Elmshorn : Ekel-Hochhaus: Hier stinkt’s zum Himmel

Das Hochhaus am Hainholzer Damm. Foto: Koch
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Das Hochhaus am Hainholzer Damm. Foto: Koch

Urinpfützen, Exkremente und ein übler Geruch, der sich durch das Treppenhaus zieht: Ein Hochhaus in Elmshorn wird ganz offensichtlich als Klo benutzt.

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23. März 2012, 11:58 Uhr

Elmshorn | Sobald man die Tür zum Treppenhaus öffnet, schlägt einem schon der unmissverständliche Gestank entgegen. Der Blick in den Keller-Vorraum offenbart die Quelle des Übels: Urin-Lachen und Kothaufen liegen vor dem Keller-Eingang und verteilen ihren üblen Geruch im Hochhaus am Hainholzer Damm 9.
"Ich weiß auch nicht, wer so etwas macht, aber niemand fühlt sich zuständig dafür", sagt Mieter Peter Guth. Der 71-Jährige wohnt seit etwa vier Jahren in dem Hochhaus. Er habe sich bereits mehrfach an die zuständige Hausverwaltung gewandt, "doch man wird einfach nicht ernst genommen", so Guth.
"Leider haben wir keine Möglichkeit dieses Problem zu beheben"
Seit seinem Einzug vor vier Jahren habe der Hausverwalter bereits dreimal gewechselt. In einem Schreiben vom damals zuständigen Hausverwalter aus dem Jahr 2010 heißt es: "Leider haben wir keine Möglichkeit dieses Problem zu beheben, da scheinbar Mieter des Hauses für diesen unhaltbaren Zustand verantwortlich sind", heißt es in dem Schreiben, das dem sh:z vorliegt. Mieter Peter Guth wurde aufgefordert, Name und Adressen der Personen mitzuteilen, die er beim urinieren erwischt.
Die heute zuständige Hausverwaltung "TAG Asset Management GmbH" bestreitet die Vorwürfe, dass man sich nicht kümmern würde. Pressesprecherin Britta Lackenbauer sagte: "Wir können sagen, dass sich der Zustand gegenüber 2010 bereits verbessert hat", so Lackenbauer. Es gebe allerdings zwei Probleme: Direkt vor dem Haus befinden sich Supermärkte. Die Leute würden dort Alkohol konsumieren und sich dann Zugang zum Hochhaus verschaffen, um sich im Kellerbereich zu erleichtern. "Sie klingeln und ihnen wird aufgemacht", sagt die Pressesprecherin. Ein anderes Problem seien die Haustiere, die wohl einige Mieter frei im Haus herumlaufen lassen. "Eigentlich müssen Tiere bei uns gemeldet werden, das haben aber nur sehr wenige Mieter getan", sagt Lackenbauer. Im Haus müssen deutlich mehr Tiere leben als die gemeldeten.
Gebrauchte Spritzen neben Exkrementen
Bei der verantwortlichen Reinigungsfirma "Klarsicht" aus Itzehoe ist das Problem schon länger bekannt: "Wir reinigen dort regelmäßig einmal die Woche, aber gefühlte zwei Stunden später sind die Exkremente wieder da", berichtet eine Mitarbeiterin, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte. Im Kellerbereich fänden sich aber nicht nur Exkremente, sondern sogar gebrauchte Spritzen. Einen solchen Zustand gebe es im Hamburger Raum zwar schon mal, "in Elmshorn ist das aber einmalig", so die Mitarbeiterin der Reinigungsfirma.
Mieter Peter Guth hat sich zwischenzeitlich sogar an die zuständige Gesundheitsaufsicht des Kreises Pinneberg gewandt. Dort verwies man ihn aber an die Stadt Elmshorn. Beim Elmshorner Ordnungsamt wurde ihm gesagt, dass man allerdings nicht zuständig wäre. Auf sh:z-Nachfrage bestätigt das Ilona Hohnsbehn von der Stadtverwaltung: "Da es sich um ein Privathaus handelt, ist der Vermieter in der Pflicht", sagt Hohnsbehn. "Wir haben keine Möglichkeit einzugreifen und können nur eine vermittelnde Rolle einnehmen."
"Wir wissen selber nicht, wie wir das regeln sollen"
Eine Lösung des Problems scheint nicht in Sicht zu sein: "Wir wissen selber nicht, wie wir das regeln sollen", gesteht Britta Lackenbauer von der Hausverwaltung. "Natürlich könnten wir etwas machen, aber das kostet", fügt sie hinzu. Und das würde man dann den Mietern zusätzlich berechnen.
Eine Aussage, die Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund so nicht stehen lässt. "Der Vermieter kann nicht einfach sagen: Wir wissen auch nicht, wie das gehen soll", sagt Ropertz auf Anfrage des sh:z. "Es ist rechtlich gesehen unstrittig, dass in dem Fall der Vermieter zuständig ist." Wenn die Hausverwaltung nicht wisse, wie man das Problem angehen soll, dann sei dieses Verhalten "unprofessionell". "Die Mieter können sofort die Miete um zwei bis fünf Prozent mindern", so der Experte. Wenn der Gestank in die Wohnungen der Mieter ziehen sollte, könnten die Bewohner sogar noch deutlich mehr Miete einbehalten.

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