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Lebensmittel online : Elmshorner Jungunternehmer entwickeln Internetplattform für regionale Lebensmittelhändler

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Unter dem Namen „Reggio“ entwickeln sie derzeit mit ihrer IT-Firma FESforward eine Internetplattform, über die regionale Lebensmittelhändler ihre Produkte unkompliziert vertreiben können.

Elmshorn | Der amerikanische Handelsriese Amazon macht es und auch die Lebensmittelkette Rewe ist bereits eingestiegen: Lieferdienste und Online-Handel mit frischen Lebensmitteln gilt als Trend der Zukunft. In Zukunft kauft Otto Normalverbraucher seine Tomaten, sein Waschpulver oder seine Nudeln nicht mehr nur im Supermarkt, sondern bestellt seinen Einkauf bei Bedarf im Internet und lässt ihn sich nach Hause liefern.

Dass sich das Einkaufsverhalten dahin entwickeln wird, davon sind auch David Scharfschwerdt und Christoph Schönfelder überzeugt. Und genau darauf beruht auch die Geschäftsidee der beiden jungen Elmshorner. Unter dem Namen „Reggio“ entwickeln sie derzeit mit ihrer IT-Firma FESforward eine Internetplattform, über die regionale Lebensmittelhändler ihre Produkte unkompliziert vertreiben können.

Der Unterschied zu Rewe, Amazon und Co.: Statt Ballungsgebiete von zentralen Großlagern aus versorgen, sollen einzelne Händler in die Lage versetzt werden, ohne viel Aufwand ihre Produkte in der Region online zu vermarkten. „Reggio“ ist eine Plattform, auf der sich die Kunden über ihre Postleitzahl zu ihrem örtlichen Supermarkt oder Hofladen durchklicken können.

Dort scrollen sie sich dann durch das Sortiment – und kaufen mit Hilfe eines digitalen Warenkorbs ein. Im Supermarkt oder Laden werden die Produkte daraufhin automatisch aus dem Warenwirtschaftssystem ausgebucht, von einem Mitarbeiter zusammengestellt und entweder im zuvor vom Kunden ausgewählten Zeitraum geliefert oder vom Kunden im Markt abgeholt. Wieviel eine Lieferung den Kunden kostet, entscheiden die Märkte individuell. FESforward verdient über eine prozentuale Umsatzbeteiligung – David Scharfschwerdt und Christoph Schönfelder verdienen also erst dann, wenn der Online-Shop tatsächlich Umsatz generiert.

Entstanden ist die Idee vor etwa einem Jahr, als ein Supermarkt einen eigenen Onlineshop bei der Firma FESforward in Auftrag geben wollte. „Wir haben schnell festgestellt, dass dieses Vorhaben viel zu teuer für den Kunden war“, erinnert sich Geschäftsführer David Scharfschwerdt. „Daraus ist die Idee entstanden, Einzelhändler mit einem Online-Verkaufsservice zu unterstützen. Das Ganze ist einfach für die Händler – und die aufwendige Betreuung des Online-Angebots und hohen Anfangsinvestitionen entfallen.“

20 Händler, vom kleinen Hofladen bis zum Markt innerhalb einer großen Supermarktkette, hat Scharfschwerdt schon von „Reggio“ überzeugen können. Händler aus der Region Hamburg/Schleswig-Holstein sind dabei. Diese Händler bieten ab Herbst ihre Produkte auf der Plattform des Elmshorner Startups an. „Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten“, erklärt Marketing-Experte Christoph Schönfelder. „Viele sind der Ansicht, der Onlinemarkt werde ihr Geschäft niemals bedrohen. Zum Glück gibt es ein paar Visionäre, die erkannt haben, dass sie mit einem Lieferservice ihren Kunden einen zusätzlichen Service bieten – und dadurch in der Lage sind, sie auch in Zukunft zu halten.“

Und welche Kunden sind es nun, die Lebensmittel im Internet bestellen? Für Christoph Schönfelder sind das nicht „die Leute, die auf den letzten Pfennig gucken“, sondern eher Besserverdiener mit wenig Zeit, oder auch Senioren.

„Das Gute ist, dass unser Konzept überall funktioniert, also auch in ländlicheren Gebieten, in die die großen Anbieter wie Rewe oder Amazon mit ihrem Onlineversand nicht so schnell vorstoßen werden“, erklärt Schönfelder. Außerdem ermögliche es das Konzept, über die Standartprodukte hinaus auch regionale Produkte anzubieten – ein Thema, das auf dem Lebensmittelmarkt eine immer größere Rolle spiele. „Wir fangen klein an, aber wenn es gut läuft, können wir „Reggio“ auch auf andere Produkte und andere Regionen problemlos übertragen.“

Das Potenzial ist groß: Im Lebensmitteleinzelhandel werden jährlich bundesweit 195 Milliarden Euro umgesetzt. Schönfelder: „Davon wird bislang ein Prozent über das Internet eingenommen.“ Seit Anfang des Jahres wird „Reggio“ auch von offizieller Seite unterstützt. „Wir werden durch das Land Schleswig-Holstein und die EU gefördert“, berichtet Christoph Schönfelder. Genauer gesagt geht es dabei um die Förderung von innovativen Ernährungskonzepten. Für eine Firma, die gerade drei Jahre alt ist und acht Mitarbeiter beschäftigt, sei das schon etwas Besonderes, findet Schönfelder.

Und, wie nervös sind die beiden kurz vor dem Start von „Reggio“? „Dieses Projekt ist natürlich sehr ambitioniert“, sagt Scharfschwerdt. „Aber es ist auch super innovativ und bietet extrem viele Möglichkeiten. Wir freuen uns darauf, dass es losgeht. Und dann müssen wir schauen, wie weit wir damit kommen.“

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erstellt am 27.Jul.2017 | 12:00 Uhr

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