Busverkehr : Elmshorn: Expresslinie geplant

Bislang fährt in Elmshorn das Unternehmen „Die Linie“.
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Bislang fährt in Elmshorn das Unternehmen „Die Linie“.

Die Vergabe des ÖPNV an die KVIP ist wohl sicher. Busfahrer sollen übernommen werden. Ergebnis steht bis Sommer.

shz.de von
24. März 2017, 16:30 Uhr

Elmshorn | Die Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg (Kvip) wird ab Dezember den Elmshorner Busverkehr übernehmen. Das ist jetzt wohl in trockenen Tüchern. Nachdem die politischen Gremien im Dezember 2016 die Vergabeabsicht an die Kvip ausgesprochen hatten, ist die vorgeschriebene dreimonatige Frist, in der sich andere Busunternehmen hätten bewerben können, inzwischen verstrichen. Es wurde kein Konkurrenzangebot abgegeben. Das war auch wenig wahrscheinlich, denn weil der Kreis Pinneberg den Auftrag per Direktvergabe an die Kvip vergibt, deren Gesellschafter er ist, hätte jedes andere Unternehmen auf den städtischen Zuschuss von derzeit jährlich rund 800.000 Euro verzichten müssen.

Die Kvip beginnt jetzt mit den Vorbereitungen. Zwar muss der Kreis die Vergabe in der zweiten Jahreshälfte offiziell noch beschließen. Laut Claudius Mozer von der Stabsstelle Öffentlicher Nahverkehr des Kreises Pinneberg ist das aber nur noch „eine Formsache“. Für die Kvip ist die Übernahme des Elmshorner Stadtverkehrs ein großer Schritt. „Wir weiten unser Angebot damit um etwa 50 Prozent aus“, erklärt Geschäftsführer Thomas Becker. Bislang betreibt die Kvip vor allem Buslinien in Uetersen, Tornesch und Barmstedt.

Ihren Personalbedarf in Elmshorn will die Kvip zuerst mit den Busfahrern decken, die derzeit in Elmshorn für das aktuelle Busunternehmen „Die Linie“ fahren. Das hat Becker dem Kreis und der Stadt Elmshorn zugesichert. Wieviele Busfahrer tatsächlich benötigt werden, hängt davon ab, wie weit die Stadt das Angebot verändern beziehungsweise ausweiten will.

Sechs Punkte zur Verbesserung des ÖPNV hatten die politischen Fraktionen bereits im Oktober beschlossen. Darunter waren auch viele Forderungen einer sehr aktiven Fahrgastinitiative, die gegen die Überfüllung der Busse kämpft. Unter anderem soll der Betriebsbeginn der stark frequentierten Linien 6500 bis 6504 vorverlegt und der Betriebsschluss der Linien 6500 bis 6503 nach hinten verlegt werden.

Über einen Punkt verhandelt derzeit allerdings noch eine Arbeitsgruppe, in der neben den politischen Fraktionen unter anderem auch die Fahrgastinitiative beteiligt ist. „Es geht um die Verbesserung der Busverbindung von Hainholz in die Innenstadt“, erklärt Claudius Mozer. „Unter anderem arbeiten wir an einer zweiten Buslinie, einer Expresslinie, die ohne den bisherigen Südschlenker direkt von Hainholz aus zum Bahnhof fährt.“ Das würde die bisherige viel frequentierte Linie entlasten und soll überfüllte Busse verhindern. Auch über Taktverdichtungen wird gesprochen.

Einen Blanko-Check hat die Politik nicht ausgestellt

„Die Erarbeitung ist sehr anspruchsvoll“, erklärt Mozer. „Wir müssen diese Linie bestmöglich in das bestehende System einbauen und vor allem auch die wirtschaftlichen Faktoren berücksichtigen. Wir versuchen, die Kosten möglichst niedrig zu halten.“ Denn: Einen Blanko-Check hat die Politik der Arbeitsgruppe nicht ausgestellt. „Am besten zu verkaufen wäre natürlich ein Vorschlag, der sich nahe am bisherigen Preisniveau bewegt“, sagt Mozer. „Aber wenn wir später etwas darüber liegen sollten, stellt sich die Frage, ob die Politik den Daumen heben oder senken wird.“

Stellt sich nur die Frage, was sich die Stadt überhaupt noch leisten kann, nachdem sie vom Land einen Sparzwang in Höhe von einer Million Euro verordnet bekommen hat. Der städtische Wirtschaftsförderer Thomas Becken sieht da allerdings keine Probleme. „Durch die Direktvergabe wird der Busverkehr günstiger werden als bisher. Die Kvip ist ja hier im Kreis schon fest verortet. Deshalb werden wir das Budget von 800.000 Euro für die Bezuschussung des ÖPNV wohl nicht groß überschreiten.“ Falls doch, müsse eben die Politik entscheiden. „Aber der ÖPNV steht nicht auf unserer Streichliste. Außerdem wird der Haushalt für 2018 hoffentlich deutlich besser ausfallen als für 2017.“

Ihr Ergebnis will die Arbeitsgruppe rechtzeitig vor den Sommerferien vorlegen. Schließlich muss die Kvip ihrerseits genug Zeit haben, um ein Angebot auszuarbeiten. Und dafür muss Kvip-Geschäftsführer Thomas Becker wissen, wieviele Busse und Busfahrer er benötigt. „Ich finde es gut, dass in Elmshorn eher in Richtung Erweitung des ÖPNV nachgedacht wird“, sagt Becker. „Genau deshalb vermute ich, dass wir eher mehr Busfahrer benötigen als derzeit in Elmshorn arbeiten und die meisten übernehmen können.“

Im Dezember 1993 wurde die Bussparte der Uetersener Eisenbahn AG aus dem Unternehmen herausgelöst und die Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg (Kvip) gegründet. Gesellschafter sind der Kreis Pinneberg und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH). Die Kvip hat ihren Sitz in Uetersen und beschäftigt derzeit rund 70 Mitarbeiter und betreibt 32 Busse. Jährlich werden etwa drei Millionen Fahrgäste befördert.
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