Neue Taktik : Elmshorn geht härter gegen Krähen vor

Obwohl die Brutzeit längst begonnen hat, lässt die Verwaltung Krähennester aus den Bäumen am Holstenplatz und am Alten Markt entfernen.
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Obwohl die Brutzeit längst begonnen hat, lässt die Verwaltung Krähennester aus den Bäumen am Holstenplatz und am Alten Markt entfernen.

Am Holstenplatz und am Alten Markt entnimmt die Stadt alle zwei Tage Nester. Vogelschützer sind unzufrieden.

shz.de von
16. April 2018, 16:00 Uhr

Elmshorn | Manch ein Elmshorner mag in den vergangenen Tagen verwundert zu den Hubwagen am Alten Markt und am Holstenplatz hochgeschaut haben. Schließlich sollte die Nesterentnahme zur Krähenvergrämung mit Beginn der Brutzeit beendet sein. Doch das Landesamt für Landwirtschaft und Umwelt und die Elmshorner Stadtverwaltung gehen in der Krückaustadt neue Wege.

Nachdem die Krähen nach der letzten Entnahme am 23. März innerhalb kürzester Zeit enorm eifrig nachgebaut hatten, beschlossen die Verantwortlichen, an zwei ausgewählten Standorten testweise alle zwei Tage sämtliche Nester zu entfernen. „Natürlich nur so lange, bis wir das erste Ei finden, dann brechen wir sofort ab“, erklärt Jörg Schmidt-Hilger vom Amt für Stadtentwicklung. „Ganz einfach gesagt probieren wir aus, wer den längeren Atem hat: die Krähen oder wir“. Zumindest an einem der beiden ausgewählten Standorte, am Alten Markt, scheint das gut zu funktionieren. „Nach der Entnahme am Mittwoch haben wir dort am Donnerstag kein einziges Nest finden können – und heute waren es nur ein paar Zweige, die wir sofort wieder weggenommen haben“, erklärt Schmidt-Hilger.

Am Holstenplatz waren die Aktionen weniger erfolgreich. Seit Mittwoch hatten die Krähen in die große Platane auf dem Platz bereits vier neue Nester gesetzt, in den Bäumen am Parkplatz waren es 20. „Trotzdem ist das deutlich besser als im Vorjahr“, sagt Schmidt-Hilger. Sein Ziel: Die Vögel sollen durch die häufigen Entnahmen dazu bewegt werden, sich einen anderen Platz zum Brüten zu suchen. Ausgewählt wurden der Alte Markt und der Holstenplatz, weil sich dort Restaurants und Cafés mit Außengastronomie befinden.

Am Holstenplatz wurden gestern Krähennester entfernt.
Foto: Cindy Ahrens
Am Holstenplatz wurden gestern Krähennester entfernt.
 

Für das Landesamt ist die Aktion ebenso ein Versuchsballon wie für die Stadt. Jedes Mal, bevor eine Aktion stattfindet, holt sich Schmidt-Hilger aus dem Landesamt die Genehmigung, das nächste Mal am kommenden Montag.

Glücklich ist mit dem Projekt nicht jeder. „Wir haben Beschwerdeanrufe bekommen“, erklärt Schmidt-Hilger. Auch Vogelschützerin Kirstin Zoller ist alles andere als glücklich mit der Aktion – sie hält sie für unnütz und eine Geldrausschmeißerei. „Je mehr Angst die Vögel haben müssen, um so mehr Nachwuchs werden sie produzieren, um den Fortbestand ihrer Art zu sichern.“ Das hätten wissenschaftliche Untersuchungen bewiesen. Zoller: „Durch die Nestentnahme wird es im nächsten Jahr nur mehr Krähen in Elmshorn geben. Sie brüten nur woanders.“ Für den Schutz der Außengastronomie hat sie kein Verständnis. „Dort gibt es Sonnenschirme. In den paar Wochen im Jahr können sich die Leute zum Sonnen einen anderen Platz suchen.“ Am Montag zeigt sich, ob die Nestentnahmen weiter gehen.

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