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Elmshorner Nachrichten

25. September 2017 | 21:03 Uhr

Elmshorner gibt Hamburg-Tipps

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Taxifahrer Tull Hansen ist Mitglied der „Weg-Begleiter“-Jury / Heft enthält 211 Ratschläge für Gäste der Hansestadt

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2014 | 16:00 Uhr

In dieser Rubrik stellen wir Menschen vor, die in der Region Elmshorn leben und/oder hier berufstätig sind. Sie erlauben Einblicke in ihr Leben und sind unsere „Menschen am Montag“.

Sie bezeichnen sich selbst als die härteste Jury Hamburgs. Denn wenn es um die Hansestadt geht, sind die Taxifahrer von Hansa-Taxi absolute Experten. Einer von ihnen: Der Elmshorner Tull Hansen mit seinem Wagen 600.

Seit 1978 fährt er mit seinem Taxi durch Hamburg. „Das ist meine große Leidenschaft“, erzählt er. Und seine besten Tipps gibt es nun in einem praktischen Heft, dem „Weg-Begleiter“, des Taxiunternehmens zu lesen. 211 Ratschläge der Hansa-Taxifahrer wurden dort zusammengestellt, von Stadtrundfahrten über Genießer-Tipps bis hin zu Einkaufsmöglichkeiten ist dort einiges zu entdecken. „Das sind echte Geheimtipps für Hamburg“, sagt Hansen, der für die mittlerweile zweite Ausgabe des Heftes fünf Ratschläge beisteuerte.

Und so will Hansen gleich drei türkischen Gaststätten zu etwas Ruhm verhelfen. „Ich esse zwar kaum noch Fleisch, aber gute türkische Küche kennt auch eine tolle vegetarische Kultur“, schwärmt der Taxifahrer. Manchesmal sitze er denn auch nachts im „Öz Antep“, mitten auf dem Kiez. „Da kommen nachts, vor allem wochenends, die schrägsten Typen“, sagt Hansen, „die Mischung ist einfach richtig toll.“ Auch zwei andere türkische Gaststätten empfiehlt er – denn wenn man einen Döner will, dann darf es doch bitte auch der beste sein, den es in der ganzen Stadt gibt.

Dass er einmal zu einem solchen Hamburg-Experten werden könnte, hätte Tull Hansen früher nicht gedacht. „Eigentlich hatte ich soziale Arbeit studiert“, erklärt er, und außerdem eine Lehre zum Fernmeldetechniker absolviert. „Während des Studiums hatte ich einen Bekannten, der sich mit Taxifahren etwas Geld verdient hat“, so Hansen, der sich unter anderem für die flexiblen Arbeitszeiten begeistern konnte. „Man konnte Geld verdienen, dann verreisen und später wieder anfangen zu arbeiten – das war ideal“, sagt der passionierte Taxifahrer, „da fühlte man sich so richtig frei.“ Als Jahre später seine beiden Söhne zur Welt kamen, war es vorbei mit dem Reisen und der ganz großen Freiheit – doch das Taxifahren als Hauptberuf, das blieb.

Und vor allem blieb es in Wagen 600 immer spannend. „Ich fahre so viele verschiedene Menschen“, sagt Hansen, „Touristen, Prostituierte, aber auch Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben, und noch etwas sehen wollen“, erzählt der Elmshorner. Spezialisiert hat er sich übrigens auf Richter, die er zu Ortsterminen fährt. „Es ist wie ein großes Gesellschaftsspiel, ich genieße das richtig. Man lernt die Leute und ihre Geschichten kennen, manchmal knallharte Schicksale, manchmal nette Erinnerungen“, findet Hansen. Als er die Macher des neuen Polizeimuseums chauffierte, war er von der Idee der Ausstellung so begeistert, dass Hansen das Museum flugs in den Ratgeber aufnehmen ließ.

Für Taxi-Fahrer besonders wichtig: Ein gutes Radioprogramm. „Alle Taxifahrer haben viel Zeit, Radio zu hören“, sagt Hansen. Er selbst sei ein Fan von Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk – und dem Hamburger Sender „917XFM“, der eine „gute Mischung aus Musik und Beiträgen über die Musik spielt“. Auch dieser Ratschlag ist im Weg-Begleiter enthalten.

„Ich möchte den Leuten Tipps geben, dass sie sagen können: Ich habe an Hamburg geschnuppert“, sagt Hansen. Das macht er beim Taxifahren gerne gratis. Wer sich auch nach der Fahrt im Wagen 600 über die Hansestadt informieren will, dem empfiehlt Tull Hansen den Weg-Begleiter, den er und seine Kollegen für 2,11 Euro – ein Cent pro Tipp – verkaufen. Als Erinnerung an die Fahrt mit Tull Hansen finden die Fahrgäste auch ein kleines Porträtfoto des Elmshorners – natürlich direkt neben dem Tipp fürs „Öz Antep“.

Übrigens lernt auch so ein erfahrener Taxifahrer wie Tull Hansen nicht aus. Im Weg-Begleiter fand er, es war ein Tipp eines Kollegens, das Falkensteiner Elbufer – und dort eine Gaststätte, die im Volksmund als „Bulle“ bekannt ist. „Selbst bei niedrigsten Temperaturen sitzen dort Menschen, dick in Wolldecken eingehüllt, trinken Pharisäer und gucken den großen Schiffen beim Vorbeifahren zu. Einfach toll“, findet Hansen.

Den Weg-Begleiter gibt es in jedem Hansa-Taxi sowie im Internet auf einer eigens eingerichteten Website.

>http://www.der-weg-begleiter.de

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