Elektronische Erfassung: Viel Arbeit für Ausländerbehörde

Michael Bethke, Leiter der Ausländerbehörde (l.) berät einen Kunden. Künftig wird das nur noch nach vorheriger Terminabsprache möglich sein. Der Elektronische Aufenthaltstitel sorgt für zusätzliche  Arbeit bei den Mitarbeitern.  Foto: en
Michael Bethke, Leiter der Ausländerbehörde (l.) berät einen Kunden. Künftig wird das nur noch nach vorheriger Terminabsprache möglich sein. Der Elektronische Aufenthaltstitel sorgt für zusätzliche Arbeit bei den Mitarbeitern. Foto: en

Neue EU-Vorschrift / Ab September ist Terminvereinbarung nötig / Politik bewilligt zusätzliche Stelle

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30. Juli 2011, 08:36 Uhr

Pinneberg | Es ist ein neuer Begriff: Elektronischer Aufenthaltstitel (EAT). Dahinter versteckt sich die Vorgabe, dass Ausländer künftig mit einem Dokument im Scheckkartenformat ihre Aufenthaltsberechtigung belegen müssen. Es zeigt aber noch etwas anderes: Wie Gesetze anderer Ebenen, in diesem Fall der EU, dafür sorgen, dass die Haushalte der Kommunen immer mehr strapaziert werden.

Am 1. September wird der elektronische Aufenthaltstitel bundesweit eingeführt. Bislang bekamen Ausländer, die in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung erhielten, einen Aufkleber in ihren nationalen Pass. Darauf stand, dass sie sich in Deutschland aufhalten durften. Künftig, das hat die EU festgelegt, gibt es stattdessen ein Dokument, das dem neuen deutschen Personalausweis entspricht. Dieses neue Dokument soll Fälschungen praktisch ausschließen und Missbrauch verhindern. Doch auf die Behörden in den Landkreisen kommt erheblich mehr Arbeit zu.

Während die Kunden der Ausländerbehörde bislang nur einmal dort erscheinen mussten und relativ schnell wieder gehen konnten, sind nun zwei Besuche nötig: Einmal, um das Dokument zu bestellen und Fingerabdrücke und Fotos abzugeben (wie beim neuen Personalausweis) und das zweite Mal, um das von der Bundesdruckerei ausgestellte Dokument abzuholen.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, auf dem neuen Dokument einen Chip zu installieren, um Online-Geschäfte erledigen zu können. Dafür werden PIN- und PUK-Nummern benötig, vor allem aber ist viel Beratung gefragt. Und die kostet Zeit. Michael Bethke, der Leiter der Ausländerbehörde, schätzt, dass künftig pro Kunde rund 20 Minuten mehr nötig sind als bisher. Bei rund 300 Kunden pro Woche kommt eine erhebliche Mehrbelastung auf die insgesamt 14 Mitarbeiter zu. Die Kreispolitik hat deshalb bereits eine zusätzliche Stelle genehmigt. Dennoch befürchten die Verantwortlichen große Schwierigkeiten, vor allem lange Wartezeiten. Deshalb sagt Bethke: "Ohne Terminvergabe wird es nicht mehr klappen." Er bittet seine Kunden, unter (04101) 212-0 telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Dafür wirbt die Behörde sogar auf Handzetteln: Acht Wochen vor dem Ablaufdatum, der Aufenthaltserlaubnis sollten sich die Kunden um einen Termin bemühen.

Das Problem, das für das neue Dokument geforderte Foto auftreiben zu müssen, wird hingegen bald beseitigt sein: Im neuen Kreishaus soll ein Fotoautomat aufgestellt werden.

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