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Asylbewerber-Unterbringung : Elmshorn hat ein Flüchtlings-Problem

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Kommunen im Kreis Pinneberg bringen die ihnen zugewiesenen Flüchtlinge in Elmshorn unter und hebeln die Quoten-Regelung des Kreises aus – Elmshorns Stadtrat und künftiger Bürgermeister Volker Hatje ist sauer.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Volker Hatje ist noch gar nicht im Amt – und doch legt sich der künftige Bürgermeister von Elmshorn schon mit einem Teil seiner Amtskollegen an. Der Stadtrat ist mächtig sauer. Grund ist die Flüchtlingspolitik einiger Kommunen im Kreis Pinneberg. Denn diese bringen die ihnen zugewiesenen Flüchtlinge klammheimlich in Elmshorn unter. Und das sei kein Einzelfall, betonte Hatje im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf der Bürgermeister-Konferenz im Januar will er das Thema ansprechen. „Das tut man nicht. So geht man nicht miteinander um“, kritisiert Hatje das Vorgehen seiner Kollegen.

Nach Recherchen der Stadt leben derzeit 51 Flüchtlinge anderer Gemeinden in Elmshorn. Eine beachtliche Anzahl, bedenkt man das Elmshorn selbst nur 48 unterbringt. Die Asylbewerber werden vom Kreis Pinneberg eigentlich nach einer von der Einwohnerzahl abhängigen Quote auf die Kommunen verteilt. Mit dem Anmieten von Wohnraum für Flüchtlinge in Elmshorn hebeln nun offenbar einige Kommunen diese Quote aus. „Ich beobachte diese Entwicklung mit Sorge. Wir als Stadt können das nicht verhindern“, betonte Hatje. So leben statt 48 also 99 Flüchtlinge in Elmshorn – gut 20 Prozent der 484 Asylsuchenden des Kreises.

Unstrittig sei, dass man die Flüchtlinge menschenwürdig unterbringen muss. „Das ist unsere Pflicht“, sagte der Stadtrat. Doch durch das Vorgehen der Kommunen, werde Elmshorn über Gebühr beansprucht. „Schließlich müssen unsere sozialen Einrichtungen die Menschen auffangen. Wir müssen die Kinder beschulen, die kein deutsch sprechen“, erläuterte der künftige Bürgermeister.

Hochgekocht war das Thema in der vergangenen Sitzung des Stadtverordnetenkollegiums. Dörte Köhne-Seiffert (SPD) hatte eine Anfrage zur Unterbringung von Flüchtlingen in Elmshorn gestellt. Mieter des Mehrfamilienhauses in der Gerberstraße 33 hatten sich an die Politikerin gewandt und sich beschwert, dass vermehrt Flüchtlinge in ihrem Block untergebracht werden. „Das Haus steht in keinem guten Ruf. Nachdem es energetisch saniert wurde, sind die Mieten exorbitant angehoben worden“, betonte Köhne-Seiffert im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Mieter hätten das Gefühl, dass sie durch die hohen Mieten aus ihren Wohnungen gedrängt werden sollen.

Der Wohnblock ist auch der Stadt ein Begriff. Allein dort seien 22 auswärtige Flüchtlinge untergebracht. Auch der Stadt wurde angeboten, dort Wohnraum für Asylanten anzumieten. 23,90 Euro pro Kopf und Tag sollte die Miete betragen. Eigentümer des Objekts Gerberstraße 33 ist die AJ Immobilien-Management GmbH. Vermietet werden die Wohnungen durch das Elmshorner Unternehmen Makro-Immobilien. Stefan Albrecht, Geschäftsführer beider Unternehmen, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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