Kommunalwahl 2018 : Elmshorn: CDU stürzt SPD-Hochburg

Betrübte Gesichter bei der SPD, als Beate Raudies (links) die letzten Ergebnisse vorträgt.
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Betrübte Gesichter bei der SPD, als Beate Raudies (links) die letzten Ergebnisse vorträgt.

Chronologie einer Aufholjagd: Erst der letzte Wahlkreis bringt die Entscheidung im Elmshorner Wahlkrimi.

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07. Mai 2018, 14:30 Uhr

Elmshorn | „Marcello? Wo ist er? Komm mal ran“, ruft die SPD-Ortsvorsitzende Beate Raudies nach draußen, wo ein paar Genossen auf der Terrasse der Gaststätte Kantine noch die Sonne genießen. Früher als gedacht trudeln die ersten Ergebnisse der Wahl des Stadtverordnetenkollegiums ein – und lassen Marcello Hagedorn strahlen. 42,9 Prozent im Wahlbezirk 13. Die Sozialdemokraten starten hoch – und werden doch am Ende ins Trudeln kommen. Aber zunächst geht es Schlag auf Schlag: Larisa von Wolff, Wahlkreis 15: 33,5 Prozent, Kai-Olaf von Wolff, Wahlkreis 2: 30,9 Prozent. Die SPD gewinnt Mandat um Mandat. Doch es ist erst kurz nach 19 Uhr, als die erste böse Nachricht die Genossen ereilt: Die Currywürste sind ausverkauft. Ausgerechnet die Symbolspeise der bürgernahen SPD ist nicht mehr zu kriegen. Eine böse Vorahnung, dass dieser Abend doch nicht gut ausgehen könnte.

Im Rathaus tigert CDU-Fraktionschef Immo Neufeldt durch den Kollegiumssaal. „Da geht noch was“, macht er seinen Parteifreunden Mut. Die SPD führt mit über 300 Stimmen, aber mit Thorsten Kruse gewinnt der erste CDU-Mann ein Direktmandat. Martin Scharschmidt folgt, dann Stephanie Pieper und Gerhard Jahnke. 15 Wahlkreise sind inzwischen ausgezählt. Der Wahlkrimi ist in vollem Gang. Die SPD führt mit 80 Stimmen. Der Geräuschpegel bei der CDU steigt: Sie glauben plötzlich an den Sieg, an die Rückeroberung der einstigen roten Hochburg. „Alter Schwede, nur noch 30 Stimmen“, ruft Neufeldt als Wahlkreis 16 auf der Leinwand erscheint.

Der Vorsprung der SPD schmilzt

„Es sieht so aus, als würden wir die stärkste Fraktion bleiben. Damit können wir zufrieden sein“, sagt Ernst-Dieter Rossmann. Aber froh sieht der Elmshorner Bundestagsabgeordnete da schon nicht mehr aus. Derweil verkündet Raudies weitere Ergebnisse. Der Vorsprung schmilzt, Raudies rechnet. „Nur noch 30 Stimmen Vorsprung.“ Ein paar Minuten später legen einige Genossen wortlos das Handy weg. Die CDU hat die SPD überholt. „Scheiße“, entfährt es einem Genossen. Rossmann meldet sich zu Wort: „Ich muss mich korrigieren.“ Nein, zufrieden ist jetzt keiner mehr.

Zum ersten Mal lauter Beifall im Rathaus. Die Christdemokarten liegen vorn – und nur noch drei Wahlkreise fehlen. CDU gegen SPD – alles fokussiert sich auf den Zweikampf zwischen den beiden Großen. „Ich habe noch Champagner im Auto“, sagt Neufeldt. Der Mann ist vorbereitet – auch auf den Siegesfall.

CDU in Champagner-Laune

„Es ist ein bittersüßer Abend“, sagt Raudies. Die SPD ist geschlagen, jetzt heißt es Kopf hoch halten. Dankeschön-Geschenke verteilt. Applaus aus Höflichkeit. Spitzenkandidat Arne Klaus überreicht Beate Raudies eine Flasche Wein. „Eine rote Geschenktüte gab es dafür nicht mehr. Nur schwarz und gelb. Dann lieber gelb.“

Der letzte Wahlkreis: Die Spannung im Rathaus ist mit Händen zu greifen. Endergebnis: Die Christdemokraten jubeln, fallen sich in die Arme. Neufeldt köpft den Champagner.

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