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Versorgung psychischer Erkrankungen : Elmshorn hofft auf neue Tagesklinik

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wartelisten bei Behandlungen: Kiel stellt 5,5 Millionen Euro für den Ausbau der psychiatrischen Versorgung im Land bereit. Beate Raudies will nun Geld aus diesem Topf in den Kreis holen.

Die Zahl der verfügbaren Plätze der Psychiatrie im Kreis Pinneberg – sowohl in stationären wie auch Tagesklinik-Bereich – ist „unterdurchschnittlich und damit verbesserungswürdig. Es gibt einfach zuwenig Plätze“. Darüber herrschte in der vergangenen Woche Einigkeit am Besprechungstisch im Regio-Klinikum Elmshorn. Auf der einen Seite saßen die SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies aus Elmshorn und ihr Parlamentskollege Bernd Heinemann, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Den Politikern gegenüber hatten die beiden Ärzte Professor Hubert Kuhs und Dr. Annegret Eckhart-Ringel sowie Lars Timm, der kaufmännische Direktor des Klinikums, Platz genommen.

Die Zahlen, die Kuhs präsentierte, waren ernüchternd: 105 stationäre Plätze stehen in Elmshorn zur Verfügung, dazu kommen weitere 30 für Kinder und Jugendliche. In der Tagesklinik in Elmshorn sind es 20 Plätze (plus zehn für Jugendliche), dazu kommen 15 Plätze in Pinneberg. Diese müssen derzeit für die psychischen Erkrankungen in einen Kreis mit mehr als 300.000 Einwohnern ausreichen. In der Folge seien Wartelisten an der Tagesordnung. Wer beispielsweise unter Depressionen, Alkohol- und Medikamentensucht oder Angstzuständen leide, müsse im Schnitt etwa zwei Monate auf eine Behandlung warten. „Bislang haben wir es mit viel Aufwand und Kreativität immer geschafft, auch die akuten Fälle aufzunehmen“, erklärt Eckhart-Ringel. Kein Patient, der kurzfristige Hilfe benötige, werde abgewiesen.

Dass sich an diesem Zustand etwas ändern müsse, darüber waren sich alle einig. Und es passiert auch etwas, wie Heinemann erklärte. Die Landesregierung habe insgesamt 5,5 Millionen Euro für den Ausbau der psychosomatischen Tageskliniken in Schleswig-Holstein bereit gestellt. Nur das „Wo“ sei noch zu klären. „Ich will nichts versprechen, aber ich werde mich für Elmshorn einsetzen“, versprach Raudies. Dort könnte innerhalb von drei Monaten nach Freigabe der Mittel eine psychosomatische Tagesklinik mit 15 Plätzen entstehen. „Wir sind bereit“, stellt Timm fest. Das Problem: Auch andere Standorte in Schleswig-Holstein wollen die Gelder zu sich holen. Wieviel Einfluss Heinemann und Raudies gegeüber ihren Parlamentskollegen und dem Ministerium unter der Führung von Pinnebergs Ex-Bürgermeisterin Kristin Alheit haben, wird sich voraussichtlich bis zur Sommerpause zeigen. Doch für die Politiker geht es um mehr: In den vergangenen Jahren habe eine zunehmende Kommunalisierung für „Ungleichgewichte“ zwischen den Kreisen gesorgt, andere Landkreise hätten pro Kopf eine bessere Versorgung im psychatrischen Bereich. Laut Heinemann wird die Landesregierung mit der Fortschreibung des Psychiatrieplans wieder stärker regulierend eingreifen. Momentan sei das Ministerium mit einer Bestandsaufnahme befasst.

Sollte die psychosomatische Tagesklinik für den Standort Elmshorn und damit den Kreis Pinneberg bewilligt werden, könnten dort schon in diesem Jahr die ersten Patienten behandelt werden. „Es ist wichtig, dass die Betroffenen wieder schnell in ihren Beruf und das tägliche Leben zurückfinden“, so Kuhs. Und der Bedarf ist vorhanden: Als vor zwei Jahren in Pinneberg die Tagesklinik eröffnet wurde, waren alle 15 Plätze nach wenigen Tagen belegt und eine Warteliste musste her.

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erstellt am 03.Feb.2014 | 12:00 Uhr

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