Schippertreffen : „Elmshorner wollen Schiffe sehen“

Die „Forelle von Kollmar “(links) lief ein, die „Gloria“ aus.
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Die „Forelle von Kollmar “(links) lief ein, die „Gloria“ aus.

Viele Traditionssegler und Hunderte Besucher waren beim Elmshorner Schippertreffen. Es gabe auch ein Konzert im Laderaum der Klostersande.

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16. Juni 2014, 06:00 Uhr

Elmshorn | Akkordeontöne wehen durch die laue Frühsommerluft, ein paar Stimmen singen dazu „La Paloma“ oder „Schön ist die Liebe im Hafen“. Kerstin Boos sitzt mit ihrem Instrument in einem Pavillon, auf Bierzeltgarnituren liegen die Texte der Seemannslieder aus. Zwischen die Leute mit Kaffee, Kuchen oder Bratwurst mischen sich immer wieder urige Gestalten in Fischerhemden. Sie gehören zu den Traditionsseglern, die ein paar Meter weiter an der Pier liegen.

Die Schiffe bieten den Elmshornern einen inzwischen ungewohnten Anblick: Der Hafen ist belebt. Auf der Krückau liegen am Sonnabendnachmittag vor dem alten Frachter Klostersande ein paar Segler, weitere sollen mit dem Abendhochwasser und am Sonntag eintreffen, erklärt Hans Barzel. Er setzt sich dafür ein, dass ein Verein die Klostersande kauft, damit sie in Elmshorn bleiben kann, wo sie lange für Kölln Fracht fuhr. Und er hat fürs vergangene Wochenende zum zweiten Elmshorner Schippertreffen eingeladen.

Der Skipper der „Auguste“ erklärt einem Besucher, dass sein Schiff 1900 in Elmshorn gebaut wurde. Nebenan dreht Peter Russ vom Industriemuseum Elmshorn mit Kindern von Hand Seile. Reepschlagen heißt der Fachbegriff, und nach der Arbeit bekommt jeder kleine Helfer zur Belohnung ein Stück des eben hergestellten Hanfseils. Auf ein paar Bierbänken liegen alte Maschinenteile, das ist der „kleine maritime Flohmarkt“ der zum Schippertreffen gehört. Ein paar Männer und eine Frau in altertümlichen Gewändern bauen ein Zelt auf dem Kopfsteinpflaster auf und hängen ein Kettenhemd davor: Sie stellen Wikinger dar und wollen später in Schaukämpfen demonstrieren, wie vor 1000 Jahren gekämpft wurde.

„Dass man sich mal wieder trifft“, das hat Axel Kalkofen nach Elmshorn gelockt. Er ist mit der „Sünnstrohl“ gekommen, einem kleinen Gaffelsegler. Kalkofen lobt die „gediegene Atmosphäre“ hier. „Unter uns, ohne Kommerz“ lautet die Vorgabe von Hans Barzel für das Treffen. Wobei „unter uns“ natürlich nicht stimmt; die Schipper erklären Gästen gern ihre Schiffe, und am Sonntag wird Barzel wieder Neugierige durch die Klostersande führen.

1 500 Besucher waren beim ersten Treffen im vergangenen Jahr gekommen, schätzt Barzel, in diesem Jahr ist er mit dem Anlauf zufrieden. Bei den etablierten Treffen der Traditionssegler gebe es mit dem Aus in Buxtehude eine Lücke im Kalender, die will er künftig am Wochenende nach Pfingsten mit dem Elmshorner Treffen füllen.

„Die Elmshorner wollen Schiffe im Hafen sehen“, sagt Barzel. Das liest er an der Unterstützung für das Treffen ab: Das Industriemuseum macht mit, die beiden Seglervereine, der Förderverein Klostersande, der Schümannhof hilft beim Catering, viele Privatleute spendeten Kuchen. Es fehlte nur eine: der bekannteste Elmshorner Traditionssegler, die Gloria, war übers Wochenende unterwegs, die Werft geschlossen.

Der Höhepunkt fand am Sonnabendabend im Laderaum der Klostersande statt. Dort spielten Helmut Hamke, Joachim Theege und Stefanie Kock plattdeutsche Lieder. Die Einnahmen des Treffens gehen in den großen Topf, aus dem einmal der Ankauf der Klostersande bezahlt werden soll. Rund 70.000 Euro brauchen Barzel und seine Mitstreiter dafür: „Wir sind kurz vor der Hälfte.“

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