„Wasserturm-Gespräch“ der SPD : Elmshorn als „Fairtrade-Stadt“

Das Interesse an dem „Wasserturm-Gespräch“ der Elmshorner SPD war groß.
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Das Interesse an dem „Wasserturm-Gespräch“ der Elmshorner SPD war groß.

Über mehrere Stunden wurden in dem historischen Gebäude fairer Handel und faire Produkte zum Gegenstand einer engagierten und intensiven Diskussionsrunde.

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09. Januar 2015, 10:00 Uhr

Elmshorn | Auf ein überaus großes Publikumsinteresse stieß das „Wasserturm-Gespräch“ der Elmshorner SPD mit dem Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann, Monika Czemper vom Elmshorner SPD-Fraktionsvorstand und Albert Röhl vom „Top 21“-Laden aus der Holstenstraße. Über mehrere Stunden wurden in dem historischen Gebäude an der Jahnstraße fairer Handel und faire Produkte zum Gegenstand einer engagierten und intensiven Diskussionsrunde, die von Rossmann souverän und kurzweilig moderiert wurde.

Albert Röhl kennzeichnete zu Beginn der Veranstaltung die gegenwärtige Situation des Fairtrade weltweit. Gemessen am weltweiten Konsum sei die Verbreitung von fairen Produkten derzeit noch sehr gering. Nur 0,01 Prozent der Nahrungsmittelumsätze weltweit würden fair produziert und gehandelt.

Der Marktanteil von fair gehandeltem Kaffee liegt beispielsweise bei etwa zwei Prozent. Damit sich diese Zahlen zukünftig spürbar verbessern, muss – so Röhl – die Politik die Rahmen festlegen. Freiwilligkeit bei Beteiligten reiche nicht aus, da nur ein verschwindend kleiner Teil von Unternehmen von alleine daran ginge, beispielsweise die Arbeitsbedingungen von Menschen in den Herkunftsländern zu verbessern. Umso wichtiger sei es, das Thema ständig in der Öffentlichkeit zu behandeln und den Fairtrade-Gedanken nachhaltig in die Köpfe der Menschen zu bekommen. Nur dann könne es ein Umdenken, auch im Konsumverhalten des einzelnen Bürgers, geben.

Diesem Zweck diene auch das Konzept, das vorsieht die Krückaumetropole zu einer „Fairtrade-Stadt“ machen zu wollen, wie Monika Czemper unterstrich. Es sei zwar kein neuer Gedanke, doch wolle man jetzt bewusst daran gehen, einen Prozess anzuschieben, der die Fairtrade-Thematik verstärkt in die Kommunalpolitik trägt. Arbeitsgruppen mit Bürgern und Mitgliedern unterschiedlicher Verbände zum Thema gäbe es zwar schon, doch bisher ohne Kommunalpolitiker. „Das soll sich ändern. Jetzt muss die Politik miteinbezogen werden“, so Czemper. Man könne dann in einer Stadt wie Elmshorn an diversen Stellen für mehr Nachhaltigkeit im Sinne des Fairtrade-Gedankens agieren – beispielsweise verstärkt im Einzelhandel auf die Thematik hinweisen oder auch in der Gastronomie dieses Bewusstsein schärfen.

Vorurteile abbauen

Auch gelte es, lang bestehende Vorurteile abzubauen. „Vielfach höre ich heute noch von diversen Leuten, dass sie ja gerne auf fair gehandelten Kaffee zurückgreifen würden. Doch sie tun es nicht, weil dieser ihnen angeblich zu scharf gebrannt sei“, so Czemper. Diese Aussagen zeigten ihrer Ansicht nach deutlich, dass die Bürger nicht richtig informiert sind. Mittlerweile gäbe es aber diverse Sorten fair gehandelten Kaffee, der nicht nur unterschiedlich gebrannt wurde, sondern auch nicht teurer sein muss als die Markenware im konventionellen Handel. Auch Czemper setzt von daher auf verstärkte Information des Bürgers in dessen Rolle als Konsument. Auch wenn es insgesamt als ein Kampf wie David gegen Goliath aussieht, sofern man auf die Komplexität und Größe des Freien Handels weltweit schaut, machen die kleinen Aktivitäten vor Ort doch großen Sinn. „Wir haben als Verbraucher auch Macht“, betonte Czemper, die sich vor allem auch mehr Transparenz bei der Entwicklung diesbezüglicher Abkommen wünscht.

Rossmann bestätigte, dass viel kommunales Engagement das Thema ausbreite. Dennoch kennzeichnet er prägnant die globale Lage mit dem bisherigen Freien Handel in einer Welt mit sieben Milliarden Menschen. Unterschiedliche Interessen stießen ständig aufeinander, was unter anderem in den Kriterienkatalogen der Freihandelsabkommen (CETA und TTIP) ablesbar sei. Fairtrade voranzubringen, sei eine Aufgabe, bei der ein überaus langer Atem erforderlich sowie ein Umdenken bei den Menschen in ihrem Konsumverhalten unabdingbar sei – weltweit im Großen und vor Ort im Kleinen.

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