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Elmshorns vergessene Zeitung : „Elmshorner Zeitung“: Das Unikat des Stadtarchivs wird digitalisiert

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Von 1887 bis 1934 gab es neben den EN noch die „Elmshorner Zeitung“.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 13:30 Uhr

Elmshorn | Nicht viele wissen noch von ihrer Existenz, von der zweiten Elmshorner Lokalzeitung, die es zwischen den Jahren 1887 und 1934 neben den Elmshorner Nachrichten in der Krückaustadt gegeben hat. Jürgen Wohlenberg, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Stadtarchiv, blättert die 130 Jahre alten Papierseiten vorsichtig um. „Wir haben vermutlich die letzten existierenden Ausgaben der ,Elmshorner Zeitung’“, erklärt er. „Das Blatt ist von den Nazis verboten worden und diese Zeitungen hier haben den Krieg nur überstanden, weil der Verleger die archivierten Ausgaben versteckt hat.“

Insgesamt kostet die Digitalisierung der Elmshorner Zeitung 12500 Euro. 9500 Euro kommen aus einem Förderprogramm des Landes zur Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes in Archiven und Bibliotheken. Jeweils weitere 1500 Euro kommen von der Stadt Elmshorn und vom Förderverein des Stadtarchivs.

Blättern darf darin heute kaum noch ein Archiv-Besucher. Zu hoch ist das Risiko, dass das alte Papier dadurch endgültig für die Nachwelt verloren ginge. Aber bald kann jeder in den Nachrichten der Vergangenheit schmökern: Die „Elmshorner Zeitung“ wird jetzt digitalisiert, die gebundenen Zeitungen Seite für Seite auf den Auflichtscanner der Hamburger Elbewerkstätten gelegt und auf den Computer gebannt. Bis Ende des Jahres wird es voraussichtlich dauern, bis die über 60 Bände der gebundenen Zeitung digitalisiert zum Archiv zurückgekommen sind.

Gegründet worden war die „Elmshorner Zeitung“ 1887 von Pott Carstens, dem späteren Gründer der gleichnamigen Steingutfabrik. Kurz zuvor hatte er wegen „sozialistischer Umtriebe“ seinen Posten als Gerichtssekretär am Amtsgericht verloren – Carstens hatte sich in der damals verbotenen Arbeiterbewegung engagiert. Auch seine Zeitung gründete er zunächst als „Organ der freisinnigen Partei“, verkaufte es aber schon ein Jahr später als linksliberalen Gegenpol zu den konservativen Elmshorner Nachrichten an den Verleger Max Vollbehr.

Die „Elmshorner Zeitung“ vom 12. Januar 1889 hat mit einer heutigen Zeitung nur wenig gemein.
Die „Elmshorner Zeitung“ vom 12. Januar 1889 hat mit einer heutigen Zeitung nur wenig gemein. Foto: Cornelia Sprenger
 

Mit einer Lokalzeitung im heutigen Sinne hatten die Blätter des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts wenig gemein. In erster Linie handelte es sich um eine Aneinanderreihung von Korrespondentenberichten über die große Politik. Dazwischen fanden sich örtliche Werbeanzeigen – und ab und zu dann doch ein Bericht über ein lokales Eregnis – etwa das Jubiläum eines Papiergroßhandels oder die Feierlichkeiten zum Geburtstag des deutschen Kaisers. „Die Zeitung war keinesfalls politisch links“, sagt Jürgen Wohlenberg. „Der Kaiser war sakrosankt.“

Als die Nationalsozialisten die deutsche Medienlandschaft gleichschalteten, fiel dem Prozess auch die „Elmshorner Zeitung“ zum Opfer. „Schon die letzten Ausgaben waren ein reines Mitteilungsblatt der Nazis“, sagt Wohlenberg. „Mit der letzten Ausgabe hat die Zeitung dann einfach aufgehört zu existieren – ohne irgendeinen Hinweis.“ Die Ausgaben von 1889 bis 1934 hat der Verlegersohn Gerhard Vollbehr während des Krieges versteckt. Danach übergab er alle Ausgaben – heute vermutlich Unikate – an das Stadtarchiv. Als die Elmshorner Nachrichten nach der zwischenzeitlichen Einstellung durch die Alliierten 1949 zum ersten Mal wieder erschienen, trugen sie auch den Titel der „Elmshorner Zeitung“ im Kopf – und zwar bis heute.

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