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Elmshorner Nachrichten

20. August 2017 | 10:25 Uhr

A20-Tunnel : Elmshorn wird weniger belastet

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Baustellenverkehr gefährdet Gesundheit. Fährbetreiber und Kollmar klagen gegen Tunnelbau bei Glückstadt.

Elmshorn | Das ist eine gute Nachricht für viele Elmshorner und auch Bewohner einiger Umlandgemeinden. Der Baustellenverkehr bei der geplanten Verwirklichung eines neuen Elbtunnels im Verlauf der Autobahn 20 darf nicht mehr in dem Umfang wie ursprünglich vorgesehen durch Elmshorn geführt werden. Der Abtransport des Tunnelaushubs durch die Gemeinden und Elmshorn sei wegen akuter Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung unzumutbar.

Die Stadt Elmshorn hatte beim Planfeststellungsverfahren Anfang 2013 gegen das Vorhaben Einspruch erhoben und sich gegen den geplanten Baustellenverkehr gewehrt. Er sah in den Ein- und Ausfallschneisen der Bundesstraße 431 (Wittenberger Straße einerseits, Sandberg / Gerberstraße andererseits) eine Belastung von etwa 45 Baufahrzeugen pro Stunde vor. Das hätte Lastzüge im Minutentakt bedeutet – etwa zwei Jahre lang.

Der nun vorliegende Planfeststellungsbeschluss enthält grundsätzliche Nebenbestimmungen, ohne deren Berücksichtigung er nicht umgesetzt werden darf. Eine der Nebenbestimmungen ist aufgrund der Einwendung der Stadt Elmshorn aufgenommen worden und lautet wörtlich: „Der Baustellenverkehr des Elbtunnels im Zuge der A20 ist unter Vermeidung unzumutbarer, insbesondere gesundheitlicher Beeinträchtigungen abzuwickeln. Der Abtransport der aus dem Tunnelbau anfallenden Bodenmassen ausschließlich über das qualifizierte Straßennetz, wie in Anlage 11.5 beschrieben (Anmerkung der Redaktion: also durch das Elmshorner Stadtgebiet), wird untersagt.“

Die Konsequenz ist: Beim Bau des Tunnels müssen andere Verkehrsträger wie zum Beispiel Schuten oder die Baustellentrasse der A20 selbst (bis zur A23) mit einbezogen werden, um das Vorhaben verwirklichen zu können. Die geplante Führung des Baustellenverkehrs durch Elmshorn ist also nicht in dem Maße möglich wie ursprünglich vorgesehen.

Wie berichtet, hatte der Landesbetrieb Straßenbau- und Verkehr Schleswig-Holstein als zuständige Planfeststellungsbehörde den Planfeststellungsbeschluss zum Bau der Autobahn 20 für den Abschnitt zwischen der Landesgrenze Niedersachsen bis zur Bundesstraße 431 gefasst. Der Plan liegt zur Einsichtnahme für die Betroffenen und die Öffentlichkeit noch bis 16. März im Rathaus Elmshorn aus.

Das Problem des Baustellenverkehrs wird auch in Neuendorf diskutiert. Eine Forderung lautet, dass zuerst – wie ursprünglich geplant – eine Trasse von der Baustelle zur jetzigen A23 gebaut werden müsse. Das sieht auch Bürgermeister Hans-Peter Saß-Thormählen so: „Es muss eine andere Trasse genommen werden.“ Der Baustellenverkehr dürfe nicht durch Neuendorf gehen. Die Gemeinde fordert, dass für jedes Neuendorfer Haus, das an der B431 liegt, vorher ein Schadensgutachten erstellt wird. „Doch das wird kategorisch abgelehnt.“ Deshalb behalte sich die Gemeinde den Weg einer Klage vor.

Streit um die Tunnelsicherheit

„Wir klagen“, sagt Kollmars Bürgermeister Dr. Klaus Kruse. Der Baustellenverkehr ist für die Gemeinde allerdings nur ein Aspekt unter mehreren. Viel wichtiger ist für Kollmar die Forderung, dass die örtliche Wehr zuständig sein soll für den Elbtunnel, wenn dieser fertig gebaut ist. „Bei 200 bis 300 Einsätzen im Jahr ist dies für unsere Freiwillige Feuerwehr nicht leistbar“, sagt Dr. Kruse. Die Tunnelsicherheit müsse durch eine Berufsfeuerwehr sichergestellt werden. Doch das Land, das den Tunnel plant, berufe sich auf das Landesbrandschutzgesetz. Nach Rücksprache mit dem Rechtsanwalt der Gemeinde, Dr. Wilhelm Mecklenburg, will Dr. Kruse zum jetzigen Zeitpunkt nicht über die weiteren Punkte sprechen, die Gegenstand der Klage sein werden.

Hildegard Both-Walberg, Geschäftsführerin der Elbfähre, sagt klar: „Wir arbeiten an der Klage.“ Auch ihr Unternehmen wird durch Rechtsanwalt Mecklenburg vertreten. „Wir müssen klagen“, sagt Hildegard Both-Walberg. „Das sind wir unseren 50 Mitarbeitern schuldig.“ Werde der Elbtunnel bei Glückstadt gebaut, „dann gibt es uns nicht mehr“. Die Geschäftsführerin ist überzeugt davon, dass eine östliche Querung bei Hamburg sehr viel sinnvoller sei als ein Elbtunnel bei Glückstadt.

Naturschützerin Dr. Sybille Petersen aus Glückstadt sieht den Baustellenverkehr sehr kritisch. Sie hat den Planfeststellungsbeschluss eingesehen. „Darin erklärt die zuständige Behörde, dass der Abtransport des Tunnelaushubs durch die Gemeinden wegen akuter Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung unzumutbar ist und nicht wie vom Vorhabensträger geplant durchgeführt werden kann. Was aber misstrauisch stimmen muss, ist die Tatsache, dass keine konkreten, wirklich umsetzbaren Vorschläge gemacht werden, wie der Abtransport zu bewältigen ist“, sagt Petersen. Darüber solle erst im Vergabeverfahren entschieden werden. „Es ist zu befürchten, dass vorgegangen wird wie ursprünglich geplant, falls sich keine praktikable Lösung findet“, so die Naturschützerin.

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erstellt am 07.Mär.2015 | 10:00 Uhr

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