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Öffentlicher Nahverkehr : Elmshorner kämpfen für mehr Busse

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Eine Initiative um Sören Vollertsen will den städtischen Verkehr verbessern - und richtet nun konkrete Forderungen an die Kommune.

Elmshorn | Saskia Kobarg ist genervt. Die junge Mutter  ist eigentlich ein regelmäßiger Busfahrgast. Aber mittlerweile ist sie von „ihrer“ Linie, der 6501, so oft an der Haltestelle stehen gelassen worden, dass sie mit ihrem zweijährigen Sohn lieber den halbstündigen Fußweg in die Innenstadt auf sich nimmt.

Fälle wie den von Saskia Kobarg kennt der Elmshorner Sören Vollertsen zur Genüge. Und dann sind da noch die überfüllten Busse und die häufigen Verspätungen – kurzum: Für ihn ist klar, dass sich im Elmshorner Bussystem etwas ändern muss. Deshalb hat er eine Facebook-Gruppe gegründet. Unter dem Namen „Fahrgastinitiative – Wir fordern mehr und größere Busse in Elmshorn“ sucht Vollertsen nach Gleichgesinnten, um Druck auf die Politik auszuüben.

Das Thema scheint viele Menschen zu bewegen. Schon am zweiten Tag hatte die Gruppe 160 Mitglieder, mittlerweile sind es doppelt so viele. Aber für Vollertsen und seine Mitstreiter reicht das nicht aus. „Wir wollen auch die älteren Mitbürger erreichen, die kein Facebook haben. Deshalb wollen wir in den Bussen eine Unterschriften-Aktion starten.“ Um die Situation auf den stark frequentierten Linien 6501 und 6502 zu entspannen, hat die von Vollertsen gegründete Initiative Forderungen aufgestellt.

 „Als erstes wollen wir, dass die beiden Linien zwischen 6 und 18 Uhr nicht mehr nur in einem 30-minütigen sondern in einem 15-minütigen Takt fahren“, erklärt Sören Vollertsen, der an der Wirtschaftsakademie studiert und nebenbei bei einem Caterer in Hamburg arbeitet. Er und seine Mitstreiter haben ein Gespräch mit einem Busfahrer geführt und dabei erfahren, dass die besagten Buslinien fast den ganzen Tag über stark frequentiert seien.

Die zweite Forderung ist die Bereitstellung von größeren und moderneren Bussen. „Wir brauchen dringend mehr Kapazität in den Bussen und größere Stellflächen für Kinderwagen oder Rollatoren“, erklärt Vollertsen. Außerdem gebe es in den Elmshorner Bussen, anders als in Pinneberg oder Hamburg, keine Klimaanlage. „Und 35 Grad sind da für die Konzentration des Busfahrers nicht gerade förderlich.“

Als drittes will die Initiative erreichen, dass die ersten Busse bereits ab fünf Uhr und nicht erst ab sechs Uhr morgens ihre Fahrten beginnen. „Viele Schichten starten bereits um 6 Uhr. Diese Leute müssen zur Arbeit oder zum Bahnhof zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren“, sagt Sören Vollertsen. „So etwas passt nicht zu einer Boomtown im Speckgürtel von Hamburg.“

Aber auch Pendler, die spät mit dem Zug aus Hamburg zurückkehrten, hätten Probleme, nach Hause zu kommen. Womit er bei seiner vierten Forderung wäre: „Es sollte noch ein Bus gegen Mitternacht in Richtung Hainholz fahren.“ Bislang fährt der letzte Bus um 22.57 Uhr. Danach kämen aber noch viele Leute am Bahnhof an, die zum Beispiel in der Gastronomie tätig sind. Vollertsen: „Dann müssen einige Frauen mitten in der Nacht zu Fuß durch den Steindammpark laufen.“

Den Grund für die immer voller werdenden Busse sieht Sören Vollertsen vor allem in der Bevölkerungsentwicklung in Elmshorn. Allein von 2012 bis 2016 ist die Einwohnerzahl um fast vier Prozent gestiegen. „Dazu kommen die vielen Flüchtlinge, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind“, sagt Vollertsen. Abgesehen davon, dass die Busse durch die Überfüllung häufig zu spät kämen oder Fahrgäste an den Haltestellen stehen lassen müssten, würde die Situation auch zu vielen Konflikten unter den Passagieren führen. „Mütter schimpfen über Senioren, Senioren über Rollstuhlfahrer. Und Monatskarten-Inhaber sind sowieso der Meinung, dass sie ein Anrecht auf einen Sitzplatz hätten“, fasst der Elmshorner Kai Göhring zusammen.

Die Mitglieder der Initiative glauben, dass eine bessere Taktung und der Einsatz größerer Busse letztlich ein Null-Summen-Spiel für die Stadt sei – „schließlich würden dann mehr Leute Bus fahren und Tickets kaufen.“

Bürgermeister Volker Hatje kennt das Problem mit den überfüllten Bussen. „Ich begrüße die Initiative, da auch wir das Thema bereits auf dem Schirm haben.“ Bei Problemen bittet er die Bürger um konkrete Zeit- und Ortsangaben. Noch vor den Sommerferien soll es außerdem eine Bürgerbeteiligung  zum Busverkehr geben. „Dann können wir sehen, was realisierbar und finanzierbar ist und was wir in die Ausschreibung im kommenden Jahr mit aufnehmen können.“ 

Etwas kritischer sieht Cliff Lüers, Betriebsleiter des zuständigen Verkehrsbetriebs „Die Linie“ die Möglichkeiten zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) in Elmshorn. Das liegt vor allem an der Finanzierung. „Unter der Voraussetzung, dass es bezahlbar ist, halte ich die häufigere Taktung und den Einsatz von mehr Bussen für durchaus realistisch.“

Grundsätzlich begrüßt er die Initiative, da auf diese Weise die Wünsche der Bürger bei der Ausschreibung für den ÖPNV Anfang 2017 berücksichtigt werden könnten. Deshalb gestattet er der Initiative auch das Sammeln von Unterschriften in den Bussen. Allerdings hänge die erfolgreiche Umsetzung vor allem von der Bereitschaft der Politik, mehr Geld in den Busverkehr zu investieren, ab. Schließlich ist es die Stadt Elmshorn, die „die Linie“ mit der Bereitstellung bestimmter Dienstleistungen und Busse beauftragt. Aufwändiger wäre laut Lüers der Einsatz größerer Busse. „Dafür wären bauliche Veränderungen nötig, denn in Elmshorn gibt es am ZOB und auch an anderen Stellen nicht genügend Wendemöglichkeiten für die größeren, 18 Meter langen Busse.“

Dass Leute häufig nicht im Bus mitgenommen werden können, zeigen die Betriebsberichte laut Lüers nicht. Ein Problem entstehe vor allem dann, wenn mehrere Mütter mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollatoren gleichzeitig in einem der zwölf Meter langen Bus mitfahren wollten. Das ließe sich nicht planen. Die Situation habe sich allerdings verbessert, seit „die Linie“ morgens und mittags einen großen Gelenkbus einsetzt. „Das ist aber nur eingeschränkt möglich, da die Busse einen Umweg fahren müssen, um größere Wendeplätze anfahren zu können.“

Trotz allem – Sören Vollertsen und seine Mitstreiter wollen nicht aufgeben, um möglichst bald eine Verbesserung zu erzielen. „Deshalb werden wir bei der Politik richtig Druck machen.“

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erstellt am 24.Mär.2016 | 10:00 Uhr

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