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Namibia : Elmshorner fährt 2500 Kilometer auf dem Fahrrad durch die Wüste

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Schier endlose Pisten, meist Kies oder Sand und eine enorme Hitze – der Elmshorner Henning Mohr fuhr rund 2500 Kilometer durch Namibia. Zweieinhalb Monate war er unterwegs.

Elmshorn/Namibia | Handtellergroße Skorpione am Zelt. Manchmal auch Giftschlangen. Sowie ständige Vorsicht vor Hyänen. Dazu Sand, viel Sand und mörderische Hitze. Mit Urlaub hat das, was der Elmshorner Henning Mohr (49) hinter sich gebracht hat, nichts zu tun. 2500 Kilometer ist er mit dem Fahrrad durch Namibia gefahren. Allein. Es sollte allerdings auch kein Urlaub im klassischen Sinne sein. Mohr wollte nach dem Tod seiner Mutter mit sich selbst ins Reine kommen. Und er wollte Spenden für das Elmshorner Hospiz sammeln, in dem seine Mutter während der letzten Tage vor ihrem Tod gepflegt wurde.

Henning Mohr hat die Strapazen unbeschadet überstanden. „Es war manchmal echt hart“, berichtet er. Denn die Pisten in dem afrikanischen Land waren weitaus schlechter als erwartet. „Es gab kaum Asphalt, meist bin ich über Kies und Sand gefahren.“

Ursprünglich hatte Mohr gemeinsam mit seiner Mutter, die wie er reisefreudig und sportbegeistert war, eine Reise nach Afrika machen wollen, wenn auch nicht per Fahrrad. Doch der Tod seiner Mutter machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Mohr musste allein nach Afrika. Im Hospiz war seine Mutter bestens betreut worden. Deshalb nutzte er die Reise, um auf das Hospiz aufmerksam zu machen. „In meinem Herzen wird meine Mutter die Reise mitmachen“, hatte er vor der Fahrt gesagt.

Auch wilde Tiere wie diesen Leoparden bekam Mohr auf seiner Tour vor die Kamera.
Auch wilde Tiere wie diesen Leoparden bekam Mohr auf seiner Tour vor die Kamera. Foto: Mohr
 

In Afrika einen Urlaub zu verbringen und allein über schlimme Pisten zu radeln, sind eigentlich Zweierlei. Doch der Triathlet Henning Mohr hat Erfahrung mit derartigen Abenteuern. Unter anderem ist er per Rad rund 5000 Kilometer zum Nordkap gefahren sowie 5500 durch die australische Wüste.

Deshalb nahm er die täglichen Gefahren in Namibia eher gelassen. „Das Zelt blieb immer zu. Davor habe ich eine weiße Plane gelegt, damit man sehen konnte, was da drauf krabbelte.“ Hyänen, so wurde er von Farmern gewarnt, würden sogar ins Zelt kommen, wenn dort Essen aufbewahrt werde. „Ich habe mir deshalb einen Knüppel vors Zelt gelegt“, so Mohr.

Essen am Lagerfeuer: Meist gab es Müsli oder Nudelgerichte.
Essen am Lagerfeuer: Meist gab es Müsli oder Nudelgerichte. Foto: Mohr
 

Doch die Hyänen ließen ihn in Ruhe. Ebenso wie Leoparden oder Geparden, die er beobachten konnte. „Ich passe nicht in ihr Beuteschema“, meint er. Geparden, Leoparden und Hyänen waren beileibe nicht die einzigen Tiere, die er in Namibia zu Gesicht bekam: Affen, Schakale, Giraffen, Warzenschweine, Zebras und Gnus, um nur einige zu nennen. „Das ist schon faszinierend.“

Weniger faszinierend waren dagegen die Pisten, auf denen sich der Elmshorner Radler vorankämpfen musste. „Das ging oft nur im Schneckentempo, höchstens acht bis zehn Kilometer pro Stunde.“ Insgesamt hatte Mohr 50 bis 60 Kilogramm Gepäck auf seinem Fahrrad und dem Anhänger. Je nachdem, wie voll die Wasserflaschen waren. Und Namibia ist nicht flach. Es musste sogar ein Pass von rund 2500 Meter Höhe überwunden werden. Die Temperaturen waren auch nicht gerade dazu angetan, die Reise zum Genuss zu machen: Manchmal 50 bis 60 Grad am Tag, während einiger Nächte dagegen nur acht bis neun Grad.

Radfahrer traf er keine auf seiner Tour. Manchmal kamen Menschen in ihren Autos vorbei. Die staunten über den Radler. Vielfach wurde der Elmshorner deshalb zum Fotomotiv. Mit einigen der Autofahrer kam er ins Gespräch. Manche gaben ihm Essen oder ein kalte Cola. „Ein Traum.“

Doch meistens traf er niemanden. „Man weiß, dass man auf sich allein gestellt ist. Darauf muss man sich mit einstellen. Man muss alles auf sich zukommen lassen und darf nicht waghalsig werden“, so sein Rezept für die Tour.

Eine „wahnsinnig tolle Begegnung“: Henning Mohr besuchte bei seiner Tour auch ein Dorf, in dem Buschmänner leben.
Eine „wahnsinnig tolle Begegnung“: Henning Mohr besuchte bei seiner Tour auch ein Dorf, in dem Buschmänner leben. Foto: Mohr

Denn es gab außer den Strapazen auch unvergessliche Erlebnisse. So war Mohr in einem kleinen Dorf, in dem Buschmänner, San, lebten, die noch mit Pfeil und Bogen jagten. Für die war ein Radfahrer etwas völlig Ausgefallenes. „Das war eine wahnsinnig tolle Begegnung“, schwärmt Mohr. Ohne Pannen ging die Tour natürlich nicht vonstatten. Neun Mal musste der Elmshorner einen Plattfuß an seinem Fahrrad reparieren, einmal war ein Mantel kaputt, einmal musste die Kette gewechselt werden.

Einmal wurde Mohr auch krank, bekam Fieber und Magenprobleme. „Das hat Zeit gekostet“, sagt er. Ursprünglich wollte er rund 5000 Kilometer fahren. Doch Krankheit und üble Pistenverhältnisse sorgten dafür, dass es nur etwas mehr als die Hälfte wurde. „Ich wollte mir aber auch Zeit lassen, Ruhe finden.“

Während er die Fahrradpannen schnell im Griff hatte, machte Mohr ein anderer Zwischenfall mehr zu schaffen: Sein Solarladegerät für Navigationsgerät und Handy wurde beschädigt. „Das war ein kleiner, mieser Affe“, schimpft er noch heute. Von da an konnte er seine Geräte nur noch unter Schwierigkeiten aufladen. Mehrmals änderte der Elmshorner auch seine geplante Route. „Wenn mir gesagt wurde, das ist zu gefährlich, dort gibt es oft Überfälle oder da sind kürzlich Löwen gesehen worden.“

Ab und an konnte er sich auf einer Farm oder in einem kleinen Gasthaus duschen. Da gab’s dann auch mal Fleisch oder Süßigkeiten. „Einmal war ich so ausgehungert, da habe ich in einem Hotel ein komplettes Menü gleich zweimal bestellt“, berichtet er. Unterwegs war der Speiseplan nämlich eher karg: Müsli und Nudelgerichte. „Die längste Zeit ohne sich duschen zu können, dauerte acht Tage. Den Staub habe ich gar nicht mehr als Dreck empfunden. Der war halt immer da“, erzählt er. Trotz aller Widrigkeiten: „Den Gedanken aufzugeben gab es nie. Ich habe mich auch nie einsam gefühlt“, sagt er.

Eines von Henning Mohrs Zielen war, den Tod seiner Mutter zu verarbeiten. „Das war sehr emotional“, sagt er. Die Ruhe in der Wüste sei wichtig gewesen. „Ich habe es genossen, mit mir selbst im Reinen zu sein.“ Nicht zuletzt deshalb würde er eine solche Tour „sofort noch mal machen“.

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erstellt am 06.Okt.2015 | 16:00 Uhr

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