Zukunftssorgen : Elmshorn: Die Hoffnung für die Knechtschen Hallen stirbt zuletzt

Junge Elmshorner, die die Knechtschen Hallen nutzen wollen: Chris Burghardt (von links), Samantha Ergner, Steffen Ohnesorge, Rachel Meyer, Jonas Stiefel, Matthias Graubmann und Lucas Klaus.
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Junge Elmshorner, die die Knechtschen Hallen nutzen wollen: Chris Burghardt (von links), Samantha Ergner, Steffen Ohnesorge, Rachel Meyer, Jonas Stiefel, Matthias Graubmann und Lucas Klaus.

Der Freundeskreis der Knechtschen Hallen hat sich mit der Nachbarschaft ausgetauscht und diskutiert.

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11. Dezember 2017, 13:00 Uhr

Elmshorn | „Was ist nun eigentlich mit dem Kranhaus und den Knechtschen Hallen?“ Eine Besucherin stellt am Lagerfeuer die Frage, die alle beschäftigt, auf die niemand eine Antwort hat und die an vielen Nerven zehrt. Sabine Jähne überlegt eine Zeit lang, dann sagt sie etwas von: „Hier noch eine Verordnung, da noch eine Auflage“. Jähne ist Mitglied im Freundeskreis Knechtsche Hallen Keimzelle Kranhaus, einem Verein mit einem großen Problem: In die Räume, für deren Erhalt er gegründet wurde, kommen die Mitglieder seit einem Jahr nicht rein. Den Kranhausgarten dürfen sie nutzen; dorthin hatten sie zum Glühweintrinken geladen.

Bei nasskaltem Wetter kommen am Freitagabend Freunde und Nachbarn vorbei, wärmen sich innerlich mit heißen Getränken und äußerlich an der Feuerschale. Sie stehen mitten in der „neuen Elmshorner Innenstadt“, betont Mitglied Peter Schaumann stolz. Aber das nützt ihnen im Moment nichts: Nach einem fulminanten Start im Kranhaus mit vielen Veranstaltungen und ersten Schritten in die Knechtschen Hallen steht der Freundeskreis im Regen. Matthias Pitzer, Vorstand des Freundeskreises, Grüner Stadtverordneter und Architekt, sieht kein Licht am Ende des Tunnels: Es gebe „keine Perspektive“, wann wieder Leben in eins der Gebäude kommt.

„Wir haben uns nicht unterkriegen lassen“, bilanziert Herta Laages das Jahr ohne Domizil: Das Repair-Café und die Kreativ-Werkstatt sind im Brückenhof untergekommen, Urban Gardening und Hoffest finden im Kranhausgarten statt, der Verein präsentierte sich beim Streuobstwiesenfest. Laages fordert die Lokalpolitiker auf zu handeln: „Die Politik muss sich entscheiden, ob sie Kultur in der Stadt haben will“; oder den Verein am ausgestreckten Arm der Auflagen verhungern lässt. Chris Burghardt und Steffen Ohnesorge sehen die Lage optimistisch. Die beiden gehören zu einer Gruppe junger Leute, die sich in den Knechtschen Hallen gern einen Aufenthalts- und Partyraum einrichten möchten. Das Ziel der jungen Leute, die sich bisher meistens im Steindammpark treffen und dort immer wieder Ärger haben: „Wir wollen frei Schnauze ohne Gewinngedanken etwas veranstalten“, sagt Ohnesorge.

Am schwersten tut sich mit einer Antwort auf die Frage nach der Moral im Verein Architekt Matthias Pitzer. Er überlegt lange, bevor er sagt, dass sie „im Kernbereich“ noch bestehe. Zu den öffentlichen Treffen des Freundeskreises kämen 15 bis 20 Teilnehmer. Aber der Bau-Experte fürchtet um die Hallen, die der Verein laut Satzung retten will: „Mit jedem Monat, den sie ungeschützt stehen, wird eine wirtschaftliche Nutzung schwieriger.“ Ein Gutachten bescheinigte dem großen Gebäude direkt an der Schlossstraße vor einigen Jahren noch gute Chancen; aber die Fenster sind alle kaputt, in diesem nassen Jahr stand monatelang Wasser auf den Fußböden. „Noch so ein Jahr, und das war es definitiv“, fürchtet Pitzer.

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