Eine verbotene Liebe

Der Autor Lutz van Dijk besuchte Schüler der Bismarckschule.
Der Autor Lutz van Dijk besuchte Schüler der Bismarckschule.

Autor Lutz van Dijk besuchte die Bismarckschule / Er erzählt von einer homosexuellen Beziehung in der NS-Zeit

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26. Mai 2018, 15:17 Uhr

Für den 16-jährigen Polen Stefan und den deutschen Soldaten Willi war es im Jahr 1940 Liebe auf den ersten Blick, für die Nationalsozialisten ein zweifach todeswürdiges Verbrechen.

In seinem Buch „Verdammt starke Liebe“ erzählt Autor Lutz van Dijk die wahre Geschichte einer verbotenen homosexuellen Liebe in der NS-Zeit und ihres verhängnisvollen Schicksals. Es ist das einzige Jugendbuch zu diesem Thema und die Schüler des Geschichtsprofils der
12. Klasse der Bismarckschule nahmen die biografische Fiktion als Grundlagen ihres Beitrags zum „Tag gegen das Vergessen“ Ende Januar im Saalbau. In ihrem Stück: „Es ist immer ein Verbrechen, Liebe zu bestrafen!“, setzten sich die Jugendlichen mit dem Thema Homosexualität während des NS-Regimes auseinander.

Jetzt hatten die Schüler Gelegenheit, den Autor persönlich kennenzulernen. Geschichtslehrerin Tanja Dannenberg hatte den Kontakt zu van Dijk geknüpft. Der erzählte den Schülern jetzt, wie er zu dem schwierigen Stoff gekommen war. Auf der Suche nach einer facettenreichen Geschichte hatte van Dijk mehrere Biografien gelesen – bis ihn ein Brief aus Polen erreichte. Stefan Kosinski schilderte van Dijk auf rund 30 Seiten sein Leben während der NS-Zeit. Besonders beeindruckend war für den Autoren Kosinskis Aussage, dass die Zeit mit seinem Partner trotz aller Schwierigkeiten zur schönsten seines Lebens zählte. Aus diesem Brief entstand schließlich das Buch: „Verdammt starke Liebe“.

Doch nicht nur das Buch entwickelte sich, sondern auch eine enge Freundschaft zwischen van Dijk und Kosinski, die ein weiteres Buch dokumentiert. Van Dijk berichtete den Schülern auch von seinen eigenen Erfahrungen mit Homophobie, erzählte von Schlägereien, Wegsehen, Einreiseverboten und seinen Plänen für die Zukunft. Das Ziel des Autors ist es, eine Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in Auschwitz aufstellen zu lassen. Außerdem hat er eine Petition an den Bundestag gerichtet. Van Dijk möchte erreichen, dass am „Tag gegen das Vergessen“ auch an verfolgte Homosexuelle gedacht wird. Diese wurde abgelehnt – allerdings nur deshalb, weil für 2018 und 2019 bereits andere Schwerpunktthemen ausgewählt worden waren. Der Autor will weiter für das Gedenken der homosexuellen Opfer kämpfen und konnte bereits zahlreiche Mitstreiter gewinnen.

Die Schüler zeigten van Dijk während seines Besuchs auch einen Mitschnitt ihres Stücks „Es ist immer ein Verbrechen, Liebe zu bestrafen!“ Für alle Beteiligten war das ein bewegender Moment.

Nach dem Besuch der
12.-Klässler traf van Dijk in der Aula der Bismarckschule noch auf die Schüler des neunten Jahrgangs, um auch mit ihnen über sein Buch zu sprechen.

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