Nach zehn Jahren : Elmshorn untersagt Trauungen im Wasserturm

Eine Überprüfung  hatte ergeben, dass der Aufgang zur Turmspitze nicht länger den Sicherheitsanforderungen entspricht. Die Treppen sind zu steil und zu schmal. Zudem  gibt es im Brandfall  keinen  zweiten Fluchtweg.

Eine Überprüfung  hatte ergeben, dass der Aufgang zur Turmspitze nicht länger den Sicherheitsanforderungen entspricht.

Die Stadt untersagt aus Sicherheitsgründen weitere Trauungen. Begründung: Fluchtweg fehlt, Treppen zu steil und schmal.

shz.de von
27. Juni 2018, 14:00 Uhr

Elmshorn | Jan und Marina Heinitz wollen am Samstag heiraten – ganz oben, unter der Kuppel des Elmshorner Wasserturms. Eine ganz besondere Location als Außenstelle des Standesamts. 45 Meter ragt das Kulturdenkmal, das Elmshorner Wahrzeichen in die Höhe. Doch aus der Turmhochzeit wird nichts. Nur wenige Tage vor ihrem lang geplanten Ja-Wort hat die Stadt Elmshorn weitere Trauungen im Wasserturm untersagt. „Aus Sicherheitsgründen“, wie Stadtrat Dirk Moritz gestern erklärte. Im Brandfall gebe es keinen zweiten Rettungsweg. Bei einem Feuer seien Personen im oberen Teil des Wasserturmes „gefangen und können sich nicht über einen weiteren Ausgang in Sicherheit bringen“. Zudem seien die Treppen, die bis ganz hinauf in den Turm führten, zu steil und zu schmal. „Das ist zu gefährlich, für die Mitarbeiter des Standesamts und auch für die Hochzeitsgäste“, betonte Moritz.

Sicherheit geht vor

Klare Kante: Er lasse da oben niemanden mehr rauf. „Die Sicherheit von Leib und Leben geht in diesem Falle vor“, erklärte der Stadtrat. Keine Trauungen mehr in ihrem Hochzeitszimmer unter dem Wasserturmdach: Die Besitzer Ilse und Ludwig Klein fielen aus allen Wolken, als sie der Anruf der Stadt am 19. Juni erreichte. „Das war schon ein Schock“, sagt der 63-Jährige. „Mir tut es für alle Brautpaare leid, die bei uns heiraten wollten.“ Insgesamt vier Trauungen standen für die kommenden Wochen an.

Steil und schmal: Auf dem Weg nach oben müssen vier Treppen – Baujahr 1902 – überwunden werden.
Christian Brameshuber
Steil und schmal: Auf dem Weg nach oben müssen vier Treppen – Baujahr 1902 – überwunden werden.
 

2008 war das Standesamt an die Kleins mit dem Wunsch herangetreten, dort Trauungen anzubieten. „57 Hochzeitsgesellschaften haben in den vergangenen zehn Jahren in unserem Trauzimmer geheiratet“, sagt Ludwig Klein. Nie sei etwas passiert. Das Aus kam für ihn jetzt völlig überraschend. Die vier steilen Treppen, Baujahr 1902, habe es auch in den vergangenen zehn Jahren gegeben. Ein zweiter Fluchtweg fehlte bisher ebenfalls. „Warum jetzt?“, fragt sich der Wasserturmchef. Laut Moritz ist die Stadt aktuellen Hinweisen nachgegangen und hat die Situation vor Ort noch einmal überprüft. Das Ergebnis führte zur sofortigen Schließung des Trauzimmers. Unter anderem wurde in den Bauakten festgestellt, dass es gar keinen Antrag auf Nutzung des Turms als Trauzimmer gegeben hat. „Aber das hätten wir regeln können“, betont Klein.

Warum wurde der Turm überhaupt zugelassen?

Was sich wohl nicht nur Klein fragt: Warum hatte die Stadt Elmshorn 2008 den Wasserturm unter den gegebenen Umständen überhaupt als Hochzeitsort vorgeschlagen und zugelassen? „Damals gab es ja schon Führungen im Turm“, merkt Moritz vorsichtig an. Abschließend beantworten kann er die Fragen aber auch nicht. Damals war er noch nicht im Rathaus tätig.

Ludwig Klein
Wasserturm-Besitzer
Christian Brameshuber

Wasserturm-Besitzer Ludwig Klein.

 

„Führungen wird es in Zukunft dann auch nicht mehr geben“, sagt Klein. Was bleibt ist die Kerzenzieherei, der Verkaufsladen und das Bistro. Der Elmshorner Wasserturm: 2002 hatten die Kleins den 1902 erbauten Turm gekauft und zirka 300 000 Euro in das Bauwerk gesteckt. Seit 2005 war der Turm für die Öffentlichkeit wieder zugänglich. Der Plan, einen zweiten Turm als Rettungsweg anzubauen, konnte nicht umgesetzt werden. Steht der Turm vor der Schließung? „Nein“, betont der Eigentümer.„ Solange wir es können, werden wir hier weitermachen.“

Und plötzlich ist dein Trauzimmer gesperrt: Für Jan und Marina Heinitz hat das Standesamt eine Lösung in Elmshorn gefunden, wird laut Moritz aufgrund der Unannehmlichkeiten auch ein paar Extras spendieren. „Auch für die anderen Hochzeitspaare suchen wir nach Ausweichtrauorten“, erklärt der Stadtrat.

Mehr als 160 Stufen führen hinauf in den Turm, 121 sind steil und schmal. Man muss aufpassen. Langsam gehen. Am 30. Mai war eine Hochzeitsgesellschaft ganz oben. Es war die letzte. Elmshorn hat einen ganz besonderen Trauort verloren.

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