Mit interaktiver Karte : Elmshorn: Wo Krähen keine Chance mehr haben

Aus dem Korb eines Hubsteigers heraus holt Kai Nawo die Krähennester aus den Bäumen.
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Aus dem Korb eines Hubsteigers heraus holt Kai Nawo die Krähennester aus den Bäumen.

Die Stadt lässt die Nester an den Orten in der Stadt entfernen, an denen die Vögel die Bürger besonders stören.

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17. Januar 2018, 16:00 Uhr

Elmshorn | Der Job von Kai Nawo ist eine wackelige Angelegenheit. In über 22 Metern Höhe steht der Baumpfleger in dem kleinen Korb eines Hubsteigers mitten in der Krone einer großen Linde und stochert mit der Spitze seiner Teleskopstangen-Säge in einem Krähen-Nest herum. „Ich muss sicherstellen, dass das Nest wirklich leer ist“, erklärt Nawo. „Erst dann kann ich es entfernen.“

Es ist bereits das 15. Krähennest, das Nawo heute für seinen Arbeitgeber, die Firma Elbe Gartenbau aus Seester, und im Auftrag der Stadt Elmshorn entfernt. Allein hier, in der Allee an der Bismarckstraße, befinden sich rund 60 Krähen-Nester in den Bäumen rund um die Schule. Während Kai Nawo arbeitet, winken ihm Schüler aus den Klassenzimmern in den höheren Stockwerken der Bismarckschule begeistert zu. Auf der anderen Seite kann er bis zum Wasserturm und darüber hinaus sehen.

Artenschutz bedenken

Die Stadt lässt die Nester an den Standorten in der Stadt entfernen, wo Menschen sich von den Schreien und dem Kot der Krähen besonders belästigt fühlen. „Wir haben dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Standorte gemeldet, die uns von Bürgern genannt wurden“, erklärt Jörg Schmidt-Hilger vom Amt für Stadtentwicklung. Insgesamt habe das Landesamt sieben Standorte genehmigt. Darunter befinden sich Wohngebiete, Schulen, Kindergärten, Spielplätze und der Holstenplatz als „Entrée in die Stadt“. Abgelehnt wurde dagegen der Friedhof an der Ost-West-Brücke. „Dort brüten die Krähen nicht oberhalb der Gräberfelder. Sollte sich das ändern, verhandeln wir noch einmal neu“, sagt Schmidt-Hilger. Letztlich müsse aber auch dem Artenschutz Rechnung getragen werden. „Würden wir die Krähen überall vergrämen, käme das ja einer Tötung gleich.“

 

Das Entfernen der Nester ist nicht besonders anstrengend, erzählt Baumpfleger Nawo. „Ich habe in Ahrensburg schon Taubennester aus den Bäumen geholt, die saßen richtig fest. Diese hier liegen eher auf den Astgabeln auf.“ Das Nest vor ihm ähnelt mehr einem Reisighaufen als den filigranen Gebilden, die man von Meisen oder Amseln kennt. Ein paar baumfreundliche Stupser mit der Säge reichen aus, dann fallen Ästchen und Moos auseinander und stürzen in die Tiefe.

Drei Mal wird entfernt

In den vergangenen Jahren hat die Stadt die Nester immer einmalig Mitte März vom Bauhof entfernen lassen. „Jetzt haben wir uns aber von Experten beraten lassen“, sagt Schmidt-Hilger. „Offenbar ist es effektiver, die Nester mehrmals zu entfernen.“ Deshalb hat die Stadt erstmals ein externes Unternehmen beauftragt, das die Nester an allen sieben Standorten insgesamt drei Mal entfernt: Mitte Januar, Mitte Februar und Mitte März. Erfahrungsgemäß beginnen die ersten Krähen Mitte Februar mit dem Nestbau. Krähen sind Koloniebrüter. Sie bauen ihre Nester dort, wo andere Krähen zuvor schon gebrütet haben. Diesen Anreiz wollen die Elmshorner den Tieren nehmen, indem die Nester an besonders neuralgischen Punkten entfernt werden. Sobald die Vögel Eier gelegt haben, dürfen die Nester nicht mehr entfernt werden. Die Hoffnung: Die Krähen brüten eher dort, wo sie alte Nester vorfinden und von den Menschen in Ruhe gelassen werden.

Enrico Schubert, Geschäftsführer der Firma Elbe Gartenbau, wird mit seinen Kollegen noch die ganze Woche in Elmshorn unterwegs sein. Bis jetzt sind die Rückmeldungen von Passanten sehr positiv, sagt Schubert. „Die Menschen sind dankbar für unsere Arbeit.“ Sein Mitarbeiter Kai Nawo ist fertig mit dem Nest und fährt den Hubsteiger nach unten. Jetzt werden die Nistmaterialien weggeräumt, dann kommt der nächste Baum dran. 

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