Ausbau der Infrastruktur : Elmshorn investiert weiter in die Kanalisation

Eine der letzten Inlinersanierungen des vergangenen Jahres ging im Spätherbst in der Westerstraße über die Bühne.
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Eine der letzten Inlinersanierungen des vergangenen Jahres ging im Spätherbst in der Westerstraße über die Bühne.

Auch 2015 setzt Elmshorn weiter auf das Inlinerverfahren. 322.000 Euro werden investiert.

shz.de von
07. Januar 2015, 10:00 Uhr

Elmshorn | Kaputte Abwasser- und Regenwasserkanäle können repariert werden, ohne dass aufwendig die Straßen aufgerissen werden müssen. Das Zauberwort heißt: Inlinerschlauchsanierung. Mit diesem Verfahren, bei dem die kaputte Leitung eine neue Innenschicht („Rohr im Rohr“) erhält, kann die Stadtentwässerung Elmshorn Geld und Zeit sparen sowie die Nerven der Autofahrer schonen.

Insgesamt zehn Strecken der Elmshorner Kanalisation sind im vergangenen Jahr von innen „geheilt“ worden. Es waren insgesamt fast 700 Meter Schmutzwasser-, gut 500 Meter Regenwasser- und 120 Meter Mischwasserkanalisation. Etwa 680.000 Euro hat das Ganze gekostet. Bei der Sanierung der Leitungen in offener Bauweise, also mit Straßenaufbruch, seien die Preise laut Stadtentwässerung oft mehr als doppelt so hoch wie bei der Schlauchrenovierung.

Die Arbeiten für 2014 sind im Spätherbst in der Westerstraße abgeschlossen worden. Hier wurde der Schmutzwasserkanal mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern auf einer Länge von etwa 220 Metern zwischen Hafenstraße und Wechselplatz saniert. Dabei konnte vermieden werden, dass der Verkehr auf der sehr stark befahrenen Trasse erneut längerfristig beeinträchtigt werden musste.

„Schon seit Jahren wird die Inlinersanierung in verschiedenen Straßen mit sehr guten Erfahrungen durchgeführt“, sagt der zuständige Mitarbeiter der Stadtentwässerung Elmshorn, Martin Röseke. Nach einer TV-Inspektion mit dem stadteigenen Kamerawagen könnten viele Kanalabschnitte bei einer sofortigen Inlinersanierung von ihrer Substanz her noch erhalten bleiben. Dies seien vor allem die Kanäle, die Undichtigkeiten und leichtere Schäden durch Pflanzenwurzeln hätten. Zehn Kilometer seien in den vergangenen zehn Jahren so saniert worden.

Bildung von Hohlräumen

Allerdings sei, so der städtische Fachmann, nach der Diagnose Eile geboten. Röseke: „Sollten diese Leitungen erst in einigen Jahren saniert werden, ist mit einer Verschlechterung des Zustandes zu rechnen, da die Verwurzelungen zur Zerstörung der Kanalsubstanz führen.“ Undichtigkeiten hätten mit der Zeit Ausspülungen aus dem Erdreich und somit die Bildung von Hohlräumen zur Folge. In beiden Fällen könnten die Kanäle dann nur noch durch teure Reparaturen in offener Bauweise (Baugrube) oder eine komplette Erneuerung funktionsfähig gehalten werden.

Die Untersuchung des gesamten Elmshorner Kanalnetzes mit Hilfe des Kamerawagens hat eine ganze Reihe von Schäden in den Rohren unter den Straßen der Stadt offensichtlich gemacht. Deshalb sind im vergangenen Jahr nicht nur in der Westerstraße Teilstücke der Kanalisation mit Hilfe der Inlinertechnologie saniert worden. Hinzu kamen unter anderem 240 Meter Schmutzwasserleitung in der Schulstraße und 220 Meter in der Gärtnerstraße. Regenwasserkanäle wurden 2014 im Heuss-, Mehlbeeren- und Lupinenweg sowie in der Schillerstraße und am Hainholter Ohr instandgesetzt.

Für das laufende Jahr sind ebenfalls diverse Kanalsanierungen im Inlinerverfahren geplant. Vorgesehen sind dafür Mittel in Höhe von insgesamt 322.000 Euro. Bei den Projekten geht es in zwei Fällen nicht allein darum, Kosten zu sparen: Die angegriffenen Leitungen liegen in Bereichen, die relativ schwer mit Baufahrzeugen zu erreichen sind. So zum Beispiel bei einem Regenwasserkanal im „Hinterland“ der Blücherstraße zwischen Ollns- und Raboisenstraße. Die 130 Meter lange Leitung hat immerhin einen Durchmesser von 1,20 Metern. Das Projekt ist mit 82.000 Euro veranschlagt.

100.000 Euro für eine neue Innenhaut

Auch der 222 Meter lange Regenwasserkanal westlich der Bahnstrecke Hamburg/Kiel zwischen Gerlingweg und Robert-Bosch-Straße ist in einem unwegsamen Gelände verlegt. Dieses Rohr hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern. Es wird für etwa 100.000 Euro eine neue Innenhaut bekommen.

Außerdem ist im städtischen Haushalt 2015 eine Inlinersanierung der Regenwasserkanalisation im Roggenweg angemeldet. Die Stadtentwässerung hat sich hier für das besagte Verfahren entschieden, weil der Roggenweg sehr verzweigt ist. Hergerichtet werden sollen 442 Meter Leitungen, die zwischen 25 und 40 Zentimeter im Durchmesser groß sind. Kostenpunkt: 140.000 Euro.

Trotz der angespannten finanziellen Lage der Stadt haben Elmshorns Politiker bei den Sanierungsprojekten nicht den Rotstift angesetzt. Im Gegenteil: Die politischen Vertreter haben seit Jahren immer wieder Geld für die notwendigen Inlinersanierungen zur Verfügung gestellt.

„Es droht ein Substanzverlust“

„Das Abwassernetz stellt in der Regel das größte Einzelvermögen einer Kommune dar“, sagt Joachim Grafe, Leiter der Stadtentwässerung Elmshorn. Es sei nach Expertenauffassung im Allgemeinen in der Summe viel mehr Wert als alle öffentlichen Gebäude einer Stadt wie Schulen, Büchereien, Feuerwachen oder auch Rathäuser zusammen.

Allerdings stellt Grafe auch klar: „Die Untersuchungen mit unserem Kamerawagen zeigen in Elmshorn: Es droht ein Substanzverlust.“ Aus ökologischen und ökonomischen Gründen sei es deshalb für die Stadt auch in Zukunft notwendig, kontinuierlich in die Kanalsanierung zu investieren, bevor es zu spät sei und wesentlich teurere Generalsanierungen erforderlich würden.

Bei der Inlinerschlauchsanierung handelt es sich um ein Verfahren, bei dem ein kunstharzgetränkter Gewebe- oder Nadelfilzschlauch mittels Druckluft oder eingefülltem warmen Wasser in die zu sanierende Rohrleitung eingebracht wird. Als „Rohr im Rohr“ härtet der Schlauch an der Innenseite der Leitung aus. Diese einfache Anwendung macht eine Abdichtung und Stabilisierung eines Kanalabschnitts zwischen zwei Kanalschächten möglich, ohne dass die Straße aufgebrochen und eine Baugrube erstellt werden muss. Seiteneinläufe können bei dieser Technologie nachträglich leicht mit einem Fräsroboter wieder geöffnet werden. Die Lebensdauer eines derart sanierten Kanals wird auf mindestens 50 Jahre veranschlagt.
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