„Klostersande“ : Elmshorn hat wieder ein Frachtschiff

An der Tradition des langjährigen Kapitäns der „Klostersande“, Günter Holtz, hält der Förderverein fest und illuminiert das Schiff in der Vorweihnachtszeit.
An der Tradition des langjährigen Kapitäns der „Klostersande“, Günter Holtz, hält der Förderverein fest und illuminiert das Schiff in der Vorweihnachtszeit.

Förderverein kauft das Motorschiff „Klostersande“. Gemeinsam mit der „Gloria“ wird der Hafen belebt und Stadtgeschichte erlebbar.

shz.de von
20. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Elmshorn | Das ist ein wichtiger Tag für den Förderverein des Frachtschiffs „Klostersande“, aber auch für die Stadt Elmshorn: Der letzte wirtschaftlich betriebene „Getreidedampfer“ ist wieder in seinem Heimathafen Elmshorn fest verankert. Der Verein hat das 55 Meter lange und 6,60 Meter breite ehemalige Flaggschiff der Köllnflockenwerke gekauft. Der Vertrag zwischen dem Hamburger Vorbesitzer Andreas Bätjer und den Förderern aus Elmshorn ist gestern notariell besiegelt worden.

„Darauf haben wir hingearbeitet. Jetzt kann es richtig losgehen“, sagt Frank Lexau, Vorsitzender des Fördervereins, erfreut. Die etwa 80 Vereinsmitglieder wollen im Frühjahr frische Farbe aufbringen, denn das Ziel der Organisation ist bislang nur zum ersten Teil erreicht: Die „Klostersande“ im Hafen Elmshorn zu behalten. Jetzt geht es um den zweiten Teil: Die „Klostersande“ auch im Hafen zu erhalten. Außerdem soll die Diskussion um die Nutzung des Schiffes beginnen. Viele Ideen liegen auf dem Tisch, aber bislang ist noch nichts konkreter beraten worden.

„Wir wollen uns in die anstehende Freiraumplanung des Gebietes Hafen/Buttermarkt mit einbringen und Gespräche mit möglichst vielen Beteiligten führen“, so Lexau. Parallel dazu soll der mehr als 250 Quadratmeter große und gut drei Meter hohe Frachtraum besser zugänglich und damit bequemer nutzbar gemacht werden.

Die „Klostersande“ wurde 1968 in Dienst gestellt und war das größte und modernste Schiff der Kölln-Flotte, zu der auch die mittlerweile verschrotteten Binnenmotorschiffe „Kornblume“, „Kornähre“ und „Korngarbe“ gehörten. Aufgrund der zunehmenden Versandung der Krückau, die ein volles Beladen beim Hafertransport zwischen Hamburg und Elmshorn nicht mehr möglich machte, stellte Kölln im Jahre 2000 den Betrieb der „Klostersande“ ein. Das war gleichzeitig das Ende der wirtschaftlichen Nutzung des Elmshorner Hafens, der einmal der drittgrößte Getreideumschlagplatz des Deutschen Reiches war.

Die „Klostersande“ wurde verkauft. Nach drei Besitzerwechseln, bei denen das Schiff noch Preise jenseits der 100.000 Euro erzielte, hat jetzt der Verein den letzten Elmshorner Getreidefrachter für 55.000 Euro gekauft, wobei 30.000 Euro in sechs Jahresraten bezahlt werden können.

Die Elmshorner Bevölkerung bot dem Schiff bei seiner Rückkehr in den Hafen am 14. Mai 2013 einen grandiosen Empfang. Seitdem stellen der historische Ewer „Gloria“ und die „Klostersande“ gemeinsam ein sehr wichtiges Kapitel der Elmshorner Stadtgeschichte authentisch dar: Die Anfänge des Getreidetransportes mit kleinen Seglern wie der „Gloria“ im 18. und 19. Jahrhundert bis zum Ende der Ära im Jahre 2000 mit der letzten Tour des 500-Tonnen-Schiffes „Klostersande“. Beide Schiffe beleben heute für den Betrachter als einzige Fahrzeuge den früher so geschäftigen Elmshorner Hafen. Seine einstmals erfolgreiche Entwicklung stellte gemeinsam mit dem Anschluss Elmshorns an das Schienennetz einen Grundpfeiler für das wirtschaftliche Aufstreben der Krückaustadt bis zum heutigen Tage dar.

Der Traditionssegler und und schnittige, speziell für die Fahrten auf Elbe und Krückau entwickelte Frachter ergänzen zudem die Industriesilhouette der Kölln-flockenwerke. Das Elmshorner Traditionsunternehmen ist die einzige verbliebene Mühle der Stadt, die heute zwar mehr als Müsli-Hersteller Ansehen genießt, aber immer noch die größte Hafermühle Europas ist.

Für den Erhalt der „Klostersande“ im Elmshorner Hafen und die weiteren Ratenzahlungen benötigt der am 17. Juli 2013 gründete Förderverein weiterhin Spenden. Wer das Projekt  unterstützen möchte, kann einen Betrag auf folgende Konten überweisen: Sparkasse Elmshorn; BLZ: 221 500 00; Konto: 111 057 246; IBAN: DE72 2215 0000 0572 46; BIC: NOLADE21ELH oder Volksbank Elmshorn; BLZ: DE66 2219 0030 0003 4365 00; Konto: 221 900 30; IBAN: 34 36 500; BIC: GENODEF1ELM. Wer weitere Informationen haben oder bei dem Projekt mit anpacken möchte, kann Kontakt zum Zweiten Vorsitzenden Hans Barzel unter der Rufnummer 04121-4751885 oder per Internet (hbarzel@t-online.de) aufnehmen.
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