„Tag der Archive“ in Elmshorn : Elmshorner Stadtarchiv: Wo Geschichte bewahrt wird

Arno Freudenhammer (rechts) führte Karl Gereit (hinten), Gisela und Karl Neels durchs Archiv.
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Arno Freudenhammer (rechts) führte Karl Gereit (hinten), Gisela und Karl Neels durchs Archiv.

Mitarbeiter haben mit Führungen und Vorträgen etwa 50 Besuchern im Keller der Weißen Villa ihre Arbeit präsentiert.

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06. März 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | „Das Wichtigste ist das Enteisen“, erklärte Arno Freudenhammer. Heft- und Büroklammern und die Gestänge von Aktenordnern rosten irgendwann und gefährden damit das Papier, das sie zusammenhalten. Also werden alle Unterlagen, die ins Elmshorner Stadtarchiv übernommen werden, zunächst von Metall befreit. Dann werden sie in Archivboxen gelegt, die wiederum in Rollregale im Keller der Weißen Villa gestellt werden. Eine Lösung suchen die Mitarbeiter des Archivs noch für die Beschriftung: Bisher steht auf aufgeklebten Zetteln, was in den Kartons drin ist; wie lange werden diese Zettel haften, fallen sie in 20 Jahren ab?

Aufbewahren für die Ewigkeit

Eine wichtige Detailfrage, denn im Archiv ist der Anspruch hoch: „Wir sollen für die Ewigkeit aufbewahren“, beschrieb Freudenhammer am Sonntag die Aufgabe des Elmshorner Stadtarchivs, in dem er ehrenamtlich mitarbeitet. Was die drei fest Angestellten und die sieben Ehrenamtler da eigentlich tun im Keller der Weißen Villa, das präsentierten sie am bundesweiten „Tag der Archive“. Der fand zum neunten Mal statt, die Elmshorner machten zum ersten Mal mit und öffneten ihre Türen am Wochenende als eins von neun teilnehmenden Archiven in Schleswig-Holstein.

Karl Gereit nahm an der Führung Freudenhammers durchs Stadtarchiv teil. „Meine Eltern stammen aus Ostpreußen, da ist das Interesse gewachsen: ‚Wo stamme ich her?‘“, erklärte Gereit sein Interesse an Historie. Außerdem wollte er mehr wissen über seine neue Heimatstadt Elmshorn.

„Es kommt zur Zeit viel aus dem Rathaus an“, berichtete Arno Freudenhammer. Die Mitarbeiter der Stadt bereiteten sich langsam auf den Umzug vor und sortierten ihre Aktenbestände. Was den Archivaren interessant erscheint, wird aufbewahrt. Und soll dann bei Bedarf auch schnell wiedergefunden werden – das funktioniert mit einem einheitlichen Achivierungssystem und per EDV.
Jürgen Wohlenberg hatte sich auf den Tag der Archive besonders sorgfältig vorbereitet. Der Historiker und ehemalige SPD-Stadtvertreter arbeitet ehrenamtlich im Stadtarchiv mit und hat den Förderverein fürs Archiv mitbegründet. Am Sonntag präsentierte er in Vorträgen Beispiele, was sich in den alten Unterlagen finden lässt. Zum Beispiel der „Rathauskrieg“ Ende der 1950-er, bei dem sich SPD-Bürgermeister und CDU-Stadtrat leidenschaftlich bekämpften. Die CDU-Landesregierung schmiss schließlich beide raus, und der CDU-Landesvorsitzende Kai-Uwe von Hassel warf dann auch noch die sechs Elmshorner CDU-Stadtverordneten aus der Partei. Strafanzeige und Prügelei – es war Einiges los in Elmshorn, bis die SPD bei Neuwahlen die absolute Mehrheit zurückgewann.

Die letzte Bekanntmachung der Antifaschisten

„Demokratie kann auch mal schief gehen“, hatte Wohlenberg diesen Teil seines Vortrags genannt. Ein weiteres Thema waren die Arbeiter- und Soldatenräte, die es vor 100 Jahren, zum Ende des Ersten Weltkriegs, auch in Elmshorn gab. Außerdem erinnerte Wohlenberg an die Elmshorner Selbstbefreiung vom NS-Regime am Ende des Zweiten Weltkriegs. Die letzte Bekanntmachung der Antifaschisten, ein wichtiges Zeitdokument, fanden die Archivare sorgfältig gefaltet in einem der 27 Tagebuch-Bände eines Elmshorner Lehrers.

Als „sehr, sehr gut“ bezeichnete Wohlenberg das Echo auf seine Vorträge, in denen er mit einem Film und original Archivalien verdeutlichte, wie Geschichte in Elmshorn aufbewahrt wird.

Insgesamt 50 Zuhörer bei zwei Durchgänge plus einige Interessierte, die sich durch den Keller führen ließen: Diese Resonanz bezeichnete Archivleiter Peter Köhnke als „für den Anfang ok“.

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