Eine WM-Stimmung kam nie richtig auf

Kornelius Krüger, Leiter der Lokalsportredaktion, hadert noch immer über das frühe Aus der deutschen Elf.
Kornelius Krüger, Leiter der Lokalsportredaktion, hadert noch immer über das frühe Aus der deutschen Elf.

shz.de von
13. Juli 2018, 14:24 Uhr

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist vorbei. 31 Tage lang blickten Millionen Zuschauer gespannt nach Russland und verfolgten die mittlerweile 21. Austragung des bedeutendsten Fußball-Turniers.

Fußball-Weltmeisterschaften, dort wurden und werden Sportlegenden geboren. 1958 verzauberte ein 17-jähriger Brasilianer namens Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt als Pelé, die Fußballfans und schoss sein Heimatland dank sechs Treffern zum Weltmeistertitel. 28 Jahre später schlug die Stunde von Diego Maradona. Der Argentinier verhalf seiner Nation dank fünf Toren sowie fünf Vorlagen zum zweiten WM-Erfolg. Maradonas „Hand Gottes“ sowie sein spektakuläres Dribbling und „WM-Tor des Jahrhunderts“ im Viertelfinale gegen England sind auch heute noch unvergessen.

Während ich die WM '58 und '86 nur von Erzählungen sowie Videoclips kenne, habe ich die späteren Turniere wie 2006 und 2014 live und in Farbe mitverfolgt – wenn auch zumeist vor dem Fernseher. Das Sommermärchen im eigenen Land, eine tolle Zeit. Die Stimmung im Land und die Emotionen während der deutschen Spiele waren unbeschreiblich. Die WM war gespickt mit Highlights wie dem Sprint von David Odonkor, Elfmeter-Held Jens Lehmann im Viertelfinale gegen Argentinien aber auch dem bitteren Aus im Halbfinale gegen den späteren Sieger Italien.

Acht Jahre später kannte der Jubel keine Grenzen – der vierte Stern war da. Deutschland, die Turniermannschaft, war in den wichtigen Turnier-Momenten zur Stelle. Mario Götzes Treffer im Endspiel, der erhoffte Schlusspunkt der WM 2014.

2018 war hingegen alles anders. Lethargische Auftritte der deutschen Elf. Kein Esprit, kein Siegeswillen – die Endphase gegen Schweden ausgeklammert. Das war nichts.

Meine WM-Stimmung musste somit einen frühen, unerwarteten Dämpfer hinnehmen. Und obwohl unter anderem Frankreichs Kylian Mbappé mit seinen Sprints für Freude sorgte, der kroatische Kampfgeist mich beeindruckte und ich tatsächlich einen Elfmeter-Erfolg der Engländer zu Gesicht bekam, sollte sich kein neues WM-Hoch einstellen. Die Qualität der meisten Duelle – kaum Spielwitz, wenig Torchancen –, gepaart mit destruktiver Mauertaktik zahlreicher Teams taten ihr Übriges.

Die WM in Russland hatte ihre Highlights und wird Millionen von Fans tolle Momente beschert haben. In 20 Jahren wird möglicherweise von der WM-Geburtsstunde Mbappés gesprochen und ich blicke mit anderen Gefühlen auf die 21. Auflage zurück. Aktuell fällt mir der Gedanke jedoch schwer und somit lautet für mich die Hoffnung: WM 2022.

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