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Ein Rundgang : Elmshorn arbeitet am Friedhof der Zukunft

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Städtischer Friedhof ist zu 70 Prozent belegt. Bestattungswald schon zum dritten Mal erweitert.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 13:00 Uhr

Elmshorn | Ein Rosengarten oder ein Areal mit Apfelbäumen? „Kleine Einheiten mit Themenfeldern sind gefragt“, sagt Hermann Stieler. Wenn der Friedhofsverwalter über das zwölf Hektar große Areal streift, dann schießen ihm die Ideen nur so durch den Kopf. Flächen erweitern, umgestalten, neu konzipieren. Stieler arbeitet am Friedhof der Zukunft. „Der wird pflegeleicht sein“, ist der 62-Jährige überzeugt. „Fertig?“ Nein, Stieler schüttelt den Kopf. „Fertig sind wir hier nie.“

Der städtische Friedhof der Stadt Elmshorn liegt in der Nachbargemeinde Kölln-Reisiek. Sie hatte die Flächen damals gekauft, weil innerhalb der Stadtgrenzen keine geeigneten Flächen gefunden worden waren. Die erste Beisetzung erfolgte am 3. Oktober 1969. Heute gibt es 7522 Grabstellen. Zirka 5300 sind belegt. Der Friedhof ist damit zu gut 70 Prozent ausgelastet. Mit diesen Zahlen ist der Friedhofsverwalter mehr als zufrieden.

Stieler steht vor der Urnenstelenanlage, die sich im Eingangsbereich befindet, direkt hinter der gewaltigen Buche, dem Blickfang auf dem Friedhof. „25 Prozent der Gräber sind schon verkauft. Dass es eine Nachfrage nach dieser Bestattungsform gibt, habe sich bestätigt. Die Stelenanlage war im März dieses Jahres offiziell eingeweiht worden. 22.000 Euro hat die Stadt investiert.

Es gibt auch ein jüdisches und moslemisches Grabfeld.
Es gibt auch ein jüdisches und moslemisches Grabfeld. Foto: Christian Brameshuber
 

Offen für Neues: ein Markenzeichen des Friedhofsverwalters, der seit 2004 die Geschicke des städtischen Friedhofs lenkt. Natürlich hat er schon eine Fläche im Auge, auf der die Stelenanlage erweitert werden kann.  Immer mehr Urnenbeisetzungen: Das ist auch in Elmshorn so. 210 Bestattungen gab es im vergangenen Jahr. „Der Anteil der Urnenbeisetzungen lag bei bis zu 75 Prozent“, sagt Stieler. Doch die Anzahl der anonymen Bestattungen ist rückläufig. „Der zentrale Trauerplatz reicht vielen Menschen nicht mehr. Sie brauchen einen persönlichen Anlaufpunkt, wollen genau wissen, wo die Verstorbenen liegen.“

Wer über den Friedhof streift, stößt immer wieder auf Grabsteine, die auf einem Stück Rasen stehen – ohne Blumenschmuck. Stieler zeigt auf eine Grünfläche. „Das sind alles Grabstellen.“ Alle ohne Stein. Pflegeleicht: Das ist vielen Hinterbliebenen heute wichtig. Wer möchte, kann die Pflege und Bepflanzung von individuellen Gräbern aber auch in die Hand des Friedhofs geben. Vier Gärtner sind auf dem Areal im Einsatz.

Bestattungswald: Das Schild zeigt dem Besucher, wo er sich befindet. „2010 haben wir mit 30 Bäumen angefangen, hatten mit zehn Bestattungen gerechnet“, betont Stieler. Am Ende des Jahres waren es 30 Begräbnisse. Die Nachfrage hat sich in den folgenden Jahren verstetigt. 2013 wurde das zweite Feld eröffnet, 2016 auf dem dritten erneut 40 Bäume gepflanzt. Pro Baum gibt es acht Gräber. Auf einem Holzbalken werden kleine Platten mit den Namen der Verstorbenen angebracht.

Der zentrale Trauerplatz auf dem anonymen Grabfeld.
Der zentrale Trauerplatz auf dem anonymen Grabfeld. Foto: Christian Brameshuber
 

Ganz in der Nähe des Bestattungswaldes befindet sich das Moslemische Grabfeld. „Die Gräber sind alle nach Mekka ausgerichtet“, sagt Stieler, der nach seiner Ausbildung als Landwirtschaftsmeister später noch eine kaufmännische Ausbildung absolvierte. „Früher wurden die Moslems in ihrer Heimat beerdigt. Doch die Menschen leben inzwischen in der dritten und vierten Generation in Elmshorn und wollen auch hier beerdigt werden.“ Die 60 Grabstellen sind fast belegt. 2018 möchte Stieler ein weiteres Feld eröffnen.  Das jüdische Grabfeld auf dem städtischen Friedhof ist für die große jüdische Gemeinde in Elmshorn reserviert. Gräber werden hier nicht wie sonst üblich für 20 oder 25 Jahre gekauft, sondern für die Ewigkeit.

Das Artrium mit den überdachten Laubengängen. Zwei Kapellen mit 240 beziehungsweise 40 Plätzen. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres gab es 84 Beisetzungen. Seit 2011 hat sich die Anzahl der Bestattungen von 151 auf 210 in 2016 erhöht. Die Busse aus Elmshorn halten direkt vor dem Friedhofstor. „Die Stadt Elmshorn wächst und das Umland auch“, sagt Stieler.  Diesen Friedhof hat er gemeinsam mit seinem Team zu einer schönen Parkanlage entwickelt. „Das ist eine offene Anlage, ohne dunkle Gänge.“ Er ist schon wieder unterwegs – die Ideen sprudeln.

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