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Panik-Rufe sollen Krähen vertreiben : Elmshorn startet landesweites Pilotprojekt

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Mit aufgezeichneten Panik-Rufen der Tiere und den Rufen von Raubvögeln, die über Lautsprecher abgespielt werden, sollen die Krähen vertrieben werden.

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erstellt am 14.Feb.2015 | 15:00 Uhr

Elmshorn | Die schwarzen Vögel am Himmel über Elmshorn empfinden viele Bürger als eine Plage. Pünktlich zum Beginn des Frühjahres häufen sich bei der Stadtverwaltung wie jedes Jahr die Beschwerden über die Krähen. Um die Population in der Stadt einzudämmen, geht Elmshorn jetzt einen neuen Weg. Erstmals soll eine Technik zum Einsatz kommen, die die Saatkrähen über Lautsprecher mit aufgezeichneten Panik-Rufen der Tiere vertreiben soll. „Das ist landesweit ein Pilotprojekt. Wir wissen nicht, ob wir damit erfolgreich sind“, sagt Jörg Schmidt-Hilger vom Amt für Stadtentwicklung.

Da die bisherige, konventionelle Vergrämung mit Schreckschüssen und Entfernung der Nester nicht geholfen hat, die Population in Elmshorn zu reduzieren, erhofft Schmidt-Hilger auf einen Erfolg des neuen Systems. „Auf Sylt und Helgoland ist diese Technik zur Vergrämung von Möwen zum Einsatz gekommen. Dort hatte man Erfolg“, berichtet Schmidt-Hilger.

Etwa 1000 Saatkrähen leben in Elmshorn. Vor allem an drei Punkten sind sie Stadt und Bürgern ein Dorn im Auge: der Bismarckstraße, dem Alten Markt und dem Buttermarkt. Das neue System kommt mit der Genehmigung des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein nur in der Bismarckstraße zum Einsatz. „Dort ist die Belästigung durch Lärm und Kot für die Schüler der Bismarckschule besonders hoch“, erläutert Schmidt-Hilger. An den beiden anderen Plätzen kämen die konventionellen Vergrämungsmethoden zum Einsatz.

Die Vergrämung ist bereits angelaufen. Bisher wurden allerdings lediglich Nester entfernt. Mit Schreckschüssen will der zuständige Jäger erst Ende Februar beginnen. Dann soll auch die neue Technik in Betrieb genommen werden. Während Nest-Entfernung und Schreckschüsse nur bis zum 15. März erlaubt sind, liegt der Stadt für das Pilotprojekt eine Ausnahmegenehmigung vor. Auch über Mitte März hinaus werden somit die Saatkrähen in der Bismarckstraße vergrämt.

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Und so funktioniert die neue Methode: Am Gebäude der Bismarckschule werden zwei Lautsprecher installiert. Diese werden aufgezeichnete Panik-Rufe der Saatkrähe und Rufe von Raubvögeln abspielen. „Es gibt keinen festen Rhythmus und keine Reihenfolge. Die Tiere sollen sich an kein Muster gewöhnen können“, so Schmidt-Hilger. Mit Beeinträchtigungen durch die Geräusche für die Schüler rechnet er nicht. „Sie müssen jetzt ja auch mit den Rufen der Krähen leben. Zur Not lässt sich die Lautstärke der Anlage aber auch regulieren.“

Mit einem schnellen Erfolg der neuen Methode sei nicht zu rechnen. „Wir werden das über einen längeren Zeitraum beobachten müssen. Nur so lässt sich feststellen, ob in diesem Bereich weniger Nester gebaut werden“, so Schmidt-Hilger.

Wenn die Krähen eine derartige Plage sind – warum lässt die Stadt sie nicht einfach abschießen? „Die Tiere stehen unter Naturschutz. Der Bestand in Deutschland ist sehr gering. Etwa ein Drittel der Population lebt in Schleswig-Holstein. Deshalb kommt dem Schutz der Saatkrähe hier eine besondere Bedeutung zu“, betont Schmidt-Hilger. Die einzige Möglichkeit, die Population zu beeinflussen, sei die Vergrämung.

Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) ist von Irland bis Nordspanien verbreitet. Sie ist  eine  sozial lebende Art und daher sehr ruffreudig. Sie bevorzugt eigentlich tierische Nahrung, dennoch sind drei Fünftel der Nahrung pflanzlich. Die Sterblichkeitsrate bei Jungvögeln liegt bei bis zu 60 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei dreieinhalb Jahren.
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