zur Navigation springen

Zukünft der Energieversorgung in Elmshorn : Einmaliges Konzept in Deutschland

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Bislang wird ein Teil der Haferschmelze aus Elmshorn zur Energiegewinnung nach Dänemark gefahren. Ein Gutachten ist in Arbeit.

Elmshorn | Ein Student brachte den Stein wieder ins Rollen. Der angehende Stadtplaner Jens Philip Petersen von der Hafencity-Universität Hamburg hat seine Magisterarbeit über die zukünftige Energieversorgung des Elmshorner Sanierungsgebiets Krückau/Vormstegen geschrieben. Dabei stellte er auch dar, wie das gesamte Quartier mit einem mit Haferschmelze der Köllnflockenwerke betriebenem Biomassekraftwerk und Photovoltaikanlagen zukünftig zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgt werden könnte.

Im Elmshorner Rathaus wurden die Fachleute schnell hellhörig, zumal Petersen auch wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Internationalen Bauausstellung in Hamburg war und dort viel praktische Erfahrung bei der Umsetzung neuer Technologien gesammelt hatte. „Seine Untersuchungen waren sehr gut und sehr fundiert“, so Elmshorns Klimaschutzbeauftragter Markus Pietrucha. Die Stadtwerke Elmshorn als mögliche Betreiber eines Kraftwerks und des dazugehörigen Fernwärmenetzes gaben denn auch bei Petersen ein Gutachten in Auftrag, die „Hafer-Variante“ seiner Magisterarbeit vertieft zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen in Kürze den Stadtwerken und der Stadtverwaltung präsentiert werden.

„Grundsätzlich begrüßen wir den Bau eines solchen Kraftwerkes sehr. Vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten würde es die Stadt Elmshorn sowie auch unser Unternehmen bereichern“, sagt Hans Heinrich Driftmann, Chef der Köllnflockenwerke. Der frühere Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages fügt aber auch hinzu: „Voraussetzung ist natürlich ein wirtschaftlicher Konsens aller Beteiligten. Sobald konkrete Ansätze vorliegen, bringen wir uns gerne ein."

Für das Elmshorner Unternehmen hätte ein solches Kraftwerk den Vorteil, dass die Haferschmelze als Abfallprodukt der Produktion kontinuierlich und ohne lange Transportwege abgenommen wird. Verkehr würde nur noch beim Abtransport der Asche entstehen. Für den Kraftwerksbetreiber und die Energienutzer hätte es den Vorteil, dass sie nicht nur saubere, sondern auch im Vergleich zu Kohle oder Gas günstige Energie bekämen, denn Haferschmelze ist auch billiger als Holzpellets.

Eine Herausforderung sieht Elmshorns Klimaschutzmanager als kleinen Nachteil des Konzepts: „Es ist eine so neue Technologie, dass wir in Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen würden“, sagt Pietrucha, der ein derartiges Kraftwerk nur in Dänemark kennt.

Ob und wann das Konzept umgesetzt wird, steht selbstverständlich noch nicht fest. Zwar wird gerade die Wirtschaftlichkeit berechnet, aber es müssten auch noch technische und städtebauliche Fragen geklärt werden. Pietrucha macht dennoch Druck: „Es muss jetzt zügig entschieden werden, weil beim Umbau des Quartiers gleich Leitungen mit verlegt werden müssen.“

Im Sanierungsgebiet vis à vis der Köllnflockenwerke sind unter anderem Geschäfte, Büros, Kultureinrichtungen und etwa 600 Wohnungen vorgesehen, allein 170 davon auf dem ehemaligen Kibek-Areal.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 17.Mai.2014 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen