Hund soll Kinder erschreckt und gebissen haben : Elmshorn: Erbitterter Nachbarschaftsstreit und Anzeigen beim Ordnungsamt

Heike Ursula Hintze und ihr Schäferhund Mexwell am Spielplatz.
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Heike Ursula Hintze und ihr Schäferhund Mexwell am Spielplatz.

Seit eineinhalb Jahren herrscht ein Nachbarschaftsstreit im Quartier Am Fischteich. Auch das Ordnungsamt ist involviert.

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01. März 2017, 16:15 Uhr

Elmshorn | Die Frage, ob ein Hund ein Kind gebissen hat oder nicht und der Vorwurf des Rufmords: Seit eineinhalb Jahren herrscht ein erbitterter Nachbarschaftsstreit im Quartier Am Fischteich und auch die Stadtverwaltung spielt eine Rolle dabei.

Die Hauptpersonen dieser Geschichte sind Heike Ursula Hintze mit ihrem Ehemann und ihrem sechsjährigen Schäferhund Mexwell. Auf der anderen Seite stehen Claudia Meyer* mit ihrem Mann, ihren beiden Söhnen und einigen ihrer Nachbarn. Für Heike Hintze begann alles am 17. Juli 2015 mit einem Brief vom Ordnungsamt der Stadt Elmshorn – mit der Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens. Der Vorwurf: Schäferhund Mexwell soll „einen Jungen beim Fußballspielen auf dem Spielplatz in das Hosenbein gezwickt“ haben. Der Hund sei außerdem ohne Leine auf dem Spielplatz gelaufen. Darüber hinaus soll Mexwell öfter unbeaufsichtigt in den Straßen herum laufen und Kinder und Jogger bedroht haben.

Als Hintze den Brief zum ersten Mal las, hielt sie das alles für ein Missverständnis. Denn aus ihrer Sicht ist Mexwell gut erzogen und habe noch nie jemanden gebissen. „Er ist in einer Hundeschule ausgebildet worden und hat ein friedfertiges, ruhiges Wesen. Auch meine Freunde und Nachbarn kennen ihn von klein auf und es hat noch nie Probleme gegeben.“ Auf dem Spielplatz sei sie mit ihrem Hund noch nie gewesen und auf ihrem Grundstück laufe er unbeaufsichtigt nur an einer langen Schleppleine.

Hundebiss und Fahrradunfall

Der Beißvorfall mit dem kleinen Sohn von Claudia Meyer hat aus Sicht von Hintze nie stattgefunden. Sie erzählt von einem anderen Spielplatz-Vorfall, bei dem der Junge sie beim Fahrradfahren neben dem Spielplatz mit seinem Fußball abgeschossen haben soll. „Ich bin schwer gestürzt und hatte noch monatelang Schmerzen. Das Fahrrad war kaputt, aber Mexwell ist ganz lieb neben dem Fahrrad sitzen geblieben“, berichtet Hintze. Sie stellt klar, dass sie auch die Stadt für den Fahrradunfall verantwortlich macht. Dass die Stadt zum einen das Fußballspielen auf dem Spielplatz mit einem  Schild verboten und zum anderen  Fußballtore aufgestellt, aber zum Gehweg nicht gesichert habe, sei unverantwortlich. Anschließend habe Hintze  Claudia Meyer angesprochen, damit deren Versicherung den Schaden am Fahrrad bezahlt. „Die hat mich aber nur wütend angeschrien und wollte mich von ihrem Grundstück schubsen.“ Der Vater habe ihr Schläge angedroht.

Bei Meyer klingt die Schilderung der Situation wiederum völlig anders. Schon vor den Vorfällen auf dem Spielplatz sei der Schäferhund der Familie Hintze regelmäßig ohne Leine auf der Straße herumgelaufen und habe manchmal auch Kinder bedroht. Nach mehreren erfolglosen Gesprächsversuchen mit Heike Hintze hätte sie sich zusammen mit anderen Familien aus der Nachbarschaft an das Ordnungsamt gewandt. Was die Situation mit dem Fahrradunfall betrifft, so hätte Meyer den Vorfall umgehend der Versicherung gemeldet. Der Aufforderung einer Stellungnahme sei Hintze aber nie nachgekommen, daraufhin habe die Versicherung den Fall eingestellt. Hintze dagegen sagt, sie habe sogar zwei Stellungnahmen abgegeben. Die Versicherung wolle für den Schaden aber aufgrund des Alters des Kindes nicht aufkommen, das genaue Alter aus Datenschutzgründen aber auch nicht herausgeben.

Hintze rief, nachdem der Brief vom Ordnungsamt eingetroffen war, bei der Sachbearbeiterin bei der Stadt an. „Ich schilderte die Situation und forderte Beweise dafür, dass mein Hund den Jungen gebissen hat. Es gab kein Arzt-Attest, keine kaputte Hose.“

Einige Wochen später schickte die Stadt eine Ordnungsverfügung. Darin ging es nicht mehr um den Beißvorfall, sondern darum, dass Mexwell unbeaufsichtigt über den gepflasterten Vorplatz der Familie Hintze gelaufen sein soll. Auf Basis des Gefahrenhundegesetzes erließ die Stadt eine Reihe von Anordnungen „zur Beseitigung festgestellter Verstöße“. Hintze dürfe ihren Hund nicht mehr unbeaufsichtigt laufen lassen. Wolle sie ihn weiterhin im Vorgarten halten, sei ein Zaun zu errichten. Andernfalls drohe ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro, bei mehreren Verstößen die Fortnahme des Hundes. „Als dieses Schreiben kam, war ich erstmal sprachlos“, sagt Hintze. „Es lagen immer noch keine Beweise vor.“ Den Zaun baute Heike Hintze nicht – „das sahen wir nicht ein.“

Im Sommer 2016 war die Sachbearbeiterin aus dem Ordnungsamt für mehrere Monate nicht auf ihrem Posten, eine Stellvertreterin übernahm und laut Hintze „ruderte sie schnell zurück. Sie bestätigte mir, dass es keinen Beweis für den Biss gebe und die Sache für die Stadt erledigt sei“. In der Zwischenzeit habe sich die Geschichte von dem angeblichen Hundebiss aber überall herumgesprochen. „Das war wie im Film, die Leute rannten schreiend vor Mexwell weg und riefen ,die Bestie komme’“, erinnert sich Hintze. Eltern mit Kindern seien auf ihr Grundstück gekommen, um die ,Bestie’ zu fotografieren und hätten den Schäferhund, der an der Leine vor dem Haus lag, mit Kieselsteinen beworfen. Selbst da sei Mexwell ganz ruhig liegen geblieben.

Ordnungsamt fordert Beweise

Und die Geschichte ging noch weiter: Im Januar 2017 will Hintze den Bruder des Jungen, den Mexwell gebissen haben soll, beim Zündeln am Holz-Carport ihrer direkten Nachbarin erwischt haben. Kurz darauf sei dann die Quittung gekommen – wieder in Form eines Briefes vom Ordnungsamt. Erneut soll Mexwell frei auf dem Spielplatz gelaufen sein. Hintze: „Ich konnte belegen, dass wir an diesem Tag im Urlaub waren.“

Hintze ist die Geschichte zu bunt geworden. „Für uns ist das kein Witz, es werden uns Bußgelder und die Wegnahme unseres Hundes angedroht. Und in der Nachbarschaft gehen uns viele aus dem Weg. Das ist Rufmord.“

Hintze ist wütend auf das Vorgehen des Ordnungsamtes und dass es sich für einen privaten Nachbarschaftsstreit instrumentalisieren ließe– ohne Beweise. Zwar sei man im Nachhinein zurückgerudert – „aber eine Ordnungsverfügung ist kein Spaß – und auf eine Entschuldigung warte ich noch heute.“

Aufrecht erhalten hat das Amt bis zuletzt den Vorwurf, dass Hintze ihren Hund unbeaufsichtigt auf dem Weg vor ihrem Grundstück laufen lasse. Dazu soll es vier Zeugen geben. Hintze kennt niemanden, der gegen sie ausgesagt haben könnte. „Alle sind der Ansicht, dass mir auf meinem Privatweg niemand vorschreiben darf, was ich mache.“ Beim Ordnungsamt darf Amtsleiterin Sözen zu dem Fall keine Auskünfte erteilen. Nur so viel: Das Amt fordere immer Beweise für einen Hundebiss, bevor es ein Tier als gefährlichen Hund einstuft. Mexwell gilt nicht als gefährlicher Hund.

Heike Hintze hat sich jetzt einen Anwalt genommen. Und Claudia Meyer und ihre Nachbarn wünschen sich eigentlich nur, dass die Geschichte endlich ein Ende hat. Ihnen gehe es nur um ein achtsames, soziales Miteinander, nicht um Rachegelüste.

(*Um die Kinder zu schützen, hat die Redaktion den Namen geändert.)

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