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Familie und Beruf : Elmshorn plant Kita im Gewerbegebiet

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein großes Problem. Stadt plant eine Kinderbetreuung im Gewerbegebiet einzurichten. Die Politik stimmt für Suche nach Immobilie in A23-Nähe.

Elmshorn | Die Stadt Elmshorn forciert die Pläne für eine betriebsnahe Kita. Die Politik hat die Verwaltung damit beauftragt, die konkrete Planung für eine Kindertagesstätte im Bereich des Gewerbegebietes Grauer Esel an der A23 aufzunehmen. So soll nicht nur der Bedarf in den in Elmshorn ansässigen Betrieben abgefragt werden, sondern auch die Suche nach einer Immobilie und die Trägerschaft sollen öffentlich ausgeschrieben werden.

Die Verwaltung geht davon aus, dass der Bedarf für eine weitere Kita vorhanden ist. Heike Rosemann vom Amt für Kinder und Jugend bestätigte im zuständigen Ausschuss, dass es immer wieder Anfragen von Unternehmen gebe. Den Berufsalltag mit der Kinderbetreuung zu vereinbaren, stelle viele Eltern vor Herausforderungen. Deshalb werde das Thema betriebliche Kinderbetreuung auch in vielen Elmshorner Unternehmen diskutiert. Die Stadt  plant genau aus diesem Grund, die Unternehmen in die Finanzierung mit einzubeziehen. Auf diese Weise könnten diese beispielsweise die Öffnungszeiten auf ihre Bedürfnisse abstimmen.

Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Unterelbe-Westküste,  reagiert auf Anfrage dieser Zeitung verhalten. Die Unternehmer sehen bei der Kinderbetreuung die Politik in der Pflicht. Lösungen, die eine finanzielle Unterstützung der Betriebe voraussetzen, könnten nur Zwischenlösungen sein.

Elmshorns größter Arbeitgeber, die Firma Autoliv, geht einen ganz anderen Weg. Das Unternehmen hat eine Not-Tagesmutter engagiert. Wenn  wieder ein Kita-Streik stattfindet oder die betreuende Großmutter in letzter Sekunde absagt, hält diese Tagesmutter einige Plätze  für Autoliv-Mitarbeiter bereit. So möchte Autoliv den Bedarf einer betrieblichen Kinderbetreuung ermitteln und möglicherweise später auch in das Projekt der Stadt Elmshorn einsteigen.

Diskussion über betriebsnahe Kita

Die Kinderbetreuung mit dem Berufsalltag zu vereinbaren, stellt immer mehr Eltern vor Herausforderungen – vor allem, wenn sowohl Mutter als auch Vater berufstätig sind. Die Stadt Elmshorn plant deshalb einen betriebsnahen Kindergarten, der von Unternehmen etwa durch eine einmalige finanzielle Zuwendung oder durch die Zahlung regelmäßiger Beträge unterstützt werden könnte. Auf diese Weise wäre es möglich, etwa die Öffnungszeiten auf die Bedürfnisse der umliegenden Firmen abzustimmen.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat jetzt der Ausschuss für Kinder, Jugend, Schule und Sport in seiner jüngsten Sitzung gemacht. Die Ausschussmitglieder haben die Verwaltung damit beauftragt, die Planungen für dieses Projekt fortzusetzen. Konkret soll die Belegschaft der in Elmshorn ansässigen Betriebe nach dem Bedarf für eine solche Kita befragt werden. Außerdem wird die Verwaltung sowohl die Übernahme der Trägerschaft als auch die Suche nach einer geeigneten Immobilie öffentlich ausschreiben.

Bevor die Politiker diesen Beschluss fassten, wurde das Thema ausgiebig im Ausschuss diskutiert. So fehlte einigen Ausschussmitgliedern das Interesse der Unternehmen an einem solchen Projekt. Eine im Juni durchgeführte Umfrage unter den Elmshorner Betrieben hatte lediglich zu einer Rückmeldung geführt.

Die Stadtverwaltung geht allerdings davon aus, dass das nicht am mangelnden Interesse, sondern eher an der unzureichenden Weitergabe der Informationen innerhalb der Betriebe gelegen habe. „Da ist irgendetwas schiefgelaufen“, sagt Birgit Gehrmann vom Amt für Kinder, Jugend, Schule und Sport. „Wir haben im Juli einen zweiten Anlauf gewagt und wesentlich mehr Rückläufe bekommen. Die haben wir allerdings noch nicht ausgewertet.“

Zurückhaltung bei Elmshorner Betrieben erwartet

Persönlich geht sie davon aus, dass die Elmshorner Betriebe eher zurückhaltend auf das Projekt reagieren werden und auf den zukünftigen Träger intensives Klinkenputzen zukommt. Interessant seien die Belegplätze nur für Unternehmen mit Mitarbeitern von außerhalb oder mit speziellen Wünschen, wie beispielsweise bei den Öffnungszeiten. „Für die Elmshorner Kinder ist die Stadt schließlich sowieso zuständig.“

Pascal Mangels von der FDP-Fraktion denkt deshalb bei der Zielgruppe einer Kita im Gewerbegebiet Süd nicht ausschließlich an dort ansässige Unternehmen: „Wir sind eine Pendlerstadt und eine solche Kita wäre für alle Einwohner Elmshorns interessant, die außerhalb der Stadt arbeiten und auf dem Weg zur A23 ihre Kinder abgeben möchten.“

Auch Stadtrat Dirk Moritz (parteilos) denkt, dass nur wenige Kinder aus den Betrieben kommen würden. Aber der Bedarf für eine zusätzliche Kita sei in Elmshorn durchaus vorhanden. „Der Charme dieses Projekts liegt darin, dass wir endlich die Gelegenheit hätten, einen Kita-Träger auszuschreiben.“ Auf diese Weise hätte die Stadt Elmshorn Einfluss auf die Preisgestaltung. „Und dass der Bedarf für mehr Kita-Plätze da ist – gerade im Hinblick auf die Flüchtlingssituation – steht außer Frage“, so Moritz.

Absagen nach Preisvorstellungen

Heike Rosemann vom Amt für Kinder, Jugend, Schule und Sport, berichtete, dass bereits mehrere Elmshorner Betriebe mit der Anfrage nach Belegplätzen auf die Stadtverwaltung zugekommen seien. „Aber wenn wir dann mit konkreten Preisvorstellungen kommen, gibt es plötzlich keinen Bedarf mehr.“

Das erklärt sich Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Unterelbe-Westküste, folgendermaßen: „Die Arbeitgeber müssen die Kosten und die Sicherung von Fachkräften gegeneinander abwägen“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Grundsätzlich sei Kinderbetreuung eine Aufgabe der Politik und nicht der Unternehmen. „Es ist ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass vor allem Frauen schnell wieder in den Beruf zurückkehren können.“ Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und des damit verbundenen Fachkräftemangels böte die Gruppe der Frauen noch viel Potenzial für den Arbeitsmarkt. „Der Fachkräftemangel ist in allen Branchen angekommen. Aber Frauen wird es durch die derzeitige Situation noch zu schwer gemacht, nach der Elternzeit wieder in den Beruf einzusteigen.“

Der Unternehmensverband habe bereits vor einem halben Jahr eine Umfrage unter seinen Mitgliedern zu dem Thema gestartet. „Immer wieder kam heraus, dass Ganztagsbetreuung und flexible Betreuungszeiten in Kitas gewünscht werden.“ In Projekten wie dem in Elmshorn sieht Ken Blöcker nur eine Notlösung, für den Fall, dass es der Politik nicht gelingt, rechtzeitig für ausreichend Kita-Plätze zu sorgen, die der Realität des Arbeitsmarktes angepasst sind. „Es hängt vom einzelnen Arbeitgeber ab, wieviel er bereit ist, zusätzlich in seine Arbeitnehmer zu investieren.“

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erstellt am 15.Sep.2015 | 14:00 Uhr

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