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Warnhinweis auf Lichtermarkt-Herzen : Elmshorn: Wurden schädliche Lebkuchen an Kinder verschenkt?

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

„Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ - steht auf den Herzen. Die Sprecherin des Stadtmarketing sieht kein Problem.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 14:21 Uhr

Elmshorn | Benjamin Andresen ist fassungslos. Auf der Rückseite eines der Lebkuchenherzen, die bei der Eröffnung des Lichtermarkts verteilt wurden, hat er einen Warnhinweis entdeckt. Dort heißt es zu den enthaltenen Farbstoffen Chinolingelb und Cochenillerot A: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“

Es ist mittlerweile Tradition, dass das Stadtmarketing bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes 300 Lebkuchenherzen verteilt. Die vier- und siebenjährigen Kinder von Benjamin Andresen haben sich auch „riesig“ über die Süßigkeit gefreut, wie der Elmshorner erzählt. Am Wochenende wollten die Kleinen vom Lichtermarkt-Herz probieren – allerdings mit bösem Erwachen für die Eltern, als diese den Hinweis entdeckten: „Wir sind aus allen Wolken gefallen. So etwas kann man doch nicht an Kinder verteilen. Das Stadtmarketing sollte auf unbedenklichere Süßigkeiten umsteigen.“

Der Grund für den Warnhinweis: 2007 hat eine Studie aus dem Fachmagazin „Lancet“ ergeben, dass Azofarbstoffe Hyperaktivität bei Kindern begünstigen können. Darüber hinaus stehen sie im Verdacht, Allergien auszulösen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stellt die Aussagekraft der Untersuchung zwar in Frage, hat aber dennoch 2010 verfügt, dass Farbstoffe wie Cochenillerot und das in den USA verbotene Chinolingelb mit einem Warnhinweis gekennzeichnet werden müssen. Zudem verschärfte die Behörde 2013 für beide Stoffe die erlaubten Höchstmengen.

Manuela Kase vom Stadtmarketing sieht darin kein Problem. Sie erklärt, man beziehe die Lebkuchenherzen über die renommierte Firma Bäcker Süßwaren in Uelzen und es handele sich um qualitativ hochwertige Produkte. Selbstverständlich seien alle Zutaten, die verwendet werden, zugelassen – „sonst dürften die Herzen ja nicht verkauft werden.“

Auch Heike Vogel von der Verbraucherzentrale Norderstedt geht davon aus, dass „in einem Lebkuchenherz die erlaubten Höchstmengen nicht erreicht werden.“ Die Farbstoffe seien aber kritisch zu sehen und sollten verboten werden. Vogel freut sich deshalb über den Hinweis des EN-Lesers. „So werden die Leute auf diese schädlichen Farbstoffe aufmerksam und die Hersteller wechseln früher oder später zu unschädlichen Alternativen.“ Wer in der Adventszeit Freude schenken will, solle lieber zu selbst gebackenen Keksen greifen – „damit der Schuss nicht nach hinten losgeht“.

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